0
Nach Straßensanierung
Anwohner kritisieren Barrierefreiheit in Adelsdorf
Michael Denk demonstriert, wie schwer es ist bei einem Quergefälle von neun Zentimeter einen Rollstuhl in Adelsdorf zu lenken.
Michael Denk demonstriert, wie schwer es ist bei einem Quergefälle von neun Zentimeter einen Rollstuhl in Adelsdorf zu lenken. // Britta Schnake
Adelsdorf – Einige sanierte Gehwege in Adelsdorf seien zu eng für Rollstuhlfahrer, kritisieren Anwohner. Bürgermeister Fischkal sieht die Gemeinde im Recht. Doch die Breite ist nicht der einzige Kritikpunkt.

Die groß angelegte Baumaßnahme im Adelsdorfer Oberdorf im Bereich Peter-Rosegger-Straße, Albert-Schweitzer-Straße und Kaspar-Lang-Straße neigen sich dem Ende zu, doch Zufriedenheit sieht wahrlich anders aus bei den Anwohnern. So gibt es Beschwerden über fehlende Barrierefreiheit, welche sich durch zu schmale Bürgersteige und zu starke Quergefälle bemerkbar macht. „Zulässig sind 2,5 Zentimeter, wir haben sieben Zentimeter“, sagt Ines Schaffer. Sie wohnt in der Albert-Schweitzer-Straße, war zeitweise aufgrund einer gesundheitlichen Einschränkung auf den Rollstuhl angewiesen und weiß genau, wie sehr man gegenlenken muss bei einem solch hohen Quergefälle.

Und ja, sie hätte zwei Bürgersteige gewollt, als Puffer, damit man nicht gleich auf der Straße steht, wenn man das Grundstück verlässt. Michael Denk rückt mit dem Zollstock an. Vor einem Grundstück ist der Gehsteig nur 90 Zentimeter breit, auf der gegenüberliegenden Seite 1,45 Meter. Schlecht gelöst, wie er findet.

Verpflichtung für Feuerwehr und Müllabfuhr

Auf telefonische Nachfrage, zu welcher auch Andreas Zacherl vom Planungsbüro GBI zugeschaltet ist, erklärt Bürgermeister Karsten Fischkal: „Die Gehsteige müssen sich nach der Fahrbahnbreite richten und das sind fünf Meter.“ Wir haben eine Verpflichtung der Feuerwehr, den Rettungsfahrzeugen und der Müllabfuhr gegenüber. In der Präsentation wurde von den Planern immer wieder darauf hingewiesen.“

„Wir sanieren im Bestand“, sagt Andreas Zacherl. „Da muss man mit dem arbeiten, was da ist. Unser Ausbauvorschlag war, den Gehsteig auf eine Seite zu setzen, aber genau das wurde mehrheitlich nicht gewollt. Wir haben das Beste aus dem rausgeholt, was ging.“

Senioren in der Peter-Rosegger-Straße in Adelsdorf

„Wir haben eine Bürgerbefragung durchgeführt. Es gab Telefonate, es wurden Treffen organisiert, wir waren vor Ort“, berichtet Fischkal. „Der Bürger hat sich informiert und eine Entscheidung getroffen. Das ist gelebte Demokratie.“ Denk führt ins Feld, dass über die Hälfte der Anwohner der Peter-Rosegger-Straße über 50 Jahre alt sind, was sich in der Mobilität niederschlagen würde.

Fast fertig, nur die Feinschicht fehlt in der Peter-Rosegger-Straße.
Fast fertig, nur die Feinschicht fehlt in der Peter-Rosegger-Straße. // Britta Schnake

„Es wird immer Leute geben, die in einem Altersspektrum sind, dem es nicht passt. Das darf aber nicht das Entscheidungskriterium im Gemeinderat sein“, kommentiert Zacherl diese Aussage. Doch das ist laut Denk noch lange nicht alles. Ein Ärgernis seien auch die hochgebauten Rabatten, die notwendig wurden, da Straßen und Gehwege so stark abgesenkt wurden, dass die Fundamente sichtbar waren. Sein Vorschlag wäre gewesen, die Rabatten dann wenigstens auf das jeweilige Grundstück zu setzen, damit nicht noch mehr vom Gehsteig fehlt.

Kritik an Verwaltung der Gemeinde Adelsdorf

Jörg Galster wohnt direkt an der Kreuzung zur Maria-Ludwig-Straße. Bei seinem Nachbarn wurde der Gehsteig Richtung Grundstück abgesenkt, wohl ein Fehler. Der Anwohner hat laut Galster einem Deal zugestimmt, so dass das Gehwegwasser in seinem Grundstück abfließen kann. Galster befürchtet nun, dass bei einem Starkregenereignis das Wasser vom Nachbarn direkt zu ihm herüberschießt und das Haus unter Wasser setzt. Unternehmen könne er aber erst dann etwas, wenn das Unheil seinen Lauf genommen hat.

Überhaupt ist der Ton laut Schaffer deutlich rauer geworden, gerade im Bereich Kommunikation mit der Gemeinde. So hat sie schriftlich drauf hingewiesen, dass sechs Grenzsteine entfernt und nicht mehr ersetzt wurden. Eigentlich ein Straftatbestand.

Rechtsanwalt gegen Gemeinde Adelsdorf

Vom Tiefbauamt teilte man ihr mit, dass diese Behauptung nicht bestätigt werden könne. Zudem sei ihr angedroht worden, ihr bei einer Falschbehauptung die Kosten für eine Grenzfeststellung aufzubürden. Sie hat sich einen Rechtsanwalt genommen.

Lesen Sie auch: 

Inhalt teilen
  • kopiert!