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Kostenexplosion beim Bierpreis
Erlanger Bergkirchweih: Wirte kämpfen gegen hohe Gebühren
Bergkirchweih Altstädter Schießhaus
Unter dem Namen „Bergwirte“ haben sich die Wirte der Bergkirchweih zusammengetan, um mit der Stadt wegen der rasant steigenden Gebühren zu verhandeln und den Berg wieder in einem positiveren Licht erstrahlen zu lassen. // Andreas Klupp/Archiv
Erlangen – Erstmals haben die Wirte der Bergkirchweih sich zusammengetan, um gegen den Anstieg der städtischen Gebühren zu kämpfen. Was sie verlangen und wie die Stadt sich äußert.

„Wir haben eine Schallmauer durchbrochen“, sagt Till Stürmer. 14 Euro verlangen in diesem Jahr manche Keller für die Maß Bier auf der Bergkirchweih. Eine Entwicklung, mit der die Wirte selbst laut Stürmer „gar nicht glücklich“ sind. 

Dass die Bierpreise steigen, liege zum Teil an steigenden Kosten für Personal, aber auch an der Inflation. „Aber die Bierpreise steigen in den letzten Jahren nicht im Gleichschritt mit der Inflation“, sagt Stürmer, der das Altstädter Schießhaus und den Birkner’s Keller betreibt. Der Anstieg sei „exorbitant.“ Als Begründung nennt Stürmer die städtischen Gebühren, die von 2023 auf 2024 bereits um 42 Prozent und 2025 noch einmal um 27 Prozent gestiegen seien. Die Gebühren, die die Stadt erhebt, decken zum Beispiel Ausgaben für Security oder Müllentsorgung. 

Bergkirchweih Erlangen: Wirte gründen Vereinigung

Einfach so wollen die Wirte das allerdings nicht hinnehmen. „Wenn das so weitergeht, sind wir in ein paar Jahren bei 17 bis 18 Euro die Maß, das geht nicht mehr“, sagt Stürmer. Immerhin wolle man den Berg auch als Familienfest aufrechterhalten. 

Als Reaktion auf die Gebühren haben die Wirte sich nun zur „Vereinigung der Festwirte auf der Erlanger Bergkirchweih“, kurz „Bergwirte“, zusammengeschlossen, für die Till Stürmer sowie Udo Helbig, Wirt des Erich Kellers, als Sprecher fungieren. 

Bergwirte Erlangen
Die Vereinigung „Bergwirte“ will sich für mehr Transparenz und eine sinnvollere Verteilung der Kosten auf der Erlanger Berkirchweih einsetzen. // Bergwirte

Vor allem die fehlende Transparenz beklagen die Wirte. „Wir bekommen horrende Gebühren, wissen aber nicht wofür. Das ist, als würde man als Mieter eine Nebenkostenabrechnung bekommen und nicht wissen, was man da bezahlt“, erklärt Stürmer. Daher wollen die Wirte nun in erster Linie Kontakt zur Stadtverwaltung suchen. In einem ersten Termin habe man auch schon Vorschläge unterbreitet, wo man aus Sicht der Wirte einsparen könnte. Genau will Stürmer darauf noch nicht eingehen, um der Stadt erst einmal Zeit für eine Rückmeldung zu geben.

Bergwirte kritisieren Gebühren der Stadtverwaltung 

Als Stichwort nennt er aber erneut das Thema Security, das auch im vergangenen Jahr als großer Kostenpunkt genannt worden war. „Wir wollen keine Abstriche an der Sicherheit machen“, betont der Gastronom. „Aber wir wollen das Ganze sinnvoller gestalten. Wir als Wirte hier vor Ort haben einfach mehr Erfahrung.“ Schließlich sei man jeden Tag vor Ort und wisse genau, an welchen Tagen und zu welchen Uhrzeiten man viel Sicherheitspersonal brauche – und wann nicht. „Die Ordnungsbehörden wie zum Beispiel die Polizei haben es auch sehr positiv aufgenommen, dass wir uns da aktiv und konstruktiv beteiligen“, so Stürmer.

Dass man für die diesjährige Bergkirchweih noch etwas bewirken könne, bezweifelt Stürmer. Es gehe aber vor allem auch um die künftige Entwicklung. „Wir versuchen zu erwirken, dass die Teuerungsrate zumindest abgemildert wird“, so Stürmer. „Wir fordern die Stadt auf, jeden Stein umzudrehen und alle Maßnahmen der vergangenen Jahre noch einmal infrage zu stellen.“ Denn die Wirte wollen nicht aus den Augen verlieren, dass es sich beim Berg eigentlich um ein Familienfest handelt. Deswegen seien auf dem Berg zum Beispiel die alkoholfreien Getränke vergleichsweise günstig. Trotzdem laufe man Gefahr, dass Familien sich das Fest bald nicht mehr leisten können. 

Erlanger Wirte wollen Berg wieder attraktiver gestalten

Neben den Forderungen an die Stadt wollen die Bergwirte aber auch selbst aktiv werden, vor allem beim Thema Werbung. Denn die Stadt habe seit rund zehn Jahren kaum noch Werbung geschaltet, damit der Berg „nicht mehr so voll“ ist. „Wir wollen da mit eigenen Mitteln in die Bresche springen und versuchen den Berg für Senioren, für Familien und junge Leute wieder attraktiver zu machen. Wir haben durch Corona im Prinzip eine halbe Generation verloren, die sich lieber auf den Parallelveranstaltungen amüsiert“, führt Stürmer aus. Seit der Corona-Pandemie sei für die Wirte ohnehin ein deutlicher Besucherrückgang spürbar. „Wir wollen den Berg generell wieder in einem positiveren Licht darstellen“, so Stürmer.

So äußert sich die Stadt Erlangen

Die Stadtverwaltung kann die Vorwürfe der Wirte so nicht nachvollziehen. Bei den Gebühren unterscheide man nach Platzüberlassungen und Teilnahmeverträgen, wie die Pressestelle auf Anfrage der Redaktion erklärt. „Eine Platzüberlassung bedeutet, dass die Stadt städtischen Grund während der Bergkirchweih an einen Kellerwirt überlässt. Teilnahmegebühren zahlen alle teilnehmenden Keller. Der Preis wird nach Größe der überlassenen Fläche bzw. Größe des teilnehmenden Kellers berechnet“, so die Stadtverwaltung. 

Die Gebühr für die Platzüberlassung decke vor allem Kosten ab, „die den regulären Unterhalt des Geländes betreffen“. Dazu zählen Sicherheitsaufgaben oder die Infrastruktur, die für das Kirchweihgelände auf die Beine gestellt werden muss. Bei den Teilnahmeverträgen seien auch die Müllentsorgung und die Reinigung sowie die Bereitstellung von Toiletten in den Gebühren enthalten. 

Stadt Erlangen weist Vorwürfe von sich: hohe Zuschüsse für Bergkirchweih

Den Vorwurf der mangelnden Transparenz weist die Stadtverwaltung klar von sich. „Beim letzten Gespräch mit den Wirten am 10. April 2025 haben wir ihnen die Übersicht über die angefallenen und teilweise weiterverrechneten Kostenpositionen gezeigt. Zudem können die Wirte Einsicht in die vorliegenden Rechnungen nehmen, denn hinter jeder Position steht eine konkrete, direkt zurechenbare Rechnung“, so die Antwort der Pressestelle. 

Zudem betont die Stadt, dass die Bergkirchweih ordentlich bezuschusst werde. „Zum einen durch Kostenpositionen, die die Stadt gar nicht umlegt, wie zum Beispiel die Personalkosten der Veranstaltungsleitung oder die nicht unerheblichen Investitionskosten in das Gelände.“ Zum anderen gebe es für die Jahre 2024 und 2025 jeweils einen Zuschuss von 150.000 Euro. 

Die Vorschläge, die die Bergwirte unterbreitet haben, sollen bei der Stadt nun geprüft werden. Das Problem sei allerdings, dass man sich an die Vorgaben für Großveranstaltungen richten müsse, die wegen der aktuellen Sicherheitslage eher steigen als sinken. „Und dadurch steigen dann die Kosten. Auch wir betrachten diese Entwicklung schon seit langem mit großer Sorge. Insofern haben wir ein gleichgerichtetes Interesse“, betont die Stadt. 

 

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