0
Kitabau, Gymnasium, Sanierung?
So will Axel Gotthardt CSU-Bürgermeister in Heßdorf werden
Axel Gotthardt ist zweiter Bürgermeister der Gemeinde und Heßdorf und CSU-Bürgermeisterkandidat.
Axel Gotthardt ist zweiter Bürgermeister der Gemeinde und Heßdorf und CSU-Bürgermeisterkandidat. // Foto: Adelheid Wagner
Heßdorf – Realistisch oder ambitioniert? Als Bürgermeister von Heßdorf möchte der CSU-Kandidat seine Gemeinde entschulden und gleichzeitig wichtige Projekte umsetzen. Wie und warum er das für Heßdorf schaffen will.

Vergangenen Sonntag war Axel Gotthardt auf einer Wahlveranstaltung. Was für Visionen er für die Gemeinde Heßdorf habe? Das wurde der amtierende Zweite Bürgermeister und CSU-Bürgermeisterkandidat gefragt. Seine Antwort gefiel nicht jedem, berichtet er. Denn sie war bodenständig. „Für mich ist es wichtig, eine ordentliche Basis zu schaffen“, erklärt der 46-Jährige seine Ziele für die Gemeinde. Gotthard spricht so, weil er weiß, welche Herausforderungen auf die Kommunen zukommen. Er weiß auch, dass Heßdorf finanziell nicht gut dasteht.

Führt seit knapp sechs Monaten die Geschäfte der Gemeinde

Seit bald sechs Monaten hat Gotthardt die Amtsgeschäfte im Rathaus übernommen. Bürgermeister Horst Rehder ging vorzeitig in den Ruhestand. Seitdem befasst sich der gelernte Industriekaufmann und Gastronom Gotthardt mit dem, was seine Gemeinde braucht. Heßdorf braucht eine neue Kindertagesstätte und eine Sanierung des alten Kanalsystems. Dazu kommt der Bau eines Gymnasiums. Dann fahren seit der Autobahnbaustelle „regelmäßig Lkws durch Wohngebietsstraßen, die nicht dafür ausgelegt sind.“ Auch das wird kosten.

Heßdorf: Schulden reduzieren und Bauprojekte umsetzen

„Es ist wichtig, dass wir jetzt diese Projekte abarbeiten“, sagt Gotthardt. Sein erklärtes Ziel ist nüchtern. „Wir sind sehr verschuldet“, sagt der Zweite Bürgermeister. „Vor drei Jahren hatten wir die höchste pro Kopf-Verschuldung im Landkreis“, sagt er. Als Bürgermeister will Axel Gotthardt seine Kommune auf lange Sicht entschulden. Erreichen will er das, ohne wichtige Projekte wie die Kita auf der Strecke zu lassen.

Der Kaufmann geht die Gemeindegeschäfte pragmatisch an: Mit der veränderten Planung für den Kitabau wird Heßdorf eine Million Euro sparen, sagt Gotthardt. Konkurrenten versprächen riesige Waldkindergärten bauen zu wollen. Gotthard dagegen weiß, dass das nicht geht, weil sich kein Träger finden lässt. Er realisiert stattdessen, was machbar ist. „Wir bauen jetzt einen reinen Zweckbau, der auch gut aussieht“, sagt er.

Neben Bauplänen gibt es noch andere gewichtige finanzielle Verpflichtungen. „Die Kreisumlage steigt immer weiter.“ Um mehr Einnahmen zu generieren, will der 46-Jährige ein Gewerbegebiet ausweisen und an der „Gewerbesteuerschraube“ drehen. Auch ohne neue Kredite aufzunehmen, wird es nicht gehen. Insgesamt will Gotthardt die Entschuldung vorantreiben. Auch weil er glaubt, dass es „viele Gemeinden in den nächsten Jahren schwer haben werden.“

Gotthardt: Ehemals jüngstes Mitglied im Gemeinderat Heßdorf

Für den erfahrenen Lokalpolitiker ist es die zweite Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Heßdorf. Als er 22 Jahre alt war, kandidierte Gotthardt zum ersten Mal für den Gemeinderat. Im Jahr 2008 zog er, damals noch für die Freien Wähler, als jüngstes Mitglied in den Heßdorfer Gemeinderat ein. Von 2014 bis 2020 war er Dritter Bürgermeister.

Politik hat Gotthard schon seit der Kindheit interessiert. „Ich komme aus einem politischen Haushalt“, sagt er. „Mein Vater war sechzig Jahre lang SPD-Mitglied.“ Politische Diskussionen waren in der Familie an der Tagesordnung.

Gotthardts politische Vita ist fest mit Heßdorf verwoben. Zwischen dem Amt des Dritten und dem Amt des Zweiten Bürgermeisters (seit 2020) erfolgte der Wechsel von den freien Wählern zur CSU. Ein Wechsel „von einer konservativen zu einer konservativen Partei“, wie er sagt.

Schon 2023 hatte Gotthard die Geschäfte des damaligen Bürgermeisters Horst Reder (Bürgerblock Heßdorf) wegen dessen Krankheit zeitweilig übernommen. Neben dem Vorsitz des CSU-Ortsverbandes und der Mitgliedschaft im Kreisvorstand sowie dem Vorstand des Sportvereins Spielvereinigung Heßdorf will Gotthard nun auch die Geschicke der Gemeinde leiten.

Axel Gotthardt in Heßdorf verwurzelt

Auf die Frage, ob er sich jemals vorstellen könnte, an einem anderen Ort zu leben, schüttelt Axel Gotthard vehement den Kopf und sagt: „Überhaupt nicht.“ Er fühlt sich mit Heßdorf verbunden. Auf einem Bauernhof im Ort aufzuwachsen, war für ihn damals „ein Paradies“. Mittlerweile hat der 46-Jähre eine Familie gegründet und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern im Ort.

Für Heßdorf möchte der Industriekaufmann „ordentliche Politik machen“. Was er dafür mitbringt, sind 23 Jahre an Arbeitserfahrung in Sachen Finanzen und Projektmanagement. Als einer von zwei Geschäftsführern des Bogart’s in Erlangen kennt er sich zudem in der Personalführung aus. Wichtig ist Gotthardt auch, mit den Bürgern im Gespräch zu bleiben – auch um den Anteil der Stimmen für, wie er es nennt „Radikale“ zu verringern. Das sei wichtig, „damit man nicht das Gefühl hat, es wird sowieso alles oben entschieden.“

Führungsstil: Teamplayer im Heßdorfer Gemeinderat

Ziele lassen sich besser als Gemeinschaft erreichen. Bürgermeister Horst Rehder sei ihm mit seiner Art hier ein Vorbild gewesen. „Wenn man nur seinen eigenen Kopf durchsetzt und sein eigenes Ding macht, dann wird sich niemand für einen aussprechen“, so Gotthardts Einschätzung. Er strebt eine andere Praxis an. „Ich bin ein Teamplayer im Gemeinderat“, sagt er.

Inhalt teilen
  • kopiert!