Der gusseiserne Kessel, der über dem Eingang hängt, das charmante Fachwerk mitten in der Innenstadt: In und um Höchstadt dürfte es wohl kaum jemanden geben, dem das Töpfla kein Begriff ist.
Hinter der Bar drückt Christoph Geiger auf einen Knopf. Eine Gitarre leuchtet über seinem Kopf auf, darunter die Worte „Live Music“. Zwar hat das Töpfla montags geschlossen, doch Geiger und seine Frau Nikki haben Neuigkeiten zu verkünden. Alles begann mit einer E-Mail. „Wir haben eine E-Mail bekommen, in der stand: Ihr wurdet nominiert. Ich dachte zuerst, das wäre ein Witz“, sagt Nikki Geiger grinsend.
Inzwischen rühren die beiden kräftig die Werbetrommel, denn was für sie am Anfang wie ein Scherz klang, könnte bald Realität werden: Das Töpfla ist als Musikkneipe des Jahres nominiert. Bei dem Award, den die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) verleiht, sollen Kneipen gewürdigt werden, die „Musik zum festen Bestandteil ihres Konzepts machen“.
Töpfla Höchstadt: Nominierung für besonderen Award
Ein Kriterium, das das Töpfla wohl wie kaum ein anderer Ort in der Region erfüllt. Dabei hat Christoph Geiger das Töpfla erst vor dreieinhalb Jahren übernommen. Seit Kurzem sind er und seine Frau stolze Eigentümer des Hauses und haben die Kneipe als Anlaufstelle für Musiker aus der ganzen Welt etabliert.
„Uns ist es wichtig, dass wir Musiker unterstützen“, sagt Nikki Geiger. „Dass wir Singer-Songwritern, die was Eigenes machen, sich ein wenig Reichweite aufbauen möchten, eine Plattform bieten.“ Denn immer wieder sei aus der Musikszene zu hören, dass das gar nicht mehr so einfach sei. „Viele sagen uns, dass es nicht mehr so leicht ist, eine Location zu finden, gerade für Musiker, die eigene Musik machen“, erklärt ihr Mann.
Ein bis zweimal im Monat gibt es im Töpfla Livemusik. Anfragen gäbe es auch mehr, doch Geigers wollen die gesunde Mischung nicht aus den Augen verlieren. „Irgendwann sind die Leute auch übersättigt, es will ja auch nicht jeder hier die Musik hören. Manche wollen einfach gemütlich ein Bier trinken“, erklärt Christoph Geiger.
Die Anfragen kämen inzwischen aus Großbritannien, Amerika, Australien. „Ein Musiker aus Boston hat letztes Jahr angefragt – ich dachte mir nur, wie ein Musiker aus Boston auf unsere kleine Kneipe kommt. Ist das die neuste Variante vom nigerianischen Prinzen?“, scherzt er. Doch das Netzwerk in der Szene sei gut, man empfehle sich gegenseitig.
Musikkneipe des Jahres: Töpfla braucht Stimmen
Die Nominierung bedeutet den beiden Gastronomen viel, auch wenn sie wissen, dass die Konkurrenz groß ist. „Wir malen uns jetzt keine riesigen Chancen aus, aber es wäre schon toll“, sagt Christoph Geiger und seine Frau nickt bestätigend. „Wir könnten zeigen, dass in Höchstadt Kultur gelebt und geschätzt wird, und das, obwohl wir keine Großstadt sind“, sagt sie. „Und wer weiß, wir haben viele treue Stammgäste und das Schulhofkonzert konnten wir ja auch erst nach Höchstadt holen. Der Zusammenhalt hier ist schon groß.“
Natürlich seien auch die Familien und Freunde schon fleißig am Abstimmen, doch Geigers freuen sich über jede Stimme. Bis zum 15. Oktober hat die GEMA die Abstimmung verlängert. Am 17. November soll die Preisverleihung in München stattfinden.
Anerkennung für Livemusik in der Kneipe
Auch wenn das Töpfla dann nicht der Gewinner sein sollte, Geigers sind von der Nominierung an sich begeistert. „Es ist einfach eine Anerkennung für das, was wir hier tun“, sagt Christoph Geiger.
Und das wird das musikbegeisterte Ehepaar auch in Zukunft fortsetzen. Ideen gibt es genügend. „Wir sind prinzipiell erstmal bei jeder Schnapsidee dabei“, sagt Christoph Geiger lachend. Auch für Feedback ihrer Gäste seien die beiden immer offen. „Aber man muss natürlich schauen, was sich alles umsetzen lässt und wie.“
Musikerstammtisch und neue Speisekarte
Eine Neuerung sei aktuell der Musikerstammtisch, an dem immer sonntags Musiker mit Instrumenten aller Art teilnehmen und gemeinsamen jammen können. „Das ist was ganz anderes, als wenn man auf der Bühne spielt. Man hat nicht den Druck und muss nicht die top Performance bringen“, sagt Nikki Geiger, die selbst Musikerin ist.
Vermutlich im Oktober wollen die beiden außerdem anfangen, warme Gerichte in ihre Speisekarte aufzunehmen. „Uns haben öfter mal Gäste darauf angesprochen, dass es ab einer bestimmten Uhrzeit schwierig ist, noch warmes Essen zu bekommen“, erzählt Christoph Geiger.
Künftig wollen die beiden also ihr Angebot an Brotzeiten reduzieren und dafür warme Gerichte wie Suppen und Eintöpfe anbieten. „Außerdem wird es ein bisschen was Asiatisches geben. Das macht meine Mutter, die von den Philippinen stammt“, sagt Nikki Geiger. „Und dann schauen wir mal, was uns sonst noch so einfällt“, meint ihr Mann schmunzelnd.


















