Für Besucherinnen und Besucher bedeutet die Bergkirchweih in Erlangen zwölf Tage lang Spaß, Musik und Bier. Für diejenigen, die am Berg wohnen, bringt das Volksfest auch unerfreuliche Erfahrungen mit sich. Zwei Wochen Berg und rund eine Million Besucher, das heißt auch viel Lärm und so manche Betrunkene. Die Anwohner am Berg haben unterschiedliche Strategien, damit umzugehen.
Anwohner: Flucht in den Urlaub
Am Mittwoch laufen die letzten Vorbereitungen der Keller und Schausteller. Überall auf und um das Berggelände herum sind die Wagen der Schausteller abgestellt. Überall Schilder über Halteverbote, gesperrte Bushaltestellen und Verkehrsänderungen. Normalerweise flüchtet der ältere Herr aus der Rathsberger Straße mit seiner Frau während der Bergkirchweih in den Urlaub. Sie wohnen schon etliche Jahre am Berg. „Als Jugendliche haben wir uns noch Gefechte mit den Schaustellern geliefert“, erinnert sich der Rentner schmunzelnd. Seinen Namen will er lieber nicht in der Zeitung lesen.
Seit dreißig Jahren würden sie zur Volksfestzeit wegfahren. In diesem Jahr sei ein Urlaub nicht möglich gewesen. Mehr oder weniger unfreiwillig wird er nun seine erste Bergkirchweih seit drei Jahrzehnten erleben. Das nimmt der Rentner recht gelassen. Vielleicht geht er mal tagsüber auf die Bergkirchweih, wenn es ruhiger ist. Nur die Parksituation stört ihn. Darum müssten sie ihre Autos werden während der Bergzeit im Hof parken.
Bergkirchweih: Laute Musik, Betrunkene, Pinkler
Einflugschneise zahlreicher Lederhosen und Dirndl bilden die Bergstraße und die Jägerstraße. Ein Anwohner hier bezeichnet sich als „wunschlos glücklich“ mit dem Fest direkt vor der Haustür. Ein paar Häuser weiter berichtet eine Frau, dass sie seit 20 Jahren hier leben und jedes Mal zur Bergkirchweih in den Urlaub fahren. Auch dieses Jahr. Am Freitag fahren sie los.
Vor ein paar Jahren habe das ausnahmsweise nicht geklappt. Während des Volksfests zu Hause zu sein, sei für sie „eine Zumutung“ gewesen. Sie lebe eigentlich gerne dort. „Der Rubel muss zur Bergzeit fließen“, sagt die Frau. Für sie als Anwohnerin sind die damit einhergehenden Betrunkenen nicht immer leicht auszuhalten. Die würden irgendwo hin pinkeln oder müssten sich übergeben. Das hat die Frau schon erlebt. Auch wenn nach 23 Uhr am Berg der Betrieb eingestellt wird, ginge die Party in der Nähe trotzdem weiter. Das Schlimmste an der Bergkirchwein? „Die laute Musik“, sagt die Frau. „Wir hören von hier aus oft vier Bands auf einmal.“
Sinkt bei den Bergbesuchern die Hemmschwelle?
„Der Berg hat schöne und weniger schöne Seiten“, weiß ein Anwohner aus der Essenbacher Straße. Seit mehr als 40 Jahren lebt er mit seiner Frau hier. Seiner Ansicht nach verhalten sich gerade junge Besucher heutzutage anders als früher. „Es gibt keine Hemmschwelle mehr“, findet der Mann.
Sein Garten wurde in der Vergangenheit „zusammengerissen“. Dort habe er auch schon kaputte Maßkrüge und sogar Damenschlüpfer gefunden. Beim Nachbar, wo nachts ein Licht brennt, gingen die betrunkenen jungen Frauen zum Pinkeln hin. Sie hätten so ziemlich alles schon erlebt, berichtet das Paar. Auch „Gegröle und die Besoffenen“, erzählt die Frau.
Während der Bergzeit sei auch die Parksituation in ihrer Straße ein Problem. Denn für die Festtage wird die Essenbacher Straße zu einer Einbahnstraße. Für die Bewohner sei dann zum Parken nicht mehr genug Platz, und das trotz Anwohner-Parkschein.
„Nürnberg, Fürth, auf dem Oktoberfest – es ist überall so“, sagt der Mann. Während der Bergzeit bleiben sie Hause. „Ich fahre nicht weg. Warum sollte ich?“, fragt er. Der Bergkirchweih können die beiden auch Positives abgewinnen. Zum Beispiel das traditionelle Böllern der Hauptschützengesellschaft. Einst veranstalteten die Altstädter Schützen dort ihr Pfingstschießen am Altstädter Schießhaus, aus dem sich das beliebte Volksfest entwickelte.
Bergkirchweih: Entweder gehen oder mitmachen
Und dann gibt es noch diejenigen, die freiwillig in die Nähe des Bergs ziehen. Weil er erst in den kommenden Monaten einziehen wird, hat ein Mann mangels Zauns seinen Vorgarten mit Absperrband abgeriegelt. Den ersten Berg als Anwohner wird er erst im nächsten Jahr erleben. Wird er in Zukunft während der Bergkirchweih in den Urlaub flüchten? „Es wird schon laut. Das muss man ertragen“, überlegt er. Bald lebt er mit dem Berg vor der Haustür. Dafür hat er eine pragmatische Lösung: „Entweder gehen oder mitmachen.“














