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Teures Geschenk
Trauriges Ende für Klettergerüst in Kalchreuth
Klettergerüst Kalchreuth
Klettergerüst Kalchreuth // Andreas Wolfger
Signet des Fränkischen Tags von Andreas Wolfger
Kalchreuth – Vier Jahre nachdem die Gemeinde Kalchreuth ein ausgedientes Klettergerüst verschenkt hat, soll die neue Eigentümerin es wegen einer fehlenden Baugenehmigung abreißen. Dafür sucht sie nun Helfer.

Auf dem Klettergerüst im Garten von Beate Mohr liegt am Montagmittag Schnee. Es ist ruhig hier im Osten der Gemeinde Kalchreuth zwischen Pferdeweiden und den Gleisen der Bahnstrecke nach Gräfenberg. Bestenfalls hört man den Wind, der hier eisig durch die Luft peitscht. Die Stimmen fröhlicher Kinder, die auf dem Gerüst spielen, sind hingegen Fehlanzeige. Und werden so vermutlich auch nie wieder erklingen, denn am Ende der Woche soll das Gerüst weichen. Trotz der eisigen Temperaturen. So lautet ein Bescