0
Jede 12. Stelle in Gefahr
Herzogenaurach: So äußern sich Mitarbeiter nach Adidas-Beben
Die Statue von Adolf Dassler vor der Adidas-Zentrale: Das von ihm gegründete Unternehmen will rund 500 Arbeitsplätze streichen.
Die Statue von Adolf Dassler vor der Adidas-Zentrale: Das von ihm gegründete Unternehmen will rund 500 Arbeitsplätze streichen. // Gerd Ankermann
Herzogenaurach – Rund 500 Arbeitsplätze sollen bei Adidas in Herzogenaurach in Gefahr sein. Was das für die Belegschaft in der Zentrale bedeutet und warum es auch gelassene Stimmen gibt.

Update vom 24. Januar, 13:58Uhr:

Adidas-Mitarbeiter: Meeting zu Jobstreichungen hat stattgefunden

Auch zwei Tage nach der vermeintlichen Ankündigung von bis zu 500 wegfallenden Arbeitsplätzen in der Herzogenauracher Adidas-Zentrale bleiben viele Fragen rund um die bevorstehenden Anpassungen innerhalb des Sportartikelproduzenten offen. 

Ein langjähriger Adidas-Mitarbeiter, der mit seinen Aussagen anonym bleiben möchte, bestätigte gegenüber der Redaktion des Fränkischen Tags nun ebenfalls, dass es in der Tat ein internes Meeting zu diesen Veränderungen gegeben hat.

So erhielten die Mitarbeiter bereits am Dienstagnachmittag eine Einladung für den Termin am nächsten Tag, wo Adidas-CEO Bjørn Gulden die wegfallenden Arbeitsplätze erstmals ankündigte. Doch auch innerhalb des Unternehmens wäre noch nicht weiter bekannt, wo die Anpassungen vor allem treffen würden.

Originaler Artikel vom 23. Januar, 16:15 Uhr:

Die Gerüchte wollen einfach nicht aufhören. Nachdem am Mittwoch, 22. Januar 2025, bekannt wurde, dass der Sportartikelhersteller Adidas umfangreiche „Anpassungen“ in der Firmenzentrale in Herzogenaurach plant, kommen nun weitere Details dazu ans Licht, besonders was die Menge der wegfallenden Arbeitsplätze in Herzogenaurach angeht.

Adidas-Chef verkündet 500 wegfallende Arbeitsplätze

Laut Recherchen des Hamburger Manager-Magazins hätte Adidas-CEO Bjørn Gulden während eines internen Meetings am Mittwochnachmittag bereits die Ausmaße der bevorstehenden Veränderungen angekündigt. Bis zu 500 Arbeitsplätze will der Geschäftsführer am Standort Herzogenaurach einsparen und begründet die Pläne mit der zunehmenden Komplexität der Zentrale. Bei einer Belegschaft von aktuell rund 5.800 Personen in Herzogenaurach würde dies bedeuten, dass etwa jede zwölfte Stelle betroffen wäre.

Adidas-CEO Bjørn Gulden ist seit Januar 2023 für den Sportartikelhersteller zuständig.
Adidas-CEO Bjørn Gulden ist seit Januar 2023 für den Sportartikelhersteller zuständig. // Andreas Kraft

Zu diesem vermeintlichen internen Meeting will sich der Konzern selbst nicht äußern. „Zu möglichen internen Kommunikationen können wir keine Auskunft geben“, erklärt ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage der FT-Redaktion. Auch zur vermeintlichen Anzahl an wegfallenden Arbeitsplätzen bleibt er vage. „Wir stehen noch ganz am Anfang dieses Prozesses, über genaue Zahlen kann man da noch nicht sprechen“, so die Pressestelle.

Adidas äußert sich: Auswirkungen bleiben vage

Auch wo genau der Personal-Rotstift angesetzt wird, ist noch unklar. „Es wird bestimmte Bereiche mehr treffen als andere“, erklärt ein Adidas-Pressesprecher am Donnerstagmorgen auf Nachfrage der Redaktion. Da aber gerade erst mit der Prüfung der derzeitigen Struktur begonnen wird, könne man dazu noch keine genauen Angaben machen.

Unter den Mitarbeitenden auf dem Herzogenauracher Adidas-Campus wird aber natürlich bereits gemunkelt. So gehen mehrere Mitarbeiter gegenüber der Redaktion davon aus, dass die kommenden Kürzungen vorrangig bei älteren Mitarbeitern angedacht sind. Das hört man zumindest, wenn man sich dort am Donnerstag vor Ort umhört.

Wie reagieren die Adidas Mitarbeiter in Herzogenaurach?

Einen großen Widerstand gegen Bjørn Guldens Pläne hätte es am Mittwochnachmittag übrigens nicht gegeben, berichtet das Manager-Magazin. Im Gegenteil sogar: Der Herzogenauracher Betriebsratsvorsitzende Paul Seline hätte bei diesem Meeting bereits seine Unterstützung für die Pläne bekundet. 

