Anfang Juni startet die 270. Erlanger Bergkirchweih. Während dieser Tage besuchen ungefähr eine Million Besucher das Volksfest auf der Suche nach gemütlichem Beisammensein, Unterhaltung und, natürlich, auch auf der Suche nach dem Bier der zahlreichen Keller. Die bieten unterschiedliche fränkische Biere an. Die wenigsten davon werden in Erlangen gebraut. Welche Biere es wo gibt, zeigt diese Übersicht.
Aktuell gibt es zwei Erlanger Brauereien, deren Bier auf Bierkellern ausgeschenkt wird, Steinbach Bräu und Entla’s Keller. Daneben gibt es noch das ehemals Erlanger Bier Kitzmann, welches heute zur Kulmbacher Brauereigesellschaft gehört. Tucher Bier aus Nürnberg ist am häufigsten auf den Bergkellern zu finden.
Im Keller gebraut und auf dem Keller getrunken
„Bier ist ein sehr emotionales Thema“, sagt Vinzenz Schiller, der im Familienbetrieb in dritter Generation den Entla’s Keller betreibt. „Ich glaube schon, dass sich die Leute mit den Brauereien ihrer Stadt identifizieren“, sagt der gelernte Braumeister. Trotzdem scheinen die Erlanger Biere auf der Erlanger Kirchweih in der Minderheit zu sein.
Beim Entla’s Keller hat Schiller 2021 angefangen eigenes Bockbier herzustellen. 2022 startete der Keller seine erste Saison mit selbst gebrautem Bier. Mehr Bezug zum Berg als das Kellerbier „Brudi“, der Spezialsud „Schwesti“ oder die wechselnden Monatsbiere könnte ein Erlanger Bier kaum haben. Denn das Bier wird als einziges sogar in den Felsengängen des Bergs gebraut, im Keller gelagert und auf dem Keller getrunken. Mit der Brauerei im Berg hat sich der Brauer einen Traum erfüllt. Das Resultat trinken Besucher gerne: Das Geschäft laufe laut Schiller gut und der Keller baue seine Braukapazitäten aus. Neben dem eigenen Bier gibt es bei Entla's außerdem Weizenbiere der Brauerei Gutmann sowie Radler und Alkoholfreies von Mönchshof.
Erlanger Bier mit Tradition: Steinbach Bräu
Ein Erlanger Traditionsbier ist das Steinbach Bräu. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird das Bier in der Hugenottenstadt gebraut. Ausgeschenkt wird es heute im gleichnamigen Gasthaus. Auf dem Berg findet man das Steinbach Bräu beim Steinbachkeller und dem Helbig Keller. Die Brauerei stellt eigens für die Bergkirchweih ein traditionell dunkles Festbier her. Eine weitere Besonderheit, das Bergweizen, gibt es nur beim Helbig Keller.
Der Platzhirsch aus Nürnberg: Tucher Bier
Der traditionelle Fassanstich wird dieses Jahr von Henninger Keller ausgerichtet. Am Donnerstag, 5. Juni, um 17 Uhr, wird Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) das Volksfest eröffnen. Auf den Bildern vom Anstich 2024 ist der Name Tucher unübersehbar: über dem Fass, auf der Schürze des Oberbürgermeisters und auf dem Bierkrug. Der Henninger Keller ist einer von vielen, die die Biere der Brauerei aus Nürnberg anbieten.
Das Tucher Bergkirchweih Festbier gibt es auf insgesamt sechs Kellern, auf dem Tucher Keller, dem Höfbrau Keller, Niklas Keller, Erich Keller und Hübners Keller. Damit verkauft die Mehrheit der Keller in Erlangen das Nürnberger Bier. Auf Anfrage von fraenkischertag.de teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit, dass das Tucher Bier bereits seit 1912 auf dem Erlanger Berg getrunken werde. Anfang der 1970er-Jahre sei zum ersten Mal eine Bergkirchweih mit dem Nürnberger Bier eröffnet worden. Die Brauerei freut sich über die Popularität. Als Teil der fränkischen Bierkultur engagiere man sich dafür, diese mit zahlreichen Engagements und der Unterstützung traditioneller Events wie der Bergkirchweih zu bewahren.
Stadt Erlangen möchte Tradition pflegen und erhalten
Organisator der Bergkirchweih ist die Stadt Erlangen. Für die ist das Volksfest ein Aushängeschild, Alleinstellungsmerkmal und Touristenmagnet. Wie steht die Stadt dazu, dass es auf der Institution Berg wenige Erlanger Biere gibt? Konrad Beugel, Erlangens Kämmerer und „Bergreferent“, teilt auf Anfrage mit: „Als Veranstalter der Bergkirchweih ist uns im Sinne der Pflege und Erhaltung der Tradition wichtig, dass es zum einen ein eigens zubereitetes Festbier gibt und zum anderen die Brauereien eine fränkische Wurzel haben.“
Beugel gibt zu bedenken, dass sich die Brauerei-Landschaft in Erlangen über viele Jahrzehnte verändert habe. „In Erlangen produziert keine große Brauerei mehr Bier.“ Zwar gebe es mit mittleren und kleineren Brauereien vielfältige Bierkultur in der Stadt. „Nur eine dieser Brauereien kann aber die Mengen produzieren, die für den Betrieb eines Kellers während der Bergkirchweih benötigt werden. Auch die größeren Brauereien, die nicht hier vor Ort brauen, knüpfen an die Erlanger Brauereigeschichte an.“
Ehemals Erlanger Bier: Kitzmann
Am zweithäufigsten gibt es auf der Bergkirchweih Bier von Kitzmann. Mehr als 300 Jahre wurde das Bier in Erlangen gebraut, bis 2018 der Betrieb eingestellt wurde und Kitzmann von der Kulmbacher Brauerei übernommen wurde. Kitzmann gibt es auf dem Berg bei den Kellern Kitzmann, Entla’s Keller, Hartmann und Weller.
Bier aus Kulmbach und Bamberg: Goldmann Keller und Birkner's Keller
Ein weiteres Bier aus Kulmbach gibt es beim Birkner's Keller. Wie die Stadt Erlangen auf ihrer Website schreibt, wurde der Keller nach einem Abriss in den 1980er-Jahren wieder in Betrieb genommen und bot seitdem Kitzmann Bier an. Mittlerweile ist der Keller auf Mönchshof umgestiegen und schenkt unter anderem das Fest- und Weißbier der Kulmbacher Brauerei aus. Neben dem Keller wird das Bier von Mönchshof auch im Altstädter Schießhaus verkauft.
Das einzige Rauchbier auf dem Berg: Goldmann Keller
Der Goldmann Keller, ehemals Kirchner Keller, wird seit 2008 von Besitzer und Namensgeber Thomas Goldmann bewirtschaftet. Er ist der wohl kleinste Keller auf dem Berg und der einzige, der Rauchbier, der Brauerei Kundmüller aus Viereth-Trunstadt (Landkreis Bamberg), am Berg ausschenkt.

















