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Orientierung
Wie man im Landkreis FO mit nur drei Worten ans Ziel kommt
Mit drei Worten kommt man auch zur Kapelle auf dem Walberla
Mit drei Worten kommt man auch zur Kapelle auf dem Walberla // Foto: Dominik Kindermann/AdobeStock, Montage: Maximilian Arnold
Landkreis Forchheim – Manche Orte sind schwer zu finden, weil sie keine Adresse haben. Eine neue Methode soll helfen. Was bringt what3words? Bei Rettungskräften, Zustellern und Taxifahrern sind die Meinungen geteilt.

Sind Sie heute über ///risiko.aufrecht.schaffner gelaufen oder haben Sie womöglich schon einmal in luftiger Höhe bei ///ballsaal.langen.umgibt vorbeigeschaut? Das sagt Ihnen nix? Tatsächlich handelt es sich dabei um zwei sehr bekannte Orte im Landkreis Forchheim, kodiert mit „what3words“.

Lieferungen an Ziele ohne Adresse ermöglichen

An ///risiko.aufrecht.schaffner mündet der Badsteg über die Wiesent beim Schiefen Haus auf die Wiesentstraße und bei ///ballsaal.langen.umgibt befindet sich die Eingangstür zur Kapelle auf dem Walberla, wo man durch ein Guckloch in den Innenraum des Gotteshauses sehen kann. Diese auf den ersten Blick relativ sinnfreien, weil von einem Zufallsgenerator generierten Drei-Wort-Kombinationen haben durchaus einen praktischen Zweck.

Mit ihnen soll es leicht und schnell möglich sein, Orte zu finden, die keine Postadresse haben. Zum Beispiel Einsatzstellen für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst außerhalb von Ortschaften, mitten im Wald oder in großen Parks. Oder Lieferungen an Ziele ohne Postadresse wie Baustellen oder Buden auf Festplätzen. Oder konkrete Stellen in einer weitläufigen Anlage wie einem Messegelände oder einem Industriebetrieb, wo viele verzweigte Gebäude und Höfe nur eine Adresse haben.

Der Badsteg in Forchheim hat auch eine Drei-Wort-Adresse.
Der Badsteg in Forchheim hat auch eine Drei-Wort-Adresse. // Foto: Animaflora PicsStock/AdobeStock, Montage: Maximilian Arnold

Dazu hat what3words.com die gesamte Oberfläche der Welt und damit auch des Landkreises Forchheim in unzählige, jeweils drei auf drei Meter große Quadrate aufgeteilt und jedem eine einmalige Kombination von drei Worten zugeteilt wie eben ///risiko.aufrecht.schaffner für das nördliche Ende des Forchheimer Badstegs.

Nach Angaben des Unternehmens wird das System international vielfältig benutzt, etwa von Leitstellen für Rettungsdienste und in der Zustellbranche. Im Landkreis Forchheim ist die Methode zwar durchaus bekannt, wird unter dem Strich aber nur selten benutzt, wie eine Stichprobe des Fränkischen Tags ergab.

What3words: Besonders die Bergwacht nutzt das System

So schreibt etwa Dietmar Willert von der auch für den Landkreis Forchheim zuständigen Integrierten Leitstelle (ILS) in Bamberg, bei der man landet, wenn man die 112 wählt: What3words „wird in der Leitstelle Bamberg zusätzlich zu anderen technischen Möglichkeiten durchaus verwendet.“ Generell werde eine postalische Adresse bevorzugt, „bei Unglücksfällen im Gelände, Wald oder auch Klettergebieten können wir mit entsprechenden Mitteilungen aber umgehen“. Bei der Alarmierung würden what3words-Adressen von der Leitstelle umgeschlüsselt und den ausrückenden Einsatzkräften in brauchbarer Form zur Verfügung gestellt. 

Besonders die Bergwacht verwende what3words sehr oft, erklärt Willert weiter. Denn diese Organisation rückt naturgemäß häufig in unwegsames Gelände aus, etwa um verunglückte Wanderer und Kletterer zu retten. Die ILS Bamberg gibt ihren eigenen Standort im Internet übrigens parallel zur Postadresse auch in what3words an. Sie befindet sich demnach an ///platzt.minuten.grenzt.

