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Mit dem Kellerbergverein
Süffiges Vergnügen: So war das Stärk’ antrinken in Höchstadt
Die Stärk’ floss im Kellerhäuschen in Höchstadt.
Die Stärk’ floss im Kellerhäuschen in Höchstadt. // Johanna Blum
Höchstadt a. d. Aisch – Der Kellerbergverein hilft mit seinem „Stärk’ antrinken“ dabei, dass die Höchstadter dem neuen Jahr nun gelassen entgegensehen können. Das war auf dem Petersbeckskeller geboten.

Der Kellerbergverein Höchstadt hatte wie immer am 6. Januar zum „Stärk’ antrinken“ auf den Petersbeckskeller eingeladen − und es wurde ein voller Erfolg.

Bereits kurz vor neun Uhr waren die ersten bierdurstigen Gäste vor Ort, um einen guten Platz in der „Stube“ zu bekommen und den ganzen Tag strömten nicht nur viele Höchstadter zum Kellerberg, um sich Stärk’ anzutrinken.

Stärk antrinken 2025: Kellerbergverein feiert in Höchstadt

Vor dem Foyer waren Pavillons aufgebaut, sodass man vor Regen oder Schnee einigermaßen geschützt wurde. Pünktlich um zehn Uhr begrüßte Carsten Constien, der Vorsitzende des Vereins, die Gäste und stellte die Biere vor: Ein Highlight und ein besonderer Genuss seien die zwei in der Museumsbrauerei gebrauten Biere: „Ciconiator: ein Doppel-Bock, das es in sich hat, ein Muss für jeden Bockbier-Fan mit 8,2 Prozent − also bitte mit Bedacht trinken − und das Novem-Bier: Ein süffiges Märzen, gebraut in den ersten nebligen Tagen des Novembers mit 5,8 Prozent.“ Natürlich wurde noch ein Bockbier aus der Brauerei Friedel in Zentbechofen und das „Storchenbier“ aus der Brauerei Blauer Löwe Höchstadt angeboten.

Draußen versammelten sich reichlich durstige Kehlen.
Draußen versammelten sich reichlich durstige Kehlen. // Johanna Blum

„Alle Biere sollen euch gegen mögliche Gefahren, Krankheiten und Widrigkeiten des neuen Jahres wappnen“, sagte Constien.

Stärk’ antrinken: ein alter Brauch

„Das Stärk’ antrinken ist ein alter Brauch am Beginn eines neuen Jahres. Er soll bis auf das Jahr 1691 zurückgehen. Früher feierte man an diesem Termin das Neujahrsfest, deshalb heißt es in Franken heute noch Großneujahr, Hochneujahr oder Öberschder.“

Da der Franke an sich in seinen Traditionen verwurzelt sei und gerne Bier trinke, wappne er sich gegen alles Unheil des neuen Jahres, indem er sich in geselliger Runde Kraft und Gesundheit, im Volksmund Stärk’, antrinkt. Damit die „Stärk“ auch ein ganzes Jahr vorhält, solle er für jeden Monat des Jahres ein Seidla vom Bock trinken. Diese Gepflogenheit ist aus dem vorchristlichen Brauchtum der zwölf Raunächte entstanden, der Zeit „zwischen den Jahren“, in der Geister und Dämonen ihr Unwesen treiben. Durch Lärm, Ausräuchern und mit Stärk’ sollten diese vertrieben werden. Stärk’ steht dabei für Kraft und Gesundheit.

Im Fernsehzeitalter ging der alte Brauch etwas zurück, wurde aber in den vergangenen Jahren immer beliebter. Undatierte Quellen aus der Fränkischen Schweiz sagen: Menschen „tranken lustig drauflos und sangen ihre Lieder“.

Männer billigten sogar, dass ihre Frauen sie begleiten durften. Früher tranken sich Männer und Frauen die Stärk’ auch zu Hause, vermehrt in den Nachmittagsstunden und beim Abendessen an. Allen Hausbewohnern − sogar dem Dienstpersonal − war es an diesem Tag erlaubt zu trinken. Kinder durften sich in Form von Dessertwein Stärk’ antrinken. Das sei in einer undatierten Quelle aus dem nördlichen Franken zu lesen.

Ob alle Bergbesucher ihr Quantum erfüllten? Man weiß es „net gwieß, denn zwölf Seidla machen schon mächtig was her“. „Diese Zwölfer-Regel sollte nicht allzu genau genommen werden,“ erklärte Constien noch. „Hört lieber beim März oder April auf, denn sonst ist’s mit der Stärk’ und der Gesundheit dahin“, fügte er an.

Gute Unterlage wichtig

Das Kellerhäusla war voll und auch im Vorraum gab es fast kein Durchkommen mehr. Um eine gute Unterlage für das edle Getränk zu schaffen, bot die Barbecue-Gruppe blaue Zipfel, Brezen und Schmalzbrot mit eigenem Treber-Brot an, hergestellt von den Braumädels − auch vegetarisch.

Bis nach 17 Uhr war viel los und Constien freute sich über den unermüdlichen Einsatz seiner Vereinsmitglieder.

Im Gründungsjahr 1991 waren es 35 − heute sind es bereits 352 Mitglieder. Sogar die Heiligen Drei Könige kamen vorbei und wünschten den Gästen und dem Verein mehr als nur Stärk’ für das neue Jahr.

Vom leckeren Bier konnten sie zwar nicht kosten, aber eine Limo reichte auch zur Stärk’ für den weiteren Weg.

 

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