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Hauptendorf, Hesselberg und Co
Kerwa-Wochenende im Landkreis: Wo alte Bräuche gelebt werden
Fischerstecken Kosbach
Aus drei von vier Treffen gingen die Kerwamadli als Siegerinnen hervor. // Manfred Welker
Signet des Fränkischen Tags von Manfred Welker
LKR Erlangen-Höchstadt – Überall im Landkreis wurden dieses Wochenende Kerwabäume aufgestellt. Jede Ortschaft beeindruckte mit eigenen Traditionen und besonderen Momenten.

Hesselberg

Kerwa Hesselberg
Auch die ganz Kleinen strengten sich beim Aufstellen des Kinderbaums ordentlich an. // Manfred Welker

Auf einem Streifen an der Straße, direkt dem Wirtshaus gegenüber, hat während der Hesselberger Kerwa der Baum seinen Platz gefunden. Für die Ortsburschen war dafür am Samstag zunächst Schwerstarbeit angesagt. Um ihnen die Arbeit zu erleichtern, wurde zum Baumaufstellen schon vor einiger Zeit ein Stahlrohr in den Boden eingesenkt. An den drei Schwalbenpaaren packten die Ortsburschen und weitere Unterstützer kräftig an, sodass der Baum schnell in der Senkrechten stand. Danach wurde er verkeilt und mit Zweigen abgedeckt. Um auch den Nachwuchs an ihre zukünftige Aufgabe bei der Kerwa heranzuführen, konnten sie einen Kinderbaum mit elf Metern schmücken und auch beim Aufstellen helfen. 

Am Samstagabend fand der unbestrittene Höhepunkt jeder Kerwa in Franken, das Raustanzen, statt. Sechs Paare hatten sich zu diesem Zweck in dem rund 250 Einwohner zählenden Dorf „gefunden“. Die Kirchweihburschen trugen bei dieser Gelegenheit eine schwarze Hose und ein weißes Hemd, die Mädchen ebenfalls einen schwarzen Rock mit einer weißen Bluse. Jede Tanzpartnerin bekam einen Strauß und dann wurde die Reihenfolge ausgeknobelt, in der sie mit ihrem Partner den Baum umschreiten sollte. Die Paare begaben sich in dieser bestimmten Reihenfolge zum Festgelände, wo dann, begleitet von den Kalindiä Kerwa-Musikantn, die Paare den Baum umrundeten. Dabei gaben die Kirchweihburschen, die in der Rechten ihren Bierkrug trugen, selbst gedichtete, aktualisierte und alte Kirchweihlieder zum Besten, wie zum Beispiel: „Der Florian und sei Fohrrod des is so a Gschichd, Salto Mortale und Bremsn midn Gsichd!“ 

Als der Wecker unter der Decke klingelte, hielt gerade Felix Schuster, begleitet von seiner Partnerin Lina Dürr den Birkenbuschen in der Hand. Schuster konnte sich über einen Krug freuen, Dürr über ein Kaffeeservice. Gemeinsam mussten die beiden ihre Tanzkünste unter Beweis stellen, ehe es sich alle Paare in der Scheune bequem machen konnten.

Hauptendorf

Kerwa Hauptendorf
Zum Ende des Festes wurde traditionell die Kerwa eingegraben, mit dabei: Mama Franconia (links). // Manfred Welker

Wenn in Hauptendorf mit seinen über 1000 Einwohnern Kerwa ist, dann sind fast alle Bewohner eingebunden. Auch in diesem Jahr wurde für die Gäste ein Zelt neben der Kapelle und dem Feuerwehrhaus aufgestellt. Die Bar firmierte in diesem Jahr unter dem Motto Hüttenzauber. Der Feuerwehrvorsitzende, Dr. Georg Wittmann, begrüßte am Freitagabend die Gäste und 3. Bürgermeister Michael Dassler zapfte unter den kritischen Augen der Besucher das Fass der Brauerei Loscher an. Die musikalische Unterhaltung hatte „Burnin Stages“ übernommen. 

Bei der Ausrichtung der Kerwa waren Vorstand Hannes Schmidthuysen und die 25 Ortsburschen und -madli gefragt. Am Samstagnachmittag ging es zum Baumaufstellen. Vorausschauend hatten die Hauptendorfer bei der Gestaltung der Ortsmitte um die Kapelle bereits zwei Röhren fest im Boden verankern lassen, um sich das Baumaufstellen leichter zu machen. Im Galgenhofer Wald wurde ein 29 Meter hoher Kerwasbaum von den Ortsburschen gefällt und ins Dorf geholt. Mitgebracht hatten sie auch einen rund zwölf Meter messenden Baum für die Jugend. Beide Bäume wurden mit Bändern, einem Kranz und der Frankenflagge auf der Spitze geschmückt. Mit einem „Mir sen mir, mir sen mir, mir sen stärker wie a Stier, mir sen stärker wie a Stamm, weil mir Hadndorfer san“ wurde der Kraftakt von den Aktiven gewürdigt. Etwas schneller war der kleinere Baum neben dem Großen von rund einem Dutzend Nachwuchskerwasmadli und -burschen eingepflanzt worden.

