Im Stadtmuseum brachte Kreisheimatpfleger Manfred Welker bei einem Vortrag Wissenswertes zur Familie Dassler sowie den Firmen Puma und Adidas zahlreichen Zuhörern nahe. Wie der Herzogenauracher Heimatforscher Luitpold Maier herausfand, wurde Sigmund Dassler erstmals 1689 in Herzogenaurach erwähnt. Dassler stammte aus Schwabach, kam als Tuchmacher nach Herzogenaurach und wurde in der Aurachstadt ansässig. Einer seiner Nachfahren, Christof Dassler, kam auf seiner Wanderschaft nach Gera und heiratete dort seine Frau Pauline.
Wie Adidas und Puma Herzogenaurach prägten
Am Hirtengraben erbaute er für seine Familie ein Haus. Aus der Ehe mit seiner Frau Pauline gingen vier Kinder hervor, darunter Rudolf (Jahrgang 1898) und Adolf (Jahrgang 1900). Dass die beiden einmal Inhaber einer großen Firma sein würden, war keineswegs von Anfang an vorgezeichnet. Rudolf Dassler hatte zwar in der „Vereinigten Fränkischen Schuhfabrik“ gearbeitet, war aber nach dem Einsatz im Ersten Weltkrieg als Geschäftsführer in einer Porzellanfabrik und einer Ledergroßhandlung tätig. Adolf Dassler hatte eine Bäckerlehre in der Bäckerei Weiß in der Bamberger Straße hinter sich, als sich die beiden Brüder entschlossen, in die Schuhfertigung einzusteigen.
Berlin 1936: Jesse Owens siegt mit Schuhen aus Herzogenaurach
Die ersten Schuhe entstanden in der Waschküche des elterlichen Anwesens, Am Hirtengraben 12. Da ihre Bemühung von Erfolg gekrönt war, gründeten sie die Firma „Gebrüder Dassler“, die am 1. Juli 1924 in das Handelsregister eingetragen wurde, und kauften später ein Fabrikationsgebäude am Bahnhof. Stolz schrieb ihr Vater Christof Dassler in einem Aufsatz im Herzogenauracher Heimatblatt aus dem Jahr 1930: „Heute befindet sich darin eine Sportschuhfabrik von Gebr. Daßler mit Export nach der Schweiz, Holland, Oesterreich, Tschechoslowakei, England und Griechenland.“ Neben ihrem Fabrikgebäude errichteten sich die Firmeninhaber 1933 die Dassler-Villa. In dem Gebäude wohnten im Parterre Adolf Dassler, im ersten Stock Rudolf Dassler.
Über den Familien ihrer erfolgreichen Söhne „thronten“ gewissermaßen im zweiten Stock die Eltern Christof und Pauline Dassler. Entscheidende Impulse und Verbindungen für ihre Sport-Schuhfabrik brachte ihnen der Kontakt mit Reichssportlehrer Josef Waitzer. Nach ihm benannt die Gebrüder Dassler ein Modell ihrer Schuhe, nämlich „Waitzer“. Der größte Erfolg für die Firma Dassler waren die Olympischen Spiele in Berlin im Jahr 1936. Jesse Owens erreichte seine Rekorde mit Dassler-Schuhen.
1948: Adidas und Puma in Herzogenaurach gegründet
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion eingestellt. Am 1. November 1945 erhielt die Schuhfabrik der Gebrüder Dassler durch die Militärregierung wieder die Genehmigung zur Produktion. Unter der Leitung eines Geschäftsführers fertigten 43 Arbeiter und zwei Angestellte Schuhe für die amerikanische Armee. Zum Sortiment zählten Sportschuhe wie Eishockeystiefel und Rennschuhe. Allerdings trennten sich die beiden Brüder 1948 und ließen die gemeinsame Sportschuhfabrik Dassler aus dem Gewerberegister löschen.
Es entstanden die Firmen Puma und Adidas, die in den folgenden Jahrzehnten am Markt für Sportartikel federführend waren. Aus nahezu jeder Familie in Herzogenaurach war ein Mitglied in einer der beiden Familien beschäftigt. Auch sonst waren die beiden Firmen in Herzogenaurach verwurzelt, Rudolf Dassler und Puma unterstützten den 1. FC Herzogenaurach, Adolf Dassler und Adidas den ASV.
Herzogenaurach: Puma und Adidas gehen an die Börse
Beide hatten eine lange Zeit als Firmenchefs hinter sich, als Rudolf Dassler 1974 starb, Adolf Dassler 1978. Die nachfolgende Generation übernahm das Ruder und leitete die Firmengeschicke. Allerdings war ihnen keine lange Wirkenszeit beschieden: Horst Dassler (Adidas) starb 1987, Armin Dassler (Puma) 1990. Inzwischen sind beide Firmen an der Börse notierte, multinationale Konzerne, die mit Mitgliedern der Dassler-Familie kaum mehr etwas gemeinsam haben.
Lesen Sie auch:












