Ein Rundgang durch das Werksgelände von Martin Bauer in Vestenbergsgreuth ist ein Erlebnis für den Geruchssinn: Überall wehen aromatische Düfte durch die Produktionshallen. Mal riecht es intensiv nach Pfefferminze und schon ein paar Meter weiter kann es erfrischend nach Zitronengras oder fruchtig nach Hibiskus oder Erdbeere duften.
Palettenlager in Vestenbergsgreuth umfasst 10.000 Stellplätze
Kräuter, Teeblätter und getrocknete Früchte sind das Metier des 1930 gegründeten Unternehmens, das heute auf rund 120.000 Quadratmetern Fläche in Vestenbergsgreuth arbeitet. Die Dimensionen, in denen sich das Familienunternehmen bewegt, veranschaulicht ein Blick ins automatische Palettenlager (APL): Auf einer Palette alleine finden dort Kräuter oder Teeblätter für rund 250.000 Teebeutel Platz. Und das APL verfügt über 10.000 Palettenstellplätze.
Das klingt nicht nur groß, das ist es auch: Das APL erstreckt sich über mehrere Etagen. Überhaupt ist „groß“ das passende Stichwort, wenn man sich in den verzweigten Produktionshallen umschaut. Da gibt es etwa in der Abteilung, die sich um flüssige Pflanzenextrakte kümmert, riesige „Kannen“ aus silbern glänzendem Edelstahl, zwischen denen unzählige Leitungen verlaufen.
In den Behältern wird – ähnlich wie beim Teekochen zu Hause – ein Sud aus Wasser und geschnittenen Kräutern, Teeblättern oder getrockneten Früchten angesetzt, um deren wertvolle Inhalts- und Aromastoffe zu gewinnen. Nur eben mit etwas größerem Fassungsvermögen als zu Hause: Eine solche Anlage fasst zwischen 3000 und 7000 Liter, wie Julian Hermann als Produktionsleiter für Extrakte erläutert. Dabei muss Hermann besonders laut sprechen, um die Geräuschkulisse der laufenden Maschinen zu übertönen.
Martin Bauer liefert pflanzliche Extrakte für Lebens- und Arzneimittel
Die flüssigen Extrakte etwa aus Grüntee, Minz- oder Mateblättern sind je nach Konzentrationsgrad dünnflüssig oder pastös und werden von Lebensmittelherstellern gebraucht, etwa um damit Geschmack in Erfrischungsgetränke wie Eistee, Limonaden oder Energydrinks zu bringen. Aber auch für Süßigkeiten, Eiscreme und Milchprodukte kann man die Extrakte von Martin Bauer verwenden. Oder als Bestandteil pflanzlicher Arzneimittel.
„Die Kunst ist, genau die Inhaltsstoffe aus dem Rohmaterial rauszuholen, die wir wollen“, so Julian Hermann weiter. Dazu können verschiedene Produktionsparameter variiert werden, etwa die gewählte Wassertemperatur zwischen 20 und 95 Grad oder die Dauer, für die der Sud angesetzt wird. Neben den gewünschten Extrakten verbleibt am Ende auch ein Treber, ähnlich wie beim Bierbrauen oder Entsaften von Frischobst.
In Vestenbergsgreuth werden über 200 verschiedene Zutaten verarbeitet
Der Treber werde der Natur zurückgegeben, aus der auch die Rohstoffe kommen, mit denen Martin Bauer arbeitet, wie Pressesprecherin Katharina Peter erläutert: Das übrigbleibende Material kann als natürlicher Dünger auf landwirtschaftlichen Äckern verteilt oder in Biogasanlagen zu Energie weiterverarbeitet werden.
Ein paar Hallen weiter entstehen Kräuter- und Früchteteemischungen aus bis zu 200 verschiedenen Zutaten. Wie der Lebensmitteltechniker Liam Wilm an dieser Station anmerkt, können mit den vorhandenen Rohstoffen über 6500 verschiedene Früchte- und Kräuterteemischungen hergestellt werden.
