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Weltfirma aus Franken
Was der Chef von Schwan und Stabilo jetzt von Merz erwartet
Sebastian Schwanhäußer leitet das Familienunternehmen, das unter anderem aus dem Kosmetikhersteller Schwan und der Schreibwarenmarke Stabilo besteht und das in Heroldsberg im Landkreis Erlangen-Höchstadt sitzt.
Sebastian Schwanhäußer leitet das Familienunternehmen, das unter anderem aus dem Kosmetikhersteller Schwan und der Schreibwarenmarke Stabilo besteht und das in Heroldsberg im Landkreis Erlangen-Höchstadt sitzt. // Firmenarchiv Schwan Stabilo
Landkreis Erlangen-Höchstadt – Stifte von Stabilo sind weltbekannt, Schwan Cosmetics produziert in Heroldsberg für die ganze Welt. An der Spitze steht Sebastian Schwanhäußer, der prophezeit: Die große Globalisierung geht zu Ende.

Schwan Cosmetics produziert in Heroldsberg Kajalstifte, Eyeliner und Concealer. Zu den Kunden des Unternehmens zählen alle namhaften Kosmetikmarken und so kommen jedes Jahr rund 210 Millionen Schönheitsprodukte aus Heroldsberg unter den verschiedensten Labeln auf den Markt. Zu der fränkischen Unternehmensgruppe gehört auch die weltbekannte Schreibwarenmarke Stabilo. Wir haben mit Sebastian Schwanhäußer, der das 170 Jahre alte fränkische Familienunternehmen heute leitet, darüber gesprochen, wie es mit den jüngsten Turbulenzen in der Weltwirtschaft umgeht. Und was er von der neuen deutschen Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz erwartet. 

Herr Schwanhäußer, Ihr Unternehmen Schwan Cosmetics hat Standorte in Europa, in Amerika und in Asien, genau wie Ihre Abnehmer aus der Kosmetikbranche. Wie sehr fühlen Sie sich als Familienunternehmen dem Standort Heroldsberg verbunden?

Sebastian Schwanhäußer: Diese Verwurzelung ist sehr stark. Wir investieren an diesem Standort gerade rund 17 Millionen Euro in die Renovierung des Hauptgebäudes; zuletzt haben wir für 6 Millionen Euro eine neue Photovoltaik-Anlage über dem Mitarbeiterparkplatz errichtet. Diese liefert jetzt rund ein Drittel unseres Strombedarfs. Unsere Zentrale in Heroldsberg ist das Herz für unser Unternehmen, wo ganz viel sitzt. 

Das Kosmetikwerk in Heroldsberg ist das größte, das wir weltweit haben. Auch der Entwicklungsschwerpunkt für die Schreibwarensparte Stabilo liegt hier. In Heroldsberg sind also ganz wichtige Funktionen für das Unternehmen angesiedelt. Dass wir im Großraum Nürnberg angesiedelt sind, hat eine lange Tradition, auf der anderen Seite öffnen wir uns der weltweiten Perspektive. 

Seit 2019 befindet sich die Weltwirtschaft in einer Dauerkrise. Die Stichworte dafür lauten Coronapandemie, Krieg in der Ukraine, Krieg im Nahen Osten und Donald Trumps Zölle. Ihr Unternehmen arbeitet weltweit – wie bewältigen Sie diese Herausforderungen von Franken aus?

Man kann an der Weltlage ja nichts ändern, man kann sich nur möglichst schnell daran anpassen. Das ist die Herausforderung für uns. Im Moment ist die Geschwindigkeit der Änderungen sehr hoch und ihre Richtung ändert sich mitunter täglich. Ein großer geopolitischer Trend bleibt aber, dass die USA und China als Wirtschaftsräume und als politische Räume darum ringen, wer die Nummer 1 auf der Welt ist. Wir als Unternehmen haben uns schon vor Langem entschieden, für die verschiedenen Weltregionen auch regional zu produzieren. Deswegen bauen wir gerade ein weiteres Werk in Mexiko, weil wir glauben, dass sich der amerikanische Raum, der aus Mexiko, den USA und Kanada besteht, stärker auf sich selbst konzentrieren wird. 

Die Unternehmenszentrale der Unternehmensgruppe in Heroldsberg. Dazu gehört die Schreibwarenmarke Stabilo und der Kosmetikhersteller Schwan Cosmetics.
Die Unternehmenszentrale der Unternehmensgruppe in Heroldsberg. Dazu gehört die Schreibwarenmarke Stabilo und der Kosmetikhersteller Schwan Cosmetics. // Martin Regner

Ein großer Teil unseres Geschäfts und auch unserer Wertschöpfung wird weiterhin in Europa verankert sein. Aber wenn wir langfristig beispielsweise in Asien wachsen wollen, dann muss auch ein größerer Teil der Wertschöpfung vor Ort stattfinden, wo wir im Übrigen auch schon sehr lange Standorte haben. Die Zeit der großen Globalisierung, wo ein Wirtschaftsraum die ganze Welt mit bestimmten Produkten versorgt, scheint aber zu Ende zu gehen. Auch die Chinesen, die lange Zeit die billige Werkbank für die Welt waren, wollen jetzt gezielt ihren Heimatmarkt stärken. Und sie haben es geschafft, vom günstigen Anbieter für die ganze Welt zum Innovationsführer zu werden. Das muss man anerkennen und schauen, welche Chancen sich daraus ergeben. 

