Die Marke Stabilo kennt man vor allem für ihre Schreibwaren vom Textmarker bis zum Kugelschreiber und vom Buntstift bis zum Radiergummi. Doch zu der fränkischen Unternehmensgruppe rund um Sebastian Schwanhäußer, deren Zentrale in Heroldsberg im Landkreis Erlangen-Höchstadt sitzt, gehört auch Schwan Cosmetics. Dort werden jedes Jahr rund 210 Millionen Schönheitsprodukte vom Lippenstift über Mascara bis hin zum Eyeliner produziert.
In Heroldsberg lagern 12.000 Muster für Kosmetikfarben
Und man darf die Behauptung wagen, dass jeder Mensch, der sich schminkt, die Produkte von Schwan Cosmetics schon in der Hand oder besser im Gesicht gehabt haben dürfte. Denn das Unternehmen produziert nach eigenen Angaben Schönheitsstifte für alle bekannten Kosmetikmarken. Welche genau das sind, bleibt allerdings Firmengeheimnis und wird auch auf Nachfrage nicht verraten.
Dafür zeigt Martin Redel, der als Geschäftsführer das Fertigungswerk von Schwan Cosmetics in Heroldsberg leitet, bei einem Rundgang durch die weitläufigen Hallen am Schwanweg mit insgesamt rund 15.000 Quadratmetern gerne das Farblabor des Betriebs. Hier lagern neben den Pigmentvorräten des Unternehmens auch Muster für 12.000 Kosmetikfarben, dominiert von unzähligen Rottönen. „Das ist unsere Bibliothek“, sagt Redel zu den Schubfächern voller Farbmuster.
Das Farbarchiv von Schwan Cosmetics wächst jährlich weiter
Denn wenn eine Kosmetikmarke ein neues Produkt auf den Markt bringen will und dazu konkrete Vorstellungen für eine bestimmte Farbe etwa eines Lippenstifts oder eines Eyeliners mitbringt, hilft ein Blick in das Heroldsberger Farbarchiv, um zu sehen, ob die gewünschte Pigmentmischung samt passenden Trägersubstanzen womöglich schon einmal entwickelt worden ist.
Und die besagte Bibliothek mit dem Farbvermächtnis aus fast 100 Jahren Kosmetikgeschichte im Hause Schwan seit 1927 wächst kontinuierlich weiter: Jedes Jahr kommen rund 2500 neue Farbmischungen dazu, so Redel weiter. Denn häufig würden die international arbeitenden Kosmetikmarken auf der Suche nach der kommenden Trendfarbe darauf setzen, neue Nuancen zu entwickeln.
„Dazu kommen die oft mal mit einem Stück Stoff bei uns an und möchten dann, dass wir genau diesen Farbton für einen Lippenstift treffen. Und der muss dann absolut exakt passen“, erklärt Redel. Ein Stückchen weiter in der Produktionshalle stehen blank polierte Edelstahlkessel, in denen die Kosmetikmassen zubereitet werden, die später in Form von hauchdünnen Minen in die Kosmetikstifte gefüllt werden sollen.
Sauberkeit und Hygiene stehen bei Schwan Cosmetics ganz oben
Hier kommt es laut Redel auf höchste Hygiene- und Sauberkeitsstandards an. Denn es gilt nicht nur, jeglicher Verunreinigung der späteren Kosmetikprodukte vorzubeugen, sondern auch zu verhindern, dass etwa in eine Charge von weißer Kosmetikmasse ein noch so kleiner Rest der vorherigen Produktionsmenge etwa in einem Rotton gerät. Das Ergebnis wäre dann eine Verfälschung der gewünschten Farbe – und damit ein Ausschlusskriterium in einer auf höchste Präzision getrimmten Branche.
