Gina Lückenkemper schlüpft in ein Sweatshirt und blickt an sich hinunter. Dann dreht sie sich vor dem Spiegel um die eigene Achse wie eine Eiskunstläuferin und summt zur Musik. Das Bild passt irgendwie zum Freitagvormittag. Sommerstimmung trotz Dauerregen und Temperaturen, die gerade so den einstelligen Bereich überspringen. Vor dem LKW-Container auf dem Adidas-Campus in Herzogenaurach stehen Liegestühle und eine mobile Eisdiele. Auch deren Mitarbeiter, der seine Ware trotz Nullkosten kaum losbringt, macht gute Miene zum bösen Spiel von oben.
Training mit Kaul nach innen verlegt
„Nachher ist ein Training für unsere Mitarbeiter mit Niklas Kaul vorgesehen. Eigentlich wollten wir es hier auf dem Rasen machen. Aber wegen des Wetters verlegen wir die Einheit ins Fitnessstudio“, sagt Adidas-Pressesprecherin Anika Simon. Der beste Zehnkämpfer Deutschlands soll sich im Endspurt Richtung Olympische Spiele auf keinen Fall noch erkälten.
An diesem Freitagmittag Anfang Juli heißt es Einkleiden für die Athleten von Team Deutschland. Normalerweise findet diese Veranstaltung alle vier Jahre zentral für alle Teilnehmer statt. Coronabedingt sprinten die Kleider aber diesmal zu den Sportlern. Seit dem 11. Juni fährt ein Laster mit einem großen Anhänger durch die Republik. Die für Tokio Qualifizierten hüpfen am für sie passenden Ort in die überdimensionierte Umkleidekabine.
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100-Meter-Sprinterin Gina Lückenkemer wohnt seit ein paar Jahren in Bamberg. Niklas Kaul hat es aus Mainz auch nicht ganz so weit. Und die Handball-Nationalmannschaft holt sich in Herzogenaurach den Feinschliff, bevor sie nach Japan fliegt. Für die Sportler um Steffen Weinhold aus Fürth eine Gratwanderung. Während der Deutsche Handball-Bund von Nachbar Puma ausgestattet wird, verlangt die Kleiderordnung des Olympia-Teams drei Streifen.
„Es wird komisch, wenn ich zur Hymne den Adidas-Pullover anziehe, vorher und nachher aber Puma trage“, erzählt Rückraumakteur Weinhold. Die Leichtathleten um Lückenkemper und Kaul haben dieselbe Hürde mit Adidas und Nike zu bewältigen.
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Mehrere Outfits umfasst das Kleiderarsenal. „Es gibt eine Kollektion für offizielle Zeremonien wie die Eröffnungsfeier. Eine für die Freizeit. Und eine für Präsentationen und Pressekonferenzen“, zählt Anika Simon auf. Fast 90 Teile von der Käppi bis zum Strumpf stehen der Elite Deutschlands zur Verfügung. Sogar Deo und Schweißband befinden sich im Kleiderschrank. An den Spinden hängen Größentabellen. Die Wände sind mit Polaroid-Bildern und Unterschriften der bisherigen Probanden geschmückt.
Optisch dominieren bei den Wäscheutensilien Grün- und Rot-Töne. Teilweise sind die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold angedeutet. Ähnlich dezent tauchen die olympischen Ringe und der Wappenadler auf manchem Ärmel oder Schulterteil auf. „Ich finde die Kollektion super gelungen und freue mich sehr, sie in wenigen Wochen in Tokio zu tragen“, sagt die Wahlfränkin Lückenkemper. „Mein Favorit ist – vielleicht etwas unerwartet – der Regenponcho.“ Irgendwie passend.
Ersatzteile gibt es vor Ort
Herzogenaurach war die letzte Station des Bekleidungs-Brummis. Nachdem die Größen der Sportler registriert wurden, kann der Klamotten-Koloss gen Tokio geschickt werden. Und was ist, wenn ein Kampfsportler kurzfristig abnimmt, um seine Gewichtsklasse zu erreichen? Oder ein Olympionik noch etwas Muskelmasse antrainiert? „Dann steht vor Ort auch noch Ersatz bereit“, gibt Simon Entwarnung.
Weinholds Wiedersehen:
Steffen Weinhold ist der einzige Franke im Olympia-Kader der deutschen Handballer. Als gebürtiger Fürther war der Profi des THW Kiel schon mehrmals in Herzogenaurach:
„Mit Kiel haben wir schon drei Mal unsere Saisonvorbereitung hier absolviert“, berichtet der 34-Jährige.
Auch Kindheitserinnerungen wurden beim Einkleidungstermin am Freitag auf dem Adidas-Campus wach: „Wenn ich neue Fußballschuhe gebraucht habe, sind wir meist ins Outlet gefahren. Und im Atlantis waren wir als Kinder natürlich auch manchmal.“















