Schon seit 1955 wird bei der Firma Lukas Hydraulik in Erlangen-Eltersdorf Technik für Notfälle gebaut. Damals brachte das Unternehmen ein erstes hydraulisches System auf den Markt, mit dem entgleiste Lokomotiven und Eisenbahnwaggons wieder auf Spur gebracht werden können. Seit 1972 ergänzen hydraulische Rettungsscheren und -spreizer das Angebotsprogramm.
Technik aus Erlangen hilft dabei, deformierte Autos zu öffnen
Damit arbeiten im Notfall Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen wie das THW in ganz Deutschland und weltweit. Denn wenn ein schwerer Unfall passiert ist, lassen sich die Türen und Fenster von deformierten Autos oft nicht mehr öffnen. Wenn im Innenraum Menschen eingeklemmt sind, hilft die Technik aus Erlangen dabei, die Verletzten aus den Unfallautos zu befreien.
So funktionieren die hydraulischen Rettungsgeräte aus Erlangen-Eltersdorf.
Mit der Rettungsschere lassen sich zum Beispiel die Dachsäulen und die Türrahmen eines Autos durchschneiden; im Extremfall kann dann sogar das komplette Autodach abgehoben und weggetragen werden. Der Rettungsspreizer hilft dabei, verklemmte Türen zu öffnen oder Karosserieteile, die zum Beispiel ein Bein einklemmen, auseinanderzudrücken, um das Bein zu befreien. Dazu arbeiten die Geräte mit rund 700 bar Druck.
Erlanger Unternehmen fertigt rund 30 Rettungsgeräte pro Tag
In den Werkshallen von Lukas Hydraulik an der Weinstraße in Erlangen-Eltersdorf entwickeln, bauen und testen rund 150 Mitarbeiter die Technik, die im Notfall dazu beiträgt, Menschenleben zu retten. Wenn man sich das Rohmaterial anschaut, das bei der Firma Lukas mit Lastwagen angeliefert wird, mag man kaum glauben, dass daraus ebenso kraftvolle wie präzise arbeitende Geräte entstehen.
Wie bei Lukas Hydraulik in Erlangen Rettungsscheren und -spreizer für Feuerwehren gebaut werden.
Denn auf dem Hof und in den Wareneingangslagern liegen tonnenweise Aluminiumstangen, manche davon sind fast baumstammdick und mehrere Meter lang. Dieses eher grobe Rohmaterial wird dann auf die passende Länge gesägt, Dreh- und Fräsmaschinen erledigen den filigranen Rest. So entstehen die silbern glänzenden und ebenso elegant wie ergonomisch geformten Einzelteile für rund 30 Rettungsscheren und -spreizer, die pro Tag die Werkshallen verlassen.
Marktanteil von Lukas Hydraulik bei rund 40 Prozent weltweit
Während man für den Betrieb der Geräte früher zwingend ein Hydraulikaggregat und entsprechende Anschlussschläuche dabei haben musste, gibt es heute auch akkubetriebene Rettungsgeräte, die flexibler und leichter handhabbar sind. Die neueste Entwicklung aus Erlangen sind digital vernetzte Geräte, „die über WLAN mit einer Plattform verbunden sind, sodass man zum Beispiel auslesen kann, welchen Akkuladestand das Gerät hat oder wann das Gerät zur Wartung muss“, erklärt Werkleiter Stefan Wehner.
„Wichtig ist uns, den Feuerwehrleuten, die die Geräte im Einsatz haben, das Leben immer mehr zu erleichtern“, sagt Wehner außerdem. So ist etwa der Handgriff der Rettungsscheren und -spreizer so konstruiert, dass die Hand des Feuerwehrmanns oder der Feuerwehrfrau immer genau am Schwerpunkt anliegt. Das reduziert die Haltekräfte, die für die Handhabung im Einsatzfall notwendig sind.
Unternehmen aus Erlangen sieht sich als Innovationsführer
Nach Wehners Angaben liegt der Marktanteil von Lukas Hydraulik weltweit bei rund 40 Prozent. Man darf das Unternehmen aus Erlangen-Eltersdorf deswegen durchaus als Marktführer bezeichnen. „Wir sind auf jeden Fall Innovationsführer“, ergänzt Marketingdirektorin Jessica Forster: „Wir leisten von Anfang an die Entwicklungsarbeit an den Geräten und haben zum Beispiel in den 1990er-Jahren die Akkutechnologie auf den Markt gebracht.“
Später habe Lukas Hydraulik die ersten wasser- und salzwasserdichten Geräte gebaut, die auch für schwere Katastrophenszenarien im Zeitalter der Klimakrise einsetzbar sind. Heute bestehe ein Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens in der digitalen Vernetzung der Produkte, so Forster weiter.
Trotzdem gibt es noch Herausforderungen, an denen die Erlanger Ingenieure weiter tüfteln müssen. Dazu gehört etwa die Tatsache, dass die Karosserien von Autos in letzter Zeit immer steifer und stabiler konstruiert werden. Dementsprechend muss auch die Rettungstechnik immer robuster und kräftiger werden, damit die Retter auch in Zukunft noch Verletzte aus verunfallten Autos holen können.
Wunsch aus Erlangen: Mehr Kooperation mit der Autoindustrie
Das mache die Aufgabe für einen Hersteller von Rettungstechnik zunehmend komplexer, sagt Forster. „Und was wirklich schade ist, ist, dass Kooperationen mit der Automobilindustrie sich schwierig gestalten“. Mehr Zusammenarbeit der Autobranche mit den Herstellern von Rettungstechnik „würde uns enorm helfen für die Weiterentwicklung“.
Ähnlich verhalte es sich mit der steigenden Zahl von Elektroautos auf den Straßen. Bei diesen ist etwa die Lage von Stromleitungen entscheidend für die Frage, wo Karosserieteile leicht durchtrennt werden können – und wo das eher problematisch ist.

















