Solidarität
Flüchtlinge sind willkommen
Seit russische Truppen die Ukraine attackieren, sind Tausende Menschen auf der Flucht.
Seit russische Truppen die Ukraine attackieren, sind Tausende Menschen auf der Flucht.
Michael Kappeler/dpa, Grafik: SH
Ukraine
Sven Dörr von Sven Dörr, Bernhard Panzer, Anna-Lena Reif, Karina Brock Fränkischer Tag
LKR Erlangen-Höchstadt – Seit russische Truppen die Ukraine attackieren, sind Tausende Menschen auf der Flucht. Im Landkreis ist die Hilfsbereitschaft groß.

Bernhard Panzer und Sven DörrErlnagen-HöchstadtViele Ukrainer fliehen nach dem russischen Überfall auf ihr Heimatland vor dem Krieg. Nicht nur die direkten Nachbarländer werden das Ziel vieler Flüchtlinge sein – sondern auch Deutschland, somit auch Mittelfranken und der Landkreis Erlangen-Höchstadt. Ist die Region dieser Herausforderung gewachsen? Wie steht es um die Vorbereitungen?

Hilfsbereitschaft ist riesig

Die Regierung Mittelfranken bereite sich aktuell auf die ankommenden Menschen vor, berichtet Pressesprecher Martin Hartnagel auf Nachfrage. Hierzu würden die Verantwortlichen Kapazitäten prüfen, um ukrainische Flüchtlinge zu registrieren und in den Erstaufnahmeeinrichtungen unterzubringen. Des Weiteren sei geplant, zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Aktuell bestehe zudem die Möglichkeit, Ukrainer in den bayerischen Zentren für Ankunft, Entscheidung und Rückführung (AnkER) aufzunehmen. Normalerweise landen dort Flüchtlinge anderer Herkunftsländer.

„Den Menschen, die nach Mittelfranken kommen, wollen wir helfen. Sie werden von der Regierung und der Bevölkerung bestmöglich aufgenommen und unterstützt werden“, betont Thomas Bauer, der Regierungspräsident des Verwaltungsbezirks.

Der Landkreis und seine Gemeinden seien ebenfalls bereit, Flüchtlinge aufzunehmen, sagt Landrat Alexander Tritthart (CSU). „Derzeit laufen intensive Vorbereitungen im Landratsamt, um Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis unterbringen zu können und Hilfsangebote aus der Bevölkerung zu koordinieren“, berichtet Pressesprecherin Stephanie Mack auf Nachfrage. Sie fügt hinzu, dass die Abstimmungsgespräche seit vergangenem Wochenende laufen.

Vor allem die Hilfsorganisationen, die Feuerwehren und das Technische Hilfswerk würden hierbei eine wichtige Rolle spielen. Mögliche Unterstützungsangebote zur Flüchtlingshilfe von Privatpersonen und Organisationen würden zudem aktuell geprüft, ergänzt Mack. Sie betont jedoch, dass es derzeit noch keine belastbaren Zahlen zu flüchtenden Ukrainern gebe.

Der stellvertretende Landrat Manfred Bachmayer (Grüne) stehe indes als Vorsitzender des Freundeskreises Tarnowskie Góry in Kontakt mit dem gleichnamigen polnischen Partnerlandkreis. Dort seien bereits erste Flüchtlinge angekommen.

Herzogenaurach ist vorbereitet

In Herzogenaurach, der größten Stadt des Landkreises, ist man vorbereitet. Um die 60 Menschen könnten in städtischen Verfügungswohnungen sofort untergebracht werde, sagt Bürgermeister German Hacker (SPD). Ein paar Unterkünfte seien zwar renovierungsbedürftig, aber beheizbar sowie mit Wasseranschluss und Kochgelegenheit ausgestattet. Also geeignet für eine schnelle Hilfe im Notfall.

Im Rathaus wurde am Montag eine Stelle geschaffen, die sich um das Thema kümmert. Die koordiniert gegebenenfalls Aufrufe an die Bevölkerung, falls auch privater Wohnraum benötigt würde. Selbstverständlich könnten in Herzogenaurach, so wie bereits 2015, auch Hallen zur Verfügung gestellt werden, sagt Hacker. „Da gibt’s keine Frage.“

Am Montag wurde auch an der Webseite der Stadt gearbeitet. Dort werden alle Möglichkeiten gebündelt, wo man spenden kann (siehe Infokasten). Momentan geht es eher um Geldspenden, denn die Verteilung von Sachspenden müsse koordiniert werden und sei bei den großen Hilfsorganisationen am besten aufgehoben, sagt Hacker.

Spendebereitschaft der Bürger

Das Stadtoberhaupt schätzt die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung als sehr hoch ein. Ihn persönlich hätten auch schon E-Mails von Bürgern erreicht, die mit Spenden helfen und auch Flüchtlinge aufnehmen möchten.

Aktiv geworden ist auch schon „Herzo packt an“, eine Initiative, die seit Jahren Sachspenden für Flüchtlinge sammelt. „Wir werden was machen“, sagt Thilo Schaufler. Kleidung werde zurzeit aber eher weniger benötigt, es gehe zunächst vor allem um Nahrung, Arznei und auch Decken.

Erlangen koordiniert die Vorbereitung

„Es geht aktuell darum, alle beteiligten Stellen – also das Sozial- und Jugendamt sowie Hilfsorganisationen – zu koordinieren“, berichtet Christofer Zwanzig, Pressesprecher der Stadt Erlangen. Vor allem die Hilfsangebote für geflohene Ukrainer müssten gut kanalisiert werden, um sinnvoll zu helfen, sobald die Menschen da seien, betont er. Die Stadt sei zudem aktuell damit beschäftigt, die Unterkünfte für mögliche Flüchtlinge vorzubereiten und in Schuss zu bringen.

Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) betont: „Erlangen steht bereit, Menschen aufzunehmen, die bei uns Schutz suchen.“

Wie kann ich helfen?

Die Stadt Herzogenaurach hat auf ihrer Website verschiedene Möglichkeiten gebündelt, über die man sich für die Ukraine engagieren kann.

„Herzo packt an“ verweist auf folgende Stellen: Wohnungsvermittlung (getragen von der Initiative Leave No One Behind) sowie eine deutschlandweite Spendenkampagne für Hilfstransporte nach Rumänien, Ungarn, Moldavien und Polen (Bündnis Ziviler Krisenstab)

Das BRK Erlangen-Höchstadt informiert, dass alle Hilfsaktionen über das Deutsche Rote Kreuz laufen. Spenden können an folgendes Konto überwiesen werden: IBAN DE63370205000005023307, BIC BFSWDE33XXX. Sachspenden werden derzeit noch nicht gesammelt.

Der Helferkreis „Adelsdorf hilft“  wird reaktiviert. Dazu findet am Donnerstag, 3. März, ein Infoabend statt. Zeit und Ort werden noch bekanntgegeben. Es gibt aber bereits ein Spendenkonto: IBANDE65763515600430152017, BIC BYLADEM1HOS. Bei jeder Überweisung ist folgendendes zu beachten: „Adelsdorf hilft“ und die komplette Adresse des Spenders sowie das Stichwort „Ukraine“  im Verwendungszweck angeben. 

Auch die Gemeinde Röttenbach will helfen und startet einen Aufruf.

Die VG Heßdorf sammelt Spenden.

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