Kein Thema bei Lieferando und der Post

Auch seitens der Polizei bestehe die Möglichkeit, den Ereignisort mit Hilfe von what3words festzustellen, teilt Alexander Stieg von der Polizei in Ebermannstadt auf Anfrage mit. Die Polizeistreifen würden in einem solchen Fall über die Einsatzzentrale zum Einsatzort gelotst. „Im Bereich der Polizeiinspektion Ebermannstadt trat im letzten Jahr ein Fall auf, wo ein Wanderer, der über einen Notruf via what3words seine Position durchgab, durch die Bergwacht geborgen und versorgt werden konnte.“ Auch im Gesamtbereich des Polizeipräsidiums Oberfranken, „wurde what3words einige Male benutzt, um entlegene Fundorte, beispielsweise einen durch Wanderer aufgefundenen Rucksack oder einen nach einem Einbruch weggeworfenen Tresor zu lokalisieren.“

Der Essenslieferdienst Lieferando benutzt what3words dagegen nicht. „Zur Bestellung ist eine Postadresse nötig, wobei Besteller im Kommentarfeld Angaben zum genauen Zielort machen können“, teilt Lieferando-Sprecher Oliver Krug auf Anfrage mit. Man könne also zum Beispiel bei großen Gebäuden Zusatzangaben wie „Eingang A“ machen, um die Essenslieferung zu erleichtern.

Hermes nutzt spezielle Software zur Navigation

Innerhalb von Deutschland sind Drei-Wort-Adressen auch kein Thema für die Post: „In Ländern wie Deutschland sind wir in der Lage, den Zustellort anhand der vorliegenden Adresse sehr genau zu finden. In Ländern mit weniger etablierten Adressstrukturen wie beispielsweise in Südostasien findet man den genauen Zustellpunkt mit Hilfe der Adresse hingegen nicht so einfach“, erklärt Jasmin Derflinger, Pressesprecherin der Deutschen Post. Für in solche Länder adressierte Sendungen bereite die Post ihre Systeme in einzelnen Pilotprojekten darauf vor, dass Kunden womöglich in der Zukunft what3words nutzen können.

Beim Paketlieferdienst Hermes hat man für die Orientierung der Zusteller eine eigens entwickelte Navigationslösung namens „Hernav“ im Einsatz, wie das Unternehmen mitteilt. Außerdem würden die Zusteller „ihr Einsatzgebiet (lokale Besonderheiten eingeschlossen) meist wie ihre Westentasche“ kennen, so Pressesprecherin Julia Kühnemuth. Auch die Pannenhilfe des Autoclubs AvD kommt ohne Drei-Wort-Adressen aus. Dessen Sprecher Malte Dringenberg schreibt, man habe vor geraumer Zeit die Nutzung der Methode geprüft, sei aber „zu dem Ergebnis gekommen, dass deren Implementierung für uns und unsere Servicepartner zu aufwendig wäre“. Stattdessen nutze man bei der Pannenhilfe ein SMS-basiertes Ortungssystem.

Taxifahrer sind gut ortskundig

Regionale Taxiunternehmen können die Drei-Wort-Adressen offenbar auch nicht brauchen: Wenn jemand anrufe, der etwa außerorts bei ///ausüben.anstrengend.rezept abgeholt werden will (ein Waldweg bei Serlbach), dann klingt das für Manfred Neubauer von „Taxi Neubauer“ aus Forchheim verdächtig: „Wir haben schon viele schlechte Erfahrungen gemacht“, erklärt Neubauer mit Blick auf scherzhafte Taxibestellungen an irgendwelche Stellen außerorts.

