Den legendären „Zumsel“ aus Dieter Hallervordens Kultsendung „Nonstop Nonsens“ hat Selina Hoppe nicht im Angebot. Dafür aber alle anderen Arten von Putzlappen und Reinigungstüchern, die man sich nur vorstellen kann. Die Familie Hoppe – bestehend aus Selina Hoppe selbst, ihrem Vater Gerrit Hoppe und ihrer Mutter Elke Reitz-Hoppe – beschäftigt sich seit drei Generationen mit Lappen.
Und mit Lumpen. Denn die sind das Ausgangsmaterial, aus denen viele der Produkte entstehen, mit denen die an der Höchstadter Straße in Adelsdorf angesiedelte Firma R+H Textilrecycling arbeitet. Mehrmals in der Woche kommen dazu säckeweise Altkleider in der Halle der Hoppes an, die von Mitarbeitern der Laufer Mühle aus Altkleidercontainern abgeholt werden.
Vorab aussortiert werden alle Kleidungsstücke von Hosen über Pullover, Blusen und T-Shirts bis hin zu Jacken und Mänteln, die noch intakt sind und nach einer gründlichen Reinigung weiterbenutzt werden können. Diese Textilien kommen dann zum Beispiel in den Gebrauchtwarenkaufhäusern der Laufer Mühle in den Verkauf.
In Adelsdorf lagern auch Baustoffe aus Textilfasern
Was übrig bleibt, sind Klamotten, die man nicht mehr anziehen kann, zum Beispiel weil sie Löcher haben oder zerrissen sind. In Adelsdorf landen aber auch zum Beispiel die weißen Endlosstoffhandtücher, die man von öffentlichen Toiletten kennt, wenn diese für einen weiteren Einsatz zu verschlissen sind. Im Monat schleust der Betrieb so rund 180 Tonnen Alttextilien durch.
Die werden zusammen mit ausrangierten Handtüchern und Bettlaken aus Kliniken oder alten Tischdecken aus Hotels und Gaststätten in Partnerbetrieben in Tschechien, Ungarn und Belgien weiterverarbeitet zu Putzlappen. Aber auch zu Poliertüchern, zu Malervlies oder zu einer Filzpappe aus Papier- und Textilfasern, die entweder als Grundstoff für die Herstellung von Dachpappe dienen oder als Trittschalldämmung unter Laminatböden verlegt werden kann.
Industrie: Schaeffler und ThyssenKrupp sind Kunden
Zu den Kunden des Hoppeschen Familienbetriebs gehören große Namen der deutschen Wirtschaft wie etwa Schaeffler oder ThyssenKrupp. Denn in deren Werken werden jeden Monat tonnenweise Industrieputzlappen benötigt, mit denen etwa Produktionsmaschinen von Öl oder Metallspänen befreit werden. Aber auch kleinere Betriebe wie Druckereien, Autowerkstätten oder Installateure greifen zu den Reinigungstüchern aus Adelsdorf, wie Selina Hoppes Vater Gerrit erklärt.
Denn dort kann man sich schnell mal schmutzige Finger holen. „Es ist auch deutlich nachhaltiger, so einen Recyclinglappen zu nehmen, bevor die zerschlissenen Textilien in die Müllverbrennung gehen und fürs Putzen muss extra ein neues Material hergestellt werden“, meint Selina Hoppe. Alttextilien bekommen so gewissermaßen noch einmal ein letztes Leben, bevor sie dann doch im Müll landen.
Erkenntnis aus der Praxis: Neue T-Shirts sind ungeeignet
Die Adelsdorfer Firma R+H Textilrecycling macht also im Großen, was jeder sparsame Mensch zu Hause im Kleinen auch machen kann: Ausrangierte Tischdecken, Bettlaken, Schlafanzüge oder Unterhemden zu Lappen und Tüchern zu verarbeiten, mit denen man dann zum Beispiel daheim das Fahrrad putzen oder die Felgen vom Auto polieren kann. Wer auf diese Art und Weise im eigenen Haushalt nicht genügend Lappen zusammen bekommt, kann sich im Onlineshop www.putzlappenshop.de mit einer breiten Auswahl an Vliestüchern, Mikrofasertüchern und anderen Putzlappen eindecken.
„Wir machen aus jedem Lumpen einen Lappen“, fasst Selina Hoppe lachend zusammen. Mit einer Ausnahme: Wie ihr Vater Gerrit erklärt, eignet sich unbenutzte Neuware nicht zur Weiterverarbeitung zu Putzlappen. Er erinnert sich im Gespräch mit dem Fränkischen Tag, wie einmal vor vielen Jahren eine Ladung beschlagnahmter gefälschter T-Shirts eines großen Markenherstellers zur Vernichtung in den Betrieb kam.
Doch später stellte sich heraus, dass die Lappen, die aus den nagelneu beschlagnahmten T-Shirts hergestellt worden waren, sich nur schlecht zum Putzen eigneten – weil das Material schlicht zu neu war. Da hat Gerrit Hoppe dazugelernt, wie er formuliert: „Je öfter ein T-Shirt gewaschen wurde und je abgetragener es ist, desto saugfähiger wird hinterher der daraus hergestellte Lappen.“














