0
Stadtgeschichte
Stadtmuseum zeigt Ausstellung zu Erlangen und die Kunst
Die Ausstellung „Erlangen und die Kunst“ ist noch bis zum 28. April im Stadtmuseum in Erlangen zu sehen.
Die Ausstellung „Erlangen und die Kunst“ ist noch bis zum 28. April im Stadtmuseum in Erlangen zu sehen. // Harald Sippel
Signet des Fränkischen Tags von Nikolas Pelke
Erlangen – Welches Verhältnis Künstler zur Hugenottenstadt pflegen, möchte eine neue Schau im Stadtmuseum zeigen. Sie zeigt, welcher Wunsch den Künstlern der Stadt bisher unerfüllt blieb. Auch macht sie auf unrühmliche Jahre in Erlangen aufmerksam.

Erlangen hat wahrlich viel zu bieten. Die fränkische Hugenottenstadt ist bekannt für ihre berauschende Bergkirchweih, die großartige Universität und prosperierende Weltkonzerne wie Siemens. Sogar sportlich sorgt das relativ kleine Erlangen mit seinen Handballern inzwischen bundesweit für Schlagzeilen. Doch ausgerechnet bei der prestigeträchtigen Kunst muss Erlangen passen. Neben dem angesagten Kunstpalais mit seinen wechselnden Präsentationen moderner Bildwelten in dem schachbrettartig angelegten Herzen der Innenstadt kann die lebendige Großstadt nur noch mit dem 2001 gegründeten Kunstmuseum im Loewenichschen-Palais beim Manhattan-Kino glänzen, in dem in wechselnden Ausstellungen zeitgenössischen Leihgaben gezeigt werden.

Das ist schön, aber genügen die beiden Orte als Aushängeschilder Erlangens für die Lebensqualität und den Wohlstand der Stadt? Mit diesem „Phantomschmerz“ beschäftigt sich jedenfalls aktuell eine sehenswerte Ausstellung im Erlanger Stadtmuseum, in dem normalerweise die erfolgreiche Ansiedlung französischer Glaubensflüchtlinge im 17. Jahrhundert oder Erlangens relativ später, dann aber umso vehementer Weg in das Industriezeitalter zu Beginn des 19. Jahrhunderts nachgezeichnet wird. Unter dem einprägsamen Titel „Erlangen und die Kunst“ begibt sich die Schau auf Spurensuche nach den eigenen, kunsthistorischen Wurzeln.

Kunst während der NS-Zeit in Erlangen

„Eldorado der Kunst“ oder „kunstarme Stadt“ lautet die alles entscheidende Frage. Dabei wird besonders der „Kunststandort“ im Lauf der vergangenen 100 Jahre in den Blick genommen. Grundlage und Richtschnur der Nabelschau bildet die Kunstsammlung des Stadtmuseums, die beispielsweise mit Christian Klaibers 1912 entstandenem Gemälde mit dem schlichten Titel „Badeanstalt an der Regnitz“, den „Spielenden Kindern“ von Ernst Penzoldt aus dem Jahr 1929 und dem „Jordanweg in Erlangen“ von Jakob Dietz aus dem Jahr 1959 durchaus heute noch sehenswerte Werke in den eigenen Beständen vorzuweisen hat. Um 1900 haben sich mit den Anfängen bürgerlicher Kunstpflege in Erlangen Ausstellungsräume und Galerien, wie die „Kleine Pinakothek“ in der Orangerie als Zweigstelle der Münchner Staatsgemäldesammlung etabliert.

So malerisch hat Christian Klaiber im Jahr 1912 die Badeanstalt an der Regnitz mit Pinsel gemalt.
So malerisch hat Christian Klaiber im Jahr 1912 die Badeanstalt an der Regnitz mit Pinsel gemalt. // Stadtmuseum Erlangen/Erich Malter

Besonders während der 1920er-Jahre machte Erlangen als Schauplatz aufsehenerregender Ausstellungen moderner Kunst von sich reden, ehe die Machtübernahme der Nationalsozialisten dieser Entwicklung mit Gewalt einen Riegel vorschob. Das Stadtmuseum erinnert daran, dass Erlangen im Jahr 1933 sogar eine der ersten Städte in ganz Deutschland gewesen war, in der eine „Schreckenskammer“-Ausstellung mit sogenannter „entarteter Kunst“ gezeigt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich zahlreiche Künstler in der unzerstört gebliebenen Hugenottenstadt an.

Zu wenig Galerien für Kunst in Erlangen

Mit „Baustellenbilder“ erinnert die Ausstellung an das rasante Wachstum während dieser Zeit, die durch die Verlagerung der Siemens-Hauptverwaltung vom zerstörten Berlin nach Erlangen im Jahr 1945 den Aufstieg zur wohlhabenden Angestelltenstadt einleitete. Selbst nach der Ausrufung zur Großstadt im Jahr 1974 klagten Künstler in Erlangen über den Mangel an Ateliers und Galerien.

Bis heute scheint in diesen Kreisen der Wunsch nach einer ständigen Kunstausstellung unerfüllt. Die Ausstellung „Erlangen und die Kunst“ ist bis zum  28. April im Erlanger Stadtmuseum zu sehen.  

Lesen Sie auch:  

Inhalt teilen
  • kopiert!