Der Adidas-Campus in Herzogenaurach: Anstatt wie urpünglich geplant mitten durch wird die Trasse der Stadt-Umland-Bahn nun südlich um das Unternehmensgelände herumführen.
Der Adidas-Campus in Herzogenaurach: Anstatt wie urpünglich geplant mitten durch wird die Trasse der Stadt-Umland-Bahn nun südlich um das Unternehmensgelände herumführen. // Foto: Gerd Ankermann/Archiv

Entsprechend gelassen ist die Stimmung am Tag nach der Hiobsbotschaft. Wer sich am Donnerstag auf dem Adidas-Areal im Herzogenauracher Osten etwas umhört, hört eher positive Rückmeldungen für die kommenden Veränderungen. Einige Adidas-Mitarbeiter, die ihren Namen nicht veröffentlicht lesen wollen, sehen die Anpassungen sogar als notwendig, um die Fehler des vorherigen Vorstandsvorsitzenden auszugleichen. 

Früherer Adidas-Boss in Kritik

Gemeint ist damit Adidas’ vorheriger Geschäftsführer Kasper Rørsted. Der heute 62-Jährige agierte von Oktober 2018 bis November 2022 als Adidas CEO und war in dieser Zeit bei vielen der Beschäftigten nicht sonderlich beliebt, heißt es von befragten Angestellten auf dem Adidas-Campus. Unter Rørsteds Leitung plante Adidas im Januar 2022 noch die Neueinstellung von insgesamt 800 Mitarbeitern in Deutschland.

Herzogenauracher Bürgermeister German Hacker (SPD) reagiert gelassen

Und wie reagiert der Rest der Stadt? Zumindest Stadtoberhaupt German Hacker (SPD) bleibt auf Nachfrage vorerst gelassen. „Die Prüfung von Strukturmaßnahmen nehmen Unternehmen immer wieder vor, sie dienen der Zukunftssicherung. Aus der Vergangenheit ist unsere grundsätzliche Erfahrung damit, dass der Standort Herzogenaurach damit eher gestärkt hervorgegangen ist. Über Zahlen ist nichts bekannt, daher kann man dazu auch keine Aussage treffen. Ich bin optimistisch“, erklärt der Bürgermeister und vertraut damit auf die Aussagen der Konzernzentrale. Über die vermeintliche interne Ankündigung der 500 wegfallenden Jobs will der Bürgermeister sich derzeit nicht äußern.

German Hacker ist Bürgermeister von Herzogenaurach.
German Hacker ist Bürgermeister von Herzogenaurach. // FT-Archiv

 

CSU-Stadtrat Körner: „Das schockt einen schon, gerade als Herzogenauracher“

Aber auch außerhalb der Stadtverwaltung hat die Nachricht bereits Wellen geschlagen. Unter anderem beim aus Herzogenaurach stammenden CSU-Bundestagskandidaten und Stadt- und Kreisrat Konrad Körner. „Das schockt einen schon, gerade als Herzogenauracher. Ich habe viele WhatsApp-Nachrichten bekommen“, so Körner bei einem Telefonat mit dem Fränkischen Tag. Er sei bereits im Austausch mit Adidas.

Wie der Umstrukturierungsprozess genau verlaufen werden, müsse man abwarten. „Ich gehe davon aus, dass es verantwortungsvoll geschieht“, betont Körner. Auch ob der Stellenabbau den Standort Herzogenaurach betreffen wird, sei Körner zufolge zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht klar. Sollten diese 500 wegfallenden Arbeitsplätze tatsächlich der Fall sein, „wäre jeder zwölfte Mitarbeiter betroffen“, so Körner im Gespräch mit der Redaktion.

Stellenabbau bei Adidas, trotz positiver Geschäftszahlen?

Eigentlich hätte es eine erfreulichere Woche für den Herzogenauracher Sportartikelhersteller werden sollen. Erst am Dienstag veröffentlichte das Unternehmen die letzten Quartalsergebnisse für 2024, die um einiges positiver ausfielen als anfangs gedacht.

So konnte Adidas zwischen Oktober und Dezember 2024 im Vergleich zum vorherigen Quartal den Unternehmensumsatz um 24 Prozent verbessern. Im gesamten Jahr 2024 konnte das Unternehmen ebenfalls eine Umsatzsteigerung von rund 12 Prozent, im Vergleich zu 2023, erwirtschaften. „Wir blicken auch optimistisch in die Zukunft und sehen Potenzial, unseren Marktanteil in allen Märkten zu steigern“, erklärte Adidas CEO Bjørn Gulden bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen.

Laut einem Konzernsprecher hätten die kommenden Anpassungen in der Konzernzentrale nichts mit der finanziellen Situation des Unternehmens zu tun. Stattdessen ginge es hier vorwiegend darum, die eigene Kundennähe weiter zu stärken, heißt es aus der Konzernzentrale.

Adidas Herzogenaurach: Wie soll es weitergehen?

Die Zukunft in der Adidas-Zentrale bleibt also ungewiss. „Wenn dieser Prüfungsprozess abgeschlossen ist, werden wir die Ergebnisse natürlich mitteilen“, heißt es aus der Pressestelle in Herzogenaurach.

Inhalt teilen
  • kopiert!