Dementsprechend verbringen die Mitarbeiter in diesem Bereich viel Zeit mit peniblem Putzen der Kessel und Maschinen. Die Geräte, die hier arbeiten, erinnern ein bisschen an eine Nudelmaschine, nur dass kein Nudelteig zwischen den blank polierten Metallwalzen hin und her gewalkt wird, sondern die genauestens eingewogenen Pigmentmischungen in allen denkbaren Farbtönen samt kosmetischen Trägersubstanzen. Das Ziel: Eine möglichst gleichmäßige Körnung der Pigmente und eine möglichst homogene Mischung der fertigen Kosmetikmassen.
Die Mischungen landen anschließend in von im Hause Schwan Cosmetics selbst entwickelten und gebauten Sondermaschinen, die hochautomatisiert und computergesteuert Stiftschäfte, die Kosmetikmasse, Hülsen und Kapseln zusammenfügen und so die fertigen Kosmetikstifte entstehen lassen. Und das gestaltet sich mitunter durchaus komplex, müssen doch für manche Produkte auch Drehmechanismen zum Ausfahren der Mine oder spezielle Spitzer mit eingebaut werden, die später im Einsatz die Mine des Kosmetikstifts immer beim Verschließen der Kappe automatisch nachspitzen.
Die Marken, für die Schwan Cosmetics arbeitet, bleiben geheim
„Es gibt nichts Schlimmeres für eine Frau als einen stumpfen Kosmetikstift“, sagt dazu Marion Korbel von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens mit einem Augenzwinkern. Nicht zu vergessen die Arbeitsschritte zur Qualitätskontrolle bis hin zur exakt den Vorgaben entsprechenden Form der Stiftspitze, des Bedruckens der Stifte zum Beispiel mit den jeweiligen Markennamen der Auftraggeber und schließlich der Versiegelung und Verpackung zum Versand.
Dass die meisten Leute gar nicht wissen, dass sie gerade einen Eyeliner von Schwan Cosmetics aus Heroldsberg in der Hand haben, wenn sie in den Läden von Douglas, Rossmann oder Müller ein Produkt einer großen Kosmetikmarke aus dem Regal ziehen oder damit dann vor dem heimischen Badezimmerspiegel stehen, stört Sebastian Schwanhäußer, der das fränkische Familienunternehmen in fünfter Generation leitet, auf Nachfrage überhaupt nicht.
Schwan Cosmetics: 1200 Arbeitsplätze am Standort Heroldsberg
Im Gegenteil: „Wir sind damit sehr froh und zufrieden“, sagt Schwanhäußer dazu. Denn „unser Geschäftsmodell ist ein anderes und eine eigene Konsumentenmarke war noch nie unser Thema. Dafür bräuchte es im Übrigen noch viel mehr Produkte, als wir selbst herstellen.“ Denn beispielsweise Parfüms, Shampoos oder Hautpflegelotionen produziert das Heroldsberger Unternehmen nicht.
Schwanhäußer sieht sein Unternehmen vielmehr als eine Art Zulieferbetrieb vergleichbar zur Autobranche: „Dort sagen die Unternehmen ja auch nicht: Wir bauen Bremsen für Autos, also lasst uns mal ganze Autos auf den Markt bringen.“ Schließlich sei das Unternehmen in seiner Kategorie Farbkosmetikprodukte – vor allem in Stiftform – weltweit führend.
Und das sei besser, als von allem Möglichen ein bisschen was zu machen und sich damit dann nur im Mittelfeld zu bewegen, resümiert Schwanhäußer. Der Erfolg gibt dem fränkischen Unternehmer Recht: Nach eigenen Angaben erwirtschaftete Schwan Cosmetics im Geschäftsjahr 2023/24 einen Umsatz von rund 372,9 Millionen Euro. Maßgeblich daran beteiligt sind die rund 1200 Mitarbeiter am Standort Heroldsberg im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Die bekannten Mal-, Schreib- und Zeichenstifte der Marke Stabilo wie beispielsweise der Textmarker „Boss“ oder der Fineliner „Point 88“ entstehen in anderen Werken der Schwan-Unternehmensgruppe, etwa am Standort Weißenburg. Doch das ist eine ganz andere Geschichte, auch wenn sie ebenfalls viel mit Farben und Stiften zu tun hat.






















