Jeder, der schon einmal eine Magen- oder eine Darmspiegelung bekommen hat, hat mit großer Wahrscheinlichkeit schon einmal im Wortsinne verinnerlicht, was in den Gebäuden von Fujifilm Medwork im Höchstadter Osten produziert wird. Das Unternehmen stellt Teile für Endoskope her, mit denen Ärzte das Innere des menschlichen Körpers untersuchen und bei Bedarf auch gleich bestimmte Behandlungen durchführen können.
Fujifilm erfand sich neu und übernahm Medwork in Höchstadt
Der Fujifilm-Konzern dominierte im 20. Jahrhundert in Konkurrenz mit Kodak aus den USA den Weltmarkt für analoge Filme. Während die Digitalisierung das US-Unternehmen Kodak nach der Jahrtausendwende fast hinwegfegte, konnte sich Fujifilm besser retten. Oder wie es der Höchstadter Medwork-Geschäftsführer Stefan Wirth ausdrückt: „Fujifilm musste sich aufgrund des Wandels von der analogen zur digitalen Fotografie neu erfinden.“
Zu dieser Neuerfindung des Weltkonzerns, der Fuji im Gegensatz zu Kodak bis heute geblieben ist, gehörte insbesondere die Aufnahme von Medizinprodukten in das Angebotsportfolio, die laut Wirth aktuell rund ein Drittel des Konzernumsatzes ausmachen. Und damit ist die Geschichte in Höchstadt angekommen.
Denn das Höchstadter Unternehmen Medwork gehört erst seit 2019 zum japanischen Konzern. Es geht zurück auf ein 1998 gegründetes, zunächst noch sehr kleines und später dann mittelständisch geprägtes Familienunternehmen unter Leitung von Gerald Fischer, das 2019 von den Japanern übernommen worden ist.
Mit Technik aus dem Aischtal in den Magen oder Darm schauen
Die Branche von Medwork war von Anfang an Endoskopietechnik, die Fuji für seinen Wandel weg vom Anbieter von Fotoausrüstung gut brauchen konnte. Denn für die Endoskopie braucht man – genau wie beim Fotografieren – „eine Lichtquelle, eine Kamera und ein gutes Bild“, so Wirth weiter. Fuji habe so sein Knowhow und seine Kernkompetenzen auf einen anderen, zukunftsträchtigeren Bereich übertragen können.
In Höchstadt werden aber keine Kameras gefertigt, diese Feststellung ist Wirth wichtig. Sondern etwa die Handgriffe, mit denen der Arzt von außen das Endoskop durch die Speiseröhre oder den Darm des Patienten steuern kann. Oder die feine Drahtschlinge am anderen Ende des Endoskops, mit der Darmpolypen schonend entfernt werden können. Oder der Steinfangkorb, mit dem Nieren- und Gallensteine erst aufgefangen und dann zertrümmert werden können.
Dazu verfügt Medwork in Höchstadt über eine Verpackungshalle in Reinraum-Qualität. Von den Mitarbeitern müssen höchste Hygienestandards eingehalten werden, schließlich geht es um Medizinprodukte, die internationale Vorgaben etwa der Europäischen Union erfüllen müssen. Neben penibler Sauberkeit kommt es außerdem auf Genauigkeit und Präzision an. Schließlich sind etwa die Drahtschlingen, die hier zur Entfernung von Darmpolypen produziert werden, höchst filigran. Diese entstehen größtenteils in Handarbeit.
Medwork produziert in Höchstadt rund 5,5 Millionen Teile im Jahr
Einen großen Teil der Tätigkeit der rund 150 Mitarbeiter am Standort nimmt laut Wirth neben der Forschung und Entwicklung sowie der Produktion die Zulassung der Medizinprodukte für den Markt ein. Das Ziel: Die regulatorischen Vorgaben der US- oder EU-Behörden zu erfüllen. Da die Zulassungsbedingungen für den Markt für Medizinprodukte sowohl in den USA als auch in Europa mitunter sehr umfangreich sind, entfällt auf diese Arbeit in Höchstadt viel Zeit.
Pro Jahr produziert man bei Medwork rund fünfeinhalb Millionen Endoskopteile. Dabei soll es allerdings nicht bleiben: In der Halle, in der die Kunststoff-Spritzgussmaschinen und die Montageautomaten stehen, ist noch Platz. Hier bereitet sich das Unternehmen laut Stefan Wirth gerade auf eine Expansion vor: Der Bereich Medizinprodukte solle in absehbarer Zeit rund 50 Prozent des Konzernumsatzes von Fujifilm ausmachen. Dazu suche das Unternehmen am Standort Höchstadt derzeit auch noch nach Mitarbeitern.


