Für die Frage, ob Neubauer einen Auftrag annimmt oder nicht, spiele auch eine Rolle, ob die Telefonnummer des Anrufers im Display angezeigt wird oder nicht. Und im Zweifelsfall „habe ich bis jetzt noch alles gefunden“, so dass what3words in seiner täglichen Fahrpraxis nicht benötigt werde, sagt Neubauer. „Das ist mir nicht bekannt“ und es sei auch noch nicht vorgekommen, dass ein Kunde eine solche Drei-Wort-Adresse genannt habe, erklärt Gerhard Walter von „Taxi Junghans“ in Reuth. Und weiter: „Taxifahrer sind sehr ortskundig und finden ihre Kunden auch so.“

Der Foodtruck steht bei den Bürsten

Auch beim Fahrdienst Kutschka aus Gräfenberg kommt es nicht wirklich vor, dass jemand Drei-Wort-Adressen nennt, wie Mirko Langer mitteilt. Mitunter würden besonders an Wochenenden Betrunkene anrufen, die mit dem Taxi vom Fünf-Seidla-Steig „gerettet“ werden wollen und nur angeben können, dass sie an einem Baum lehnen: „Aber auch die haben wir bis jetzt immer gefunden.“

Einer der wenigen, die die Methode tatsächlich regelmäßig nutzen, ist der Barbecue-Foodtrucker Michael Gröschel aus Höchstadt im Nachbarlandkreis ERH. Der steht mit seinem Verkaufsmobil beispielsweise regelmäßig im Quadrat ///dürfen.erwog.bürsten in Forchheim. Wo das genau ist, können Sie nachschauen auf what3words.com. Ihre Redaktion des Fränkischen Tags finden Sie im Zweifelsfall übrigens auch mit what3words und zwar an der Stelle ///hinaus.palme.schwarz.


Wie drei Erfinder auf die Drei-Wort-Adressen gekommen sind

Die Macher von what3words.com geben an, dass die Idee, Örtlichkeiten durch drei Worte zu lokalisieren, auf Chris Sheldrick zurückgeht. Der habe weltweit Konzerte und Auftritte von Künstlern organisiert und dabei sei ihm aufgefallen, dass eine schlechte Adressierung immer wieder für Probleme sorgte.

Es wird eine Anekdote von Sheldrick kolportiert, wonach ein Lkw-Fahrer das gesamte Equipment für ein Konzert in Italien eine Stunde nördlich von Rom ablud, statt in der entgegengesetzten Richtung, wo es eigentlich hingesollt hätte. Noch schlimmer sei ein Moment gewesen, als ein Keyboardspieler ihn mit den Worten anrief: „Chris, krieg’ jetzt keine Panik, aber ich glaube, wir haben unseren Soundcheck gerade bei der falschen Hochzeit gemacht.“

Nach einer ganzen Reihe solcher Frustmomente soll Sheldrick zu dem Schluss gekommen sein, dass das weltweite Adresssystem nicht gut genug war. Er habe es dann mit GPS-Koordinaten versucht, damit Menschen und Ausrüstung zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftauchen. Angaben wie „40.7127753, -74.0059728“, wo ein Gebäude in einem Park in New York steht, seien aber zu unzuverlässig für die Beschreibung von Treffpunkten gewesen. Denn wenn man erst 16 Ziffern in ein Gerät eingeben oder telefonisch mitteilen müsse, „führt das sehr schnell zu Fehlern.“ Chris Sheldrick soll sich deswegen mit seinem Schulfreund Mohan Ganesalingam, einem Mathematiker, zusammengesetzt haben. Ihr Ziel: Eine Möglichkeit für Ortsangaben zu finden, die genauso präzise sind wie GPS-Koordinaten, aber kürzer und einfacher zu benutzen.

Der erste Algorithmus für die Drei-Wort-Adressen soll von Ganesalingam auf der Rückseite eines Briefumschlags notiert worden sein. Er und Sheldrick sollen dann einen weiteren Schulfreund namens Jack Waley-Cohen an Bord geholt haben, der einen beruflichen Hintergrund im Bereich Übersetzungen hatte. Das Ergebnis sei die Gründung von what3words.com gewesen.

Heute nutzen nach eigenen Angaben des Unternehmens Millionen von Menschen auf der ganzen Welt die von den drei Freunden entwickelten Drei-Wort-Adressen.


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