Kerwa Hauptendorf
Beim 29 Meter hohen Baum mussten alle mit anpacken. // Manfred Welker

Im Herzogenaurach Ortsteil werden bei der Kerwa noch Bräuche gepflegt, die nicht mehr allerorten Teil des Ablaufs sind. Dazu zählt das „Kiegli zammspiln“ und das Begraben der Kerwa. Seit dem Jahr 2023 „zelebriert“ Jasmin Stephan das Kerwa eingraben in der Figur der Mama Franconia. Dazu zogen die Akteure zunächst durch das Zelt bis an den Fuß der Kerwasbaumes. Die Mama Franconia bezog die Anwesenden in ihren Vortrag mit ein, ihre Aufforderung lautete daher zu Beginn der Zeremonie: „Wir üben mal den Zwischengesang, wenn ich nach meinem Maßkrug lang!“

Beim Singen wurde die Anwesenden von Peter Welker an seiner Quetschn und Herbert Erhardt an der Gitarre unterstützt. Auf eine bekannte Melodie stimmten sie das Lied an:„Der schönste Baum ist der Kärwabaum.“ Dann fasste Stephan auf humorvolle Weise die Ereignisse der diesjährigen Kerwa zusammen und griff einige Geschehnisse während der Kerwa auf. 

Weisendorf

Kerwa Weisendorf
Die Mädels aus dem Ort sorgten noch für den letzten Schliff am Baumschmuck, ehe dieser in die Senkrechte gebracht wurde. // Manfred Welker

Auch die Weisendorfer feierten am Wochenende Kerwa. Schon am Donnerstag brachten ein Rockabend und Oktoberfestgaudi mit den „PartyHirschen“ das Zelt in Hochstimmung. Den Auftakt zur Kerwa machte am Freitag eine ökumenische Andacht, den Anstich zelebrierte Bürgermeister Karlheinz Hertlein dann im Festzelt. 

Am Samstag wurde der Kerwasbaum mit 28,5 Metern geschmückt und in sie Senkrechte gebracht. Am Sonntag wurde der ökumenische Gottesdienst vom Weisendorfer Posaunenchor umrahmt. Viele der Gäste blieben zum Weißwurstfrühschoppen und zum Mittagstisch im Zelt. Am Abend sorgte „Steve‘s 80’s Back Band“ für gute Stimmung. 

Obligatorisch für die Weisendorfer ist der Frühschoppen zur Kerwa am Montag. Im Festzelt waren die meisten Marktgemeinderäte präsent, außerdem Bürgermeister der Nachbarorte, Vertreter der Banken und der Pfarreien. Viele Weisendorfer nutzten den Montagmorgen, um sich auszutauschen, außerdem fanden sich einige Tische zum Schafkopfen zusammen. Am Montagabend fand der Abschluss der Weisendorfer Kerwa statt, beim Raustanzen umrundeten 18 Paare den Kerwabaum. 

Rund 25 Minuten wurden die Tanzpaare und die Zuschauer auf die Folter gespannt, bis klar war, wer in diesem Jahr die glücklichen Gewinner waren. Denn als der Wecker klingelte, hielt gerade Johannes Küffner den Birkenbuschen in der Hand, begleitet von seiner Tanzpartnerin Leni Jornitz. Danach zogen alle in das Zelt, um den Abschluss der Kerwa gebührend zu feiern. Mit einem derartigen Enthusiasmus ist es sehr sicher, dass es auch im nächsten Jahr wieder eine Kerwa in Weisendorf geben wird. 

Kosbach

Kera Kosbach
Im Hof der Fischerei in Kosbach sangen die Kerwaburschen mit Unterstützung von „Die Fränkischen“ Kerwaslieder. // Manfred Welker

Wer an einem Fischerstechen interessiert ist, der muss nicht zur Bamberger Sandkerwa fahren – er kann am selben Tag auch in Kosbach dabei sein, wenn zwei Boote mit einem Stecher aufeinander zufahren und nach einem Gerangel einer von den beiden baden geht. Denn in dieser Disziplin messen sich hier die Kerwaburschen und Kerwamädchen. 

Am Sonntagnachmittag waren die Kerwaburschen beim Kerwaumzug mit einem Traktor und einem Anhänger durch den Ort gefahren, auf den beschrifteten Seiten des Kerwawagens wurden aktuelle Ereignisse aufgegriffen. Etwa: „50 Millionen Haushaltsloch, die STUB die bau'n wir trotzdem noch. Erst nach der Wahl ham ses mitgricht, mit Absicht war des sicher nicht.“ Der Weg des Zugs führte zur Fischerei der Familie Oberle, wo das Fischerstechen auf dem Teich auf dem Firmenareal abgehalten wurde. Zahlreiche Besucher waren dorthin gekommen, um bei dem Spektakel dabei zu sein.  

Fischerstechen Kosbach
Mit einer Art Lanze, die vorne in einer Kugel endet, muss der Stecher versuchen, die Gegner ins Wasser zu befördern. // Manfred Welker

Auf dem Teich schwimmen beim Stechen zwei Boote, an deren Bug ein kleines Brett angebracht ist. Darauf steht der Stecher, der mit einer Lanze, die eine Kugel statt einer Spitze trägt, versuchen muss, den Gegner von seinem Brett ins Wasser zu befördern. Die Kollegen im Boot bringen mit den Rudern das Boot in eine gute Position. Im ersten Durchgang trat ein mit vier Burschen aus Kosbach besetztes Boot gegen eine Damenriege an. Die Mädels hatten dieses Jahr die Nase mit vier zu eins vorn. Nach dem Wettkampf konnten die Gäste und die Aktiven bei den Klängen von „Die Fränkischen“ noch den Tag ausklingen lassen. 

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