Welche Marken von Martin Bauer beliefert werden, bleibt geheim
Dazu holen sich die Kommissionierer zunächst die jeweils für ein bestimmtes Rezept benötigten Zutaten sack- und palettenweise aus dem Lager. Der Inhalt der Säcke landet dann in gigantischen Mischanlagen, um die verschiedenen Kräuter, Teeblätter und geschnittenen Trockenfrüchte optimal zu durchmischen. Schließlich werden die fertigen Mischungen in große Transportsäcke abgefüllt, mit denen Martin Bauer beispielsweise Hersteller von Beuteltee beliefert.
Gerade ist eine Mischung für Thymiantee in Arbeit. Zwei Mitarbeiter sind oben damit beschäftigt, das dafür abgewogene Rohmaterial in den Mischer zu schütten; zwei Etagen tiefer kommt die fertige Mischung dann über einen Trichter im großen Transportsack mit bis zu 700 Kilogramm Fassungsvermögen an. „Wir schütten oben rein und dann können wir das unten wieder rauslassen“, meint Benjamin Fochler dazu scherzhaft.
Im Vestenbergsgreuther Werk gelten strenge Hygienevorschriften
Fochler hat als Mischer und Lagerleiter diesen Teil der Produktion im Blick. Bei den von Martin Bauer belieferten Herstellern wird der Inhalt der großen Transportsäcke dann portionsweise in die verbrauchsfertigen Teebeutel abgefüllt, die man im Laden kaufen kann. Unter welchen Markennamen die Mischungen von Martin Bauer am Ende in den Supermärkten, Drogerien und Apotheken im Regal liegen, ist allerdings Betriebsgeheimnis.
Ohne peinlichst genau eingehaltene Hygienevorkehrungen geht nichts, wie der Rundgang durch das Unternehmen zeigt: An Hygieneschleusen müssen die Mitarbeiter Haar- und Bartnetze anlegen, weiße Anzüge und Schuhüberzieher anziehen sowie ihre Hände desinfizieren. Jede Verunreinigung der Produkte soll so verhindert werden, schließlich werden hier nicht nur Lebensmittel, sondern auch Produkte für medizinische Anwendungen und Arzneitees hergestellt.
Martin Bauer: Höherer Luftdruck hält Staub und Insekten draußen
Im automatischen Palettenlager ist laut Liam Wilm der Sauerstoffgehalt der Luft reduziert auf ein Niveau ähnlich wie auf einem Berg mit 3000 Metern Höhe. Das soll verhindern, dass sich im Lager zwischen den natürlichen Rohstoffen Schädlinge ansiedeln, und auch der Entstehung von Bränden vorbeugen, so Wilm weiter. Denn ohne Sauerstoff brennt kein Feuer.
In den Hallen, in denen die Teemischungen abgewogen, gemischt und abgefüllt werden, herrscht dagegen ständig ein leicht erhöhter Luftdruck. Dieser sorgt dafür, dass der Luftstrom beim Öffnen von Fenstern oder Türen immer nach draußen zieht und so keine Staubpartikel oder Insekten von draußen hineingeraten können.
Und auch das Rohmaterial selbst wird gründlich untersucht und gereinigt, bevor es durch die Maschinen laufen darf. Eine eigens dafür errichtete Anlage filtert etwa Metallstücke, die von Erntemaschinen in das Pflanzenmaterial gelangen könnten, oder kleine Steinchen aus. Aber nicht nur das: „Wir haben eine Vitrine, in der wir zeigen, was wir schon alles aussortiert haben. Da sind zum Beispiel ganze Handys drin oder Radiogeräte.“
Ein hauseigenes Labor testet das angelieferte Rohmaterial außerdem auf unerwünschte Stoffe, wie etwa Schimmelpilze oder Reste von Spritzmitteln. Denn nichts davon soll hinterher beim Verbraucher den Teegenuss trüben.






















