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Kita-Gebühren explodieren
Petition eingereicht: Adelsdorf alarmiert Sozialministerin
Karsten Fischkal
In Höchstadt hat Karsten Fischkal Sozialministerin Ulrike Scharf die Adelsdorfer Petition übergeben. // Gemeinde Adelsdorf
Adelsdorf – Adelsdorfs Kitas am Limit: Eine Petition mit 442 Unterschriften fordert den Landtag heraus, die finanzielle Belastung der Gemeinden zu reduzieren.

Erhöhung der staatlichen Förderung, Bürokratieabbau, schnellere Anpassung an den Fachkräftemangel: Es sind drei Punkte, die die Gemeinde Adelsdorf in einer Petition vom Bayerischen Landtag fordert. 442 Unterschriften sind zusammengekommen. Die Gemeinde stehe dabei „exemplarisch“ für ein weitreichendes Problem, ist Bürgermeister Karsten Fischkal überzeugt. 

Erst vor wenigen Wochen hatte der Gemeinderat eine saftige Erhöhung der Kitagebühren beschlossen, was vor allem bei den betroffenen Eltern zu einem Aufschrei geführt hatte. In den sozialen Medien war die Rede von bis zu 575 Euro mehr, die einzelne Familien ab September bezahlen sollten. Der Schock bei den Eltern war groß.

Inzwischen habe man die Lage zusammen mit den Elternbeiräten noch einmal sondiert und zumindest für Familien mit mehreren Kindern noch eine Kostensenkung heraushandeln können, erklärt Fischkal auf Nachfrage der Redaktion. Im Mai soll der neue Vorschlag erneut dem Gemeinderat zur Diskussion vorgelegt werden. Die Botschaft ist laut Fischkal jedoch trotzdem klar: Die Gebühren werden steigen. Und zwar deutlich. 

Wegen Kinderbetreuung: Adelsdorf reicht Petition ein

Das Problem geht jedoch viel tiefer, wie Frank Renninger, pädagogischer Gesamtleiter, erklärt. Denn das Geld, das durch eine Erhöhung der Gebühren in die kommunalen Kassen geschwemmt wird, sei keinesfalls ein Puffer, um dringend benötigtes Personal aufzustocken. „Mit der Erhöhung halten wir nur ein defizitäres System am Laufen. Wir müssen erhöhen, um überhaupt noch unsere Arbeit machen zu können“, so Renninger. 

Seit Jahren müssten Kitas mit einem veralteten Personalschlüssel arbeiten. „Aber wir haben immer mehr schwierige Kinder. Das ist inzwischen ein Kind pro Gruppe, das regelmäßig austickt, weil es mit der Gruppensituation nicht zurechtkommt oder weil soziale Kompetenzen fehlen“, erklärt der Pädagoge. Immer wieder müsste man also eigentlich ein Kind aus der Gruppe nehmen – doch dafür bräuchte es Personal. Auch die wachsenden bürokratischen Anforderungen und vor allem die Elterngespräche nehmen zunehmend mehr Zeit ein. „Eigentlich bräuchte es pro Gruppe eine halbe Kraft mehr, damit diese sich überwiegend mit Elterngesprächen oder eben diesen Kindern befassen kann“, sagt Renninger. 

Fischkal: Großteil bleibt an Kommunen hängen

Stattdessen ziehe man wegen fehlendem Personal Kinder mit erhöhtem Förderbedarf durch den Regelbetrieb. „Dem Kind ist damit nicht geholfen“, ist er überzeugt. Oft seien genau diese Kinder dann auch in der Grundschule auffällig. Von einer pädagogisch wertvollen Betreuung entferne man sich so immer weiter. Zusätzlich werde das Personal von den steigenden Anforderungen der Eltern und den bürokratischen Vorgaben strapaziert. 

Mit den Förderungen, die die Kitas aktuell vom Staat erhalten, könne man kaum arbeiten. „Wir brauchen mehr Geld. Die Kinderbetreuung muss adäquat finanziert werden“, sagt Renninger. „2015 wurden noch rund 62 Prozent der Baukosten durch den Bund gefördert, heute sind es nur noch 31 Prozent“, erklärt Fischkal. „Und auch bei den laufenden Betriebskosten bleibt der Großteil bei den Kommunen hängen.“

Dabei gehe es den kommunalen Kitas sogar noch ein wenig besser, als Kitas von kirchlichen oder freien Trägern, wie Renninger betont. „Die Kommunalen können Schulden machen. Die freien Träger dagegen müssen wenigstens auf null rauskommen. Momentan ist die Entwicklung so, dass die Kirchen und die freien Träger uns den Schlüssel in die Hand geben, weil sie sich die Kinderbetreuung nicht mehr leisten können. Der Staat muss etwas tun, sonst können sich bald nur noch Kommunen die Kinderbetreuung leisten – und da auch nur die Reichen.“ 

442 Unterschriften bei Eltern gesammelt 

Um auf das Problem aufmerksam zu machen und den Eltern zu zeigen, dass es nicht nur darum gehe, dass „der Haushalt passt“, haben Renninger und Fischkal die Petition initiiert, die inzwischen offiziell beim Petitionsausschuss des Landtags eingereicht wurde. 

Auch an die bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) hat Fischkal die Petition übergeben. „Genau mein Thema, hier besteht Handlungsbedarf“, habe auch sie festgestellt. Wann die Petition im Petitionsausschuss bearbeitet werden soll, steht noch nicht fest. „Aber es regt sich immer mehr. Die Hoffnung besteht, dass jetzt endlich was passieren muss. Das ist kein Problem, das wir erst seit heuer haben, sondern das zieht sich über Jahre hinweg. Jetzt ist der Druck da“, so Renninger. 

 

 

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