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Bewertungs-Irrsinn im Netz
Das fischige Schaukelpferd und das verlorene Seelenheil
Die Karpfenskulptur im Höchstadter Karpfenkreisel wird ebenso auf Google-Maps rezensiert wie unzählige andere Orte in der Region.
Die Karpfenskulptur im Höchstadter Karpfenkreisel wird ebenso auf Google-Maps rezensiert wie unzählige andere Orte in der Region. // Martin Regner
Höchstadt/Forchheim – Auf Google-Maps kann jeder, der sich dazu berufen fühlt, Bewertungen für alle möglichen Locations abgeben. Wir haben die lustigsten Google-Rezensionen zwischen Höchstadt und Forchheim gesammelt.

Ein bisschen missverstanden hat offenbar ein Google-Nutzer den bekannten Karpfen-Kreisel an der B470 in Höchstadt an der Aisch mit seiner Karpfenskulptur „Fridolin“, denn er schreibt dazu auf Google-Maps: „Das Schaukelpferd sieht komisch fischig aus aber ansonsten toller Spielplatz.“ Im Ergebnis vergab der Nutzer aber immerhin 5 von 5 Sternen für den Karpfen-Kreisel. Nicht rund, sondern eckig ist die St.-Georgs-Kirche in der Höchstadter Innenstadt. Eine Eigenschaft, die einen der 43 Google-Rezensenten des Gotteshauses offenbar nachhaltig beeindruckt hat. „Hat vier Ecken“, stellt er auf Google-Maps fest. Und damit lässt er es auch bewenden. Konsequenterweise vergab der Bewerter aber 4 Sterne.

Die St.-Georgs-Kirche in Höchstadt.
Die St.-Georgs-Kirche in Höchstadt. // Foto: Martin Regner

Bei einer weiteren Google-Rezension der Georgskirche weiß man nicht so recht, ob sie Ausdruck einer echten seelischen Notlage, oder die spaßige Verarbeitung der unerwartet vorgefundenen Schließung der Kirche ist: „Werte Glaubensgemeinde, ich habe diesen Abend das Bedürfnis verspürt, Gott wieder nahe zu sein, um meine Seele zu heilen und zu retten. Deshalb wollte ich in der Kirche Buße tun. Allerdings musste ich dabei feststellen, dass das Gotteshaus schon um 20:30 Uhr verschlossen war. Welch gottlose Frechheit! Zu meiner Jugend gab's das noch nicht! Zu dieser Zeit hatte man noch Respekt vor seinen Gemeindemitgliedern! Wo soll ich denn jetzt heute noch meine arme Seele heilen?“

Für bestimmte Örtlichkeiten keine Rezensionen mehr möglich

Eine Notlage ganz anderer Art empfand offenbar ein Google-Nutzer bei seinem Besuch im Höchstadter Engelgarten. Seine durchaus einfach gestrickte Rezension wurde von Google automatisch aus der rumänischen Sprache übersetzt: „Ich kann es nicht beschreiben, ich kacke“. Etwas mehr Zurückhaltung bewies ein Rezensent der Höchstadter Stadtverwaltung am Marktplatz. Er erklärt in seinem Kommentar vielsagend: „Leider kann ich keinen ausführlichen Bericht schreiben, da dies gegen jegliche Google Richtlinien verstoßen würde!“

Bei bestimmten Orten hat Google die Möglichkeit, Rezensionen abzugeben, deaktiviert. Dazu gehört die Polizeiwache in Höchstadt.
Bei bestimmten Orten hat Google die Möglichkeit, Rezensionen abzugeben, deaktiviert. Dazu gehört die Polizeiwache in Höchstadt. // Martin Regner

Für bestimmte Örtlichkeiten hat Google die Möglichkeit, Rezensionen abzugeben, in letzter Zeit deaktiviert. Zur Begründung schreibt das Unternehmen: „Wenn wir feststellen, dass Nutzerbeiträge für bestimmte Orte wiederholt nicht hilfreich, schädlich oder nicht relevant sind, können von Nutzern erstellte Inhalte für diese Orte eingeschränkt oder gesperrt werden“. Davon betroffen ist zum Beispiel die Polizei-Inspektion in Höchstadt, die einmal folgende, aufgrund der Deaktivierung allerdings inzwischen nicht mehr öffentlich lesbare Rezension eines Google-Nutzers erhalten hatte: „Musste in der Zelle schlafen. war aber mega. Essen zwar billig, aber heiße Beamtinnen gibt’s. Habe mich aber nicht getraut, sie anzumachen.“