Diese Woche hat in Deutschland nach turbulenten Zeiten eine neue Bundesregierung ihre Arbeit aufgenommen. Was erwarten Sie sich als in Franken verwurzelter Familienunternehmer vom neuen Bundeskanzler Friedrich Merz?

Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass die neue Bundesregierung eine positive Veränderung bringen wird. Als Erstes sollte die Bundespolitik verlässlich sein und an einem Strang ziehen. Wir haben auch von der letzten Regierung eine Menge Sachen gesehen, die eigentlich gar nicht schlecht waren. Aber es ging immer vor und zurück, weil alle drei Regierungsparteien im Dauerwahlkampf waren. Wenn man so ein Unternehmen führen würde, würde das auch nicht gutgehen. 

Für bunte Stifte und Schreibwaren kennt man den Markennamen Stabilo.
Für bunte Stifte und Schreibwaren kennt man den Markennamen Stabilo. // MelissaMN/AdobeStock

Ein Land ist zwar kein Unternehmen, aber auch hier würde es helfen, wenn endlich ein gemeinsamer Kurs eingeschlagen wird, um konkrete Ziele zu erreichen. Zum Beispiel mehr Wohnungen bauen, die Infrastruktur in Ordnung bringen, das Bildungswesen verbessern oder der Wirtschaft etwas Gutes tun. Es braucht klare Prioritäten, wofür das Geld ausgegeben wird. Jetzt liegen ambitionierte Pläne vor, aber die müssen auch richtig umgesetzt werden und nicht wieder irgendwo versacken. 

Verstehe ich Sie also richtig: Sie wünschen sich einerseits, dass die politischen Vorhaben tatsächlich in der Realität ankommen, und andererseits, dass die Politik auch einen Verlässlichkeitsrahmen aus Kontinuität und Planbarkeit bietet?

Genau. Und darüber hinaus sollten politische Entscheidungen auch in sich stimmig sein. In der Vergangenheit wurden häufig Kompromisse geschlossen, bei denen fachfremde Themen miteinander verknüpft wurden, die schlicht nicht zusammenpassten. Hier ein bisschen neues Bürgergeld, dort mehr Geld für Verteidigung, zusätzlich sollte die Wirtschaft gefördert werden – und das Ganze bitte auch noch nachhaltig. Jede der drei Ampelparteien hatte ihre Steckenpferde, die aber oft in völlig unterschiedliche Richtungen galoppierten. 

Diesen Schriftzug kennt die ganze Welt: Stabilo steht für Mal-, Schreib- und Zeichenstifte.
Diesen Schriftzug kennt die ganze Welt: Stabilo steht für Mal-, Schreib- und Zeichenstifte. // Martin Regner

Das Ergebnis war ein kleines Schrittchen hier, ein kleines Schrittchen da. Aber es ist nicht gelungen, die verschiedenen politischen Richtungen zusammenzubekommen oder bestimmten Themen Vorfahrt zu geben. Darauf wartet jetzt auch Europa: Dass Deutschland sich bei wichtigen Entscheidungen nicht deswegen enthält, weil man innerhalb der Bundesregierung keine gemeinsame Richtung dazu gefunden hat. 

Nun zeigt die Wirtschaftsforschung, dass die Menschen in Krisenzeiten, in denen sie normalerweise sparen und das Geld zusammenhalten, ausgerechnet für Kosmetik mehr Geld ausgeben. Nach dem Motto: „Das gönne ich mir!“ Das nennt man den „Lipstick-Effect“. Ist in dieser Hinsicht eine krisenhafte Weltwirtschaft für einen Kosmetikhersteller womöglich sogar ein Grund zur Freude?

Nein, denn wir produzieren Konsumgüter und eine generelle Zurückhaltung der Leute ist spürbar. Die Menschen versuchen, ihr Geld zusammenzuhalten, und da sind wir in Deutschland die allerersten, die so reagieren. Schauen Sie mal in die Gastronomie: Die Gasthäuser sind zwar alle voll, aber wenn Sie mit dem Wirt reden, dann sagt der Ihnen, dass der Umsatz rückläufig ist. Weil die Gäste halt ein Bier weniger trinken oder keinen Nachtisch mehr bestellen. 

Und diese Entwicklung trifft uns als Konsumgüterhersteller ebenfalls. Deutschland hat jetzt zwei Jahre der Stagnation hinter sich und auch für 2025 erwarten die Experten kein nennenswertes Wirtschaftswachstum. Da muss jetzt wieder eine gewisse Perspektive her, dass die Leute merken: Es geht wieder aufwärts. 

 

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