Die neue US-Regierung unter Donald Trump hat in den ersten Monaten nach ihrem Amtsantritt weltweit schon so viel Verwirrung gestiftet, dass es schwerfällt, einzelne Themen herauszugreifen. Das Chaos um gegen andere Länder oder Wirtschafsregionen verhängte Zölle, die dann wieder kurzfristig gestrichen, ausgesetzt oder verdoppelt werden, gehört aber auf jeden Fall dazu.
Globale Sportartikelmarken aus Herzogenaurach müssen reagieren
In den Sozialen Medien kursiert dazu eine karikierende Abwandlung eines Bugs-Bunny-Cartoons. Während sich Bugs Bunny und Daffy Duck in dem mehrere Jahrzehnte alten Original darum streiten, ob gerade Jagdsaison für Hasen oder für Enten ist, geht es in der zeitgenössischen Bearbeitung um das Wechselspiel aus „Tariffs are on“ und „Tariffs are off“. Also zu deutsch: „Zölle gelten“ und „Zölle gelten nicht“.
Für global agierende Unternehmen wie die im fränkischen Herzogenaurach angesiedelten Firmen Adidas und Puma ist Trumps Zollchaos dagegen alles andere als lustig. Denn das ständig wechselnde Agieren des US-Präsidenten sorgt einerseits für große Unsicherheiten und einen Mangel an Planbarkeit auf dem Weltmarkt.
Und andererseits verteuern seine Zölle international gehandelte Produkte für die Endverbraucher zum Beispiel in den USA. Der Zollkonflikt stelle deswegen das Geschäftsmodell international operierender Modefirmen auf die Probe, heißt es in einem Zeit-Artikel zum Thema.
Puma und Adidas: Wirtschaftsexperten schätzen die Lage ein
Eine fundierte Prognose, wie sich die Zollturbulenzen auf das internationale Geschäft von Adidas und Puma auswirken werden, ist nicht leicht. Man könne dazu „keine unternehmensbezogene Auskunft geben, hier fehlen uns auch die Informationen“, teilt der Außenhandelsexperte Manuel Hertel von der IHK Nürnberg für Mittelfranken auf Nachfrage mit.
Für die Textil- und Sportartikelbranche generell gelte, so Hertel weiter, dass die großen Unternehmen ihre Produkte fast ausschließlich von unabhängigen Herstellern in Asien fertigen lassen würden, insbesondere in den Ländern China, Vietnam, Kambodscha und Bangladesch. „Dort sind die Lohnkosten sehr gering, eine Produktion in Industrieländern ist bei dieser arbeitsintensiven Branche teuer“, erklärt der IHK-Experte.
Professor der Uni Erlangen-Nürnberg sieht historisch hohe Zölle
Eine Rückkehr großer Teile der Textilbranche in die USA sei daher auch bei sehr hohen US-Zöllen unwahrscheinlich. Laut Hertel könnte es für die Hersteller allerdings eine Option sein, die Produktion oder zumindest den Einkauf in Länder mit geringeren Einfuhrzöllen zu verlegen. Allerdings würden sich die Zollsätze für mögliche Produktionsländer etwa der Textilbranche nur geringfügig unterscheiden. Eine Ausnahme stelle lediglich China dar, deren sehr hoher Zollsatz jedoch bereits wieder zur Diskussion stehe.
Die Zölle würden auf den Ausfuhrpreis aus den Herkunftsländern der Produkte erhoben, der bei Textilien in Bezug auf den Verkaufspreis für Endkunden in den Zielländern jedoch vergleichsweise gering sei. Ein beispielsweise 50-prozentiger Zollsatz erhöhe den Verkaufspreis daher nur um einen geringeren Anteil, wie Hertel vorrechnet.
Handel zwischen USA und China könnte zum Erliegen kommen
„Ein erstes Zwischenfazit“ wagt auf Nachfrage von fraenkischertag.de auch Professor Christoph Moser, der sich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Lehre und Forschung mit internationalem Handel und Handelspolitik beschäftigt.
„Die angekündigten US-Importzölle sind historisch hoch“, sagt Moser. Damit würden sich Güter für alle Länder beim US-Grenzübertritt um 10 Prozent erhöhen, für viele Länder um bis zu 50 Prozent. Für China „sind die aktuellen Zölle so hoch, dass realistischerweise jeglicher Handel zwischen diesen beiden Ländern zusammenbrechen wird“, so Moser weiter.
Was Donald Trump damit genau erreichen wolle, sei unklar und die Unsicherheit in der Weltwirtschaft dementsprechend hoch. Falls der US-Präsident einfach „nur“ bessere Konditionen mit Handelspartnern verhandeln wollen sollte, dann wären die Zölle nur ein temporäres Problem, schätzt Moser.
Anders stelle sich die Lage dar, falls Donald Trump mit seiner Zollpolitik tatsächlich ausländische Firmen vermehrt zur Produktion für den amerikanischen Markt in den USA „motivieren“ wolle. „Dann bleiben nämlich die US-Zölle dauerhaft sehr hoch und deutsche Firmen müssen sich entscheiden: Weniger in die USA exportieren oder dort vermehrt produzieren, um Importzölle zu umgehen.“
Kaum Aussicht, dass Puma und Adidas in den USA produzieren
Aktuell würden deutsche Firmen derartige Investitionsentscheidungen „nicht überstürzen, weil die Zölle auch bald wieder sinken könnten“. Und für bestimmte deutsche Unternehmen mache es so oder so keinen Sinn in den USA zu produzieren, so die Einschätzung des FAU-Professors. Denn „alle großen globalen Sportartikelhersteller produzieren ihre Turnschuhe aufgrund von Kostenvorteilen in Ländern wie Vietnam oder Kambodscha und beliefern von dort Kundinnen und Kunden weltweit. Für Adidas, Puma und Nike ist eine Produktion zu vernünftigen Kosten in den USA kaum realisierbar.“
Damit hätten die beiden fränkischen Sportartikel-Schwergewichte Puma und Adidas „Glück im Unglück“, meint Moser: „Die Turnschuhe von allen großen Produzenten werden wegen der Importzölle in den USA teurer und die Verkäufe werden sinken. Das ist natürlich nicht gut, aber es ist nicht zu erwarten, dass Adidas oder Puma Marktanteile an Nike wegen der aktuellen Zollpolitik verlieren.“
Bemerkenswert aus Sicht des Wirtschaftsprofessors ist allerdings durchaus die Entwicklung der Aktienkurse der drei großen Sportartikler Adidas, Puma und Nike: Die Aktien von allen drei Firmen hätten nach der Zollankündigung durch Donald Trump vor rund drei Wochen zunächst massiv an Wert verloren, nämlich um bis zu 20 Prozent. „Aber nur der Wert von Nike ist auch drei Wochen danach noch markant im roten Bereich“, resümiert Moser.
Puma hüllt sich über konkrete Pläne in Schweigen
Das Gesamtfazit des Experten fällt bitter aus: Die amerikanische Zollpolitik gefährde weltweit Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze „und eine Gruppe verliert ganz sicher: Amerikanische Konsumentinnen und Konsumenten, die sich weniger leisten können.“
Die beiden betroffenen deutschen Unternehmen mit Sitz in Herzogenaurach hüllen sich allerdings in Schweigen, wenn man sie auf Trumps Zollpolitik anspricht und danach fragt, wie die Unternehmen darauf reagieren wollen. „Leider können wir uns derzeit nicht dazu äußern, da wir uns in der Quiet Period unserer Q1 Ergebnisse befinden“, teilt etwa eine Sprecherin von Puma auf FT-Anfrage hin mit.
Soll heißen: Man befinde sich gerade in einer Stillephase vor der Präsentation der Unternehmensergebnisse aus dem ersten Quartal 2025 und könne deswegen nichts sagen.
Adidas will die Zoll-Entscheidung erst analysieren
Und auch bei Adidas zeigt sich eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage wortkarg: „Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir von einem Kommentar und Interview absehen möchten, da wir die Entscheidung jetzt erst einmal analysieren und die weiteren Entwicklungen beobachten“.

