Die Schmerzen beim Betrachten der Kunst

Womöglich waren Meinungsäußerungen wie diese der Grund, warum Google die Rezensionen für die Polizeiwache in Höchstadt generell deaktiviert hat. Allerdings ist auch eine frühere Bewertung der Polizei in Herzogenaurach aufgrund der Deaktivierung heute nicht mehr lesbar, obwohl sie voll des Lobes war: „Alle sind wunderschön“. Verbunden war diese Schwärmerei für die Herzogenauracher Polizei mit 5 von 5 Sternen. Beim Rathaus der Stadt Erlangen ist die Abgabe von Bewertungen auf Google dagegen nach wie vor möglich. „Rechnen Sie einfach damit, von oben herab behandelt zu werden und sie werden nicht enttäuscht werden“, lautet eine davon - mit einer ordentlichen Portion Ironie seitens des Verfassers.

Nicht nur für den „Fridolin“ in Höchstadt, sondern auch ein Stück weiter östlich im Landkreis Forchheim gibt es auf Google verewigte Meinungen zu Kunstwerken im Kreisverkehr. So sind schon 25 User-Meinungen zum Kersbacher Kreisel und zu seinem Text-Kunstwerk abgegeben worden. Dieses zeigt ein Zitat des Romantikers Ludwig Tieck, das ein Google-Rezensent offenbar für lesenswert hält: „Definitiv 3 Runden im Berufsverkehr wert. Keine Tickets oder Reservierungen für den Besuch der Schönheit notwendig.“

Der Kersbacher Kreisel: Das Kunstwerk in seiner Mitte mit einem Spruch des Romantikers Ludwig Tieck ist von Anfang an umstritten.
Der Kersbacher Kreisel: Das Kunstwerk in seiner Mitte mit einem Spruch des Romantikers Ludwig Tieck ist von Anfang an umstritten. // Martin Regner

Ganz eindeutig schlecht kommt hingegen das Kunstwerk „Talking to the Sky“, das in Forchheim an der Klosterstraße steht, in einer von insgesamt sechs Google-Rezensionen weg: „1 Stern ist noch zuviel für diese Manifestation einer unästhetischen Hässlichkeit. Wenn ich hier zu Besuch bin bereitet mir dieses ‚Kunstwerk‘ jedesmal Schmerzen wenn ich nur daran vorbeigehen muss“. Ein anderer Nutzer schreibt zu dem Werk des Künstlers Arne Quinze mit unverhohlenem Sarkasmus: „Warum unternimmt die Stadt Forchheim nichts gegen die wilde Ablagerung von Sperrmüll?“

Aus Sicht eines Google-Rezensenten nur „Sperrmüll“: Das Kunstwerk „Talking to the Sky“ in der Forchheimer Klosterstraße
Aus Sicht eines Google-Rezensenten nur „Sperrmüll“: Das Kunstwerk „Talking to the Sky“ in der Forchheimer Klosterstraße // Martin Regner

Es gibt tatsächlich auch Menschen, die auf Google mehr oder weniger ernsthaft Bewertungen für Schotterplätze abgeben. So zum Beispiel für den Pendler-Parkplatz Forchheim-Süd an der B470. Einer der immerhin schon 16 Berichte zu dieser Location enthält folgende, wenig überraschende Einschätzung: „Nice zum Kollegen abholen“. In einer mit 5 Sternen versehenen Bewertung des öffentlichen Parkplatzes an der Hafenstraße heißt es anerkennend: „Parkplatz taugt. Viel Dreck zum aufwirbeln.“ Leicht genervt klingt dagegen der Kommentar eines Nutzers zum Pendlerparklatz „Am Stahl“ auf der Ostseite des Forchheimer Bahnhofs: „Wenn Google will, dass ich einen Parkplatz bewerte, dann bewerte ich halt einen Parkplatz. Also man kann hier ganz toll sein Auto abstellen. Echt super!“

Und ein weiterer Google-Nutzer hat offenbar das ultimative Kriterium zur Bewertung der Forchheimer Sportinsel gefunden: Mit einer Portion Schadenfreude vergibt er 5 Sterne für diesen Ort, denn einer seiner Kumpels „verliert hier immer im Bierpong“.

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