Für 110 Höchstadter Abiturienten wird es am Mittwoch um 8 Uhr ernst: In der Aischtalhalle schreiben sie ihre erste Prüfung. Los geht es mit Deutsch.
315 Minuten lang analysieren die Schüler dann Versmaß und Reimschema, kramen im Hinterstübchen nach literarischen Epochen und müssen zeigen, was sie in den Jahren am Gymnasium gelernt haben.
Anna Hack ist eine von ihnen: „Die letzten Wochen vor dem Abitur waren heftig“, sagt die 18-Jährige. „Allen hat es in den Fingern gejuckt, wieder feiern zu gehen, als die Clubs öffnen durften. Aber alle, die feiern waren, haben sich angesteckt.“
22 Schüler bei Klausur krank
Die meisten Schüler hätten sich in der letzten Klausurenphase zur Disziplin gezwungen, seien zuhause geblieben und hätten Kontakte möglichst reduziert. Trotzdem fehlten bei einer Prüfung 22 Abiturienten wegen positiver Tests.
„Jetzt hat zum Glück gerade keiner Corona, es sollte beim Deutsch-Abi also alles gut gehen.“ Unfair behandelt fühlt sich die Schülerin nicht. Außer dass in der zwölften Klasse alle Fahrten ausfallen mussten, sei das Schuljahr recht normal verlaufen.
„Uns wurde gesagt, dass gerade 54 von 110 Leuten auf einem Einser-Schnitt stehen“, erzählt Hack. „Es scheint also, als wären wir vom Leistungsniveau sehr gut, trotz Corona.“
Worauf sich die Abiturientin nach dem Abschluss am meisten freut? „Aufs Feiern natürlich!“
Gute Stimmung am Gymnasium Höchstadt
Michael Hipp, Oberstufenkoordinator am Gymnasium Höchstadt, zeigt sich beeindruckt vom Jahrgang 2022: „Die Stimmung war gut, die Abiturienten alle sehr kooperativ und verständnisvoll.“ Er wisse, dass die größte Sorge der Abiturienten gewesen sei, durch einen falsch-positiven Test auszufallen.
Die Schulleitung habe stets versucht, möglichst viel Transparenz bei allen Entscheidungen zu schaffen und zu sagen, wenn ihr vom Kultusministerium die Hände gebunden waren. „Auch während des Distanzunterrichts in der elften Klasse haben wir alles gegeben, um die Schüler entsprechend auf das Abi vorzubereiten“, sagt Hipp. „Wir waren technisch top aufgestellt und haben so schnell wie möglich Großräume in der Schule für Präsenzunterricht in der Oberstufe organisiert.“
Viele Ausfälle im März
Eine intensive Phase sei der März gewesen. „Da hat Omikron zugeschlagen und wir hatten viele Krankheitsfälle“, sagt der Oberstufenkoordinator. „Zu diesem Zeitpunkt war aber schon kein Distanzunterricht mehr möglich. Das war sicher für die einzelnen Schüler sehr anstrengend, die dann alles nachholen mussten.“
Anabel Wächter, Herzogenauracher Abiturientin, ist am Dienstag schon etwas nervös. „Gerade bei Deutsch weiß man einfach nie, was für ein Text dran kommt“, sagt sie. Trotz Corona und Distanzunterricht in der elften Klasse fühle sie sich jedoch gut vorbereitet.
Warum so kurz vor den Abiturprüfungen die Maskenpflicht an den Schulen aufgehoben wurde, könne sie allerdings nicht verstehen. „Ich hätte mir gewünscht, dass das Kultusministerium da besser nachgedacht hätte“, sagt sie. „Bei uns in der Jahrgangsstufe haben zum Glück 99% freiwillig weiter die Maske getragen.
In Herzogenaurach alles beim Alten
Auch Hipps Kollege Matthias Engel, Oberstufenkoordinator am Gymnasium Herzogenaurach, ist guter Dinge: „Ich denke, dass die Schüler gut vorbereitet sind, weil wir seit September non-stop im Präsenzunterricht waren.“
Die Abiturienten in Herzogenaurach schreiben in diesem Jahr wieder in der Sporthalle. Hier gebe es gute Möglichkeiten zum Lüften und die Größe der Halle ermögliche große Abstände zwischen den Schülern.
Kontaktpersonen dürfen Abitur schreiben
So könnten auch Kontaktpersonen von positiv-getesteten Personen ohne Sorge an den Prüfungen teilnehmen. Lediglich wer selbst infiziert ist, muss nachschreiben, wie sonst bei einem Krankheitsfall auch, erklärt der Oberstufenkoordinator.
Das Kultusministerium habe außerdem vorausgedacht und den abiturrelevanten Stoff reduziert. Damit hätte ein erneuter Lockdown oder Distanzunterricht abgefangen werden sollen. Sowohl die Lehrkräfte als auch die Abiturienten seien dadurch entlastet worden.
Günstigerregelung sorgt für gute Noten
„Was die Schüler in meinen Augen notenmäßig aufbessert, ist das Semester 11/2“, sagt Engel. Im zweiten Halbjahr der elften Klasse habe man pro Fach auf eine schriftliche Klausur verzichtet und nur die mündlichen Noten zählen lassen. „Die mündlichen Noten sind in der Regel besser, da haben sich einige über einen sehr guten Schnitt freuen können“, ergänzt Engel.
„Für mich als Oberstufenkoordinator war es nicht viel schwieriger, als sonst alles zu organisieren.“ Schwierigkeiten hätten nur die oft kurzfristigen Änderungen des Kulturministeriums gemacht. „Ansonsten ist es business as usual, wir sind guter Dinge.“
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