Schuh an Schuh reiht sich an der Wand, der Raum ist erfüllt vom Duft nach Kaffee, zahlreiche Kameras sind bereits aufgebaut und warten auf ihren Einsatz. Nur einen Raum weiter sitzen über 20 Journalisten aus aller Welt an ihren Laptops und Handys, die Klemmbretter mit leeren Blöcken vor sich, manche sind auch online zugeschaltet.
Als CEO Bjørn Gulden die Bühne betritt, um bei der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2024 die Zahlen von Adidas vorzustellen, klingt zunächst alles recht positiv: zwölf Prozent mehr Umsatz 2024, zweistelliges Wachstum in fast allen Märkten im vierten Quartal, erwartete Steigerung des Betriebsergebnisses 2025 auf 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro. „I am very, very happy“, sagt Gulden mehrfach, die Pressekonferenz wird auf Englisch abgehalten.
Adidas: Stellenabbau in Herzogenaurach
Doch dann, beinahe nebenbei, bestätigt Gulden vor den anwesenden Journalisten die Zahl, die seit Wochen kursiert und für Unruhe sorgt: „Wir müssen bis zu 500 Stellen in Herzogenaurach streichen, weil sie Komplexität erzeugen“, sagt er. „Die Stellen, nicht die Personen.“ Das Unternehmen müsse diese Komplexität reduzieren. „Aber Vereinfachung ist das Schwierigste überhaupt. Wir müssen viele unserer eigenen Regeln brechen“, so Gulden.
Ob Gulden gehofft hat, es dabei belassen zu können, bleibt offen. In der anschließenden Fragerunde wird das Thema aber mehrfach angesprochen. „Obsolete“ nennt Gulden die 500 Stellen im Headquarter – überflüssig. Adidas will sich „lokaler“ ausrichten, betont er immer wieder. Lokaler, das heißt im Fall von Adidas: dort, wo die Konsumenten leben.
Mehr Verantwortung soll in lokale Niederlassungen auf der ganzen Welt fließen, weniger Entscheidungen in Herzogenaurach getroffen werden. „Wir vertrauen Chinesen oder Australiern genauso, wie wir Deutschen und Norwegern vertrauen“, sagt Finanzvorstand Harm Ohlmeyer und deutet auf sich und Gulden. Konkret heißt das: Wo weniger Entscheidungen getroffen werden, werden künftig weniger Stellen benötigt. „Wir sind nicht das einzige Unternehmen in Deutschland, das das so machen wird – und wir würden es anderen Unternehmen empfehlen“, so Ohlmeyer. „Dort liegt die Zukunft.“
Adidas kündigt Freiwilligenprogramm an
Welche Bereiche der Stellenabbau treffen wird, will – oder kann – Gulden weiterhin nicht beantworten. Dass es ein Freiwilligenprogramm geben wird, das Mitarbeiter nutzen können, um die Firma mit finanziellem Anreiz zu verlassen, hatte die Pressestelle des Unternehmens dem Fränkischen Tag jedoch schon am Montag bestätigt. Eine entsprechende Anfrage an den Betriebsrat blieb bislang unbeantwortet. Gulden spricht nun von einem mehrwöchigen Zeitraum für das Programm, danach greife ein Sozialplan.
„Wenn man 500 Stellen im Headquarter streicht, ist das schmerzlich“, sagt Gulden. Für die Zukunft des Unternehmens müsse man es aber tun. Das Wachstum, das das Unternehmen anstrebt, werde nicht aus Europa und nicht aus Herzogenaurach kommen, betont der CEO. Nur weil Deutsche ein Produkt kaufen, heiße das längst nicht mehr, dass es auch andere tun.
Politik im Blick: Unsicherheit auf Weltmarkt
Ein kurzes Video soll die neue Ausrichtung des Sportartikelherstellers verdeutlichen: Kurze Clips, die in Amerika oder China spielen, die dortige Kultur einbinden und auf die dortigen Konsumenten eingehen.
Doch nicht nur der Stellenabbau beschäftigt das Unternehmen derzeit. Obwohl Gulden positiv auf das laufende Jahr blickt und auch ohne große sportliche Turnier-Highlights wie eine Welt- oder Europameisterschaft von einer weiteren Gewinnsteigerung ausgeht, sei der Markt derzeit kaum abzuschätzen. „Der Markt in den USA ist unsicher. Wir wissen nicht, was politisch passieren wird“, so Gulden.
Dennoch geht Gulden davon aus, dass das Unternehmen gut gerüstet ist – und macht eine vorsichtige Kampfansage an die Konkurrenz. „Wir sollten Ambitionen haben, in dem Markt, außer den USA, Marktführer zu werden.“ Vor allem die schwachen Zahlen, die Marktführer Nike zuletzt vorgelegt hatte, dürften für Adidas ein weiterer Ansporn sein. Auch der Herzogenauracher Nachbar Puma blieb hinter den Erwartungen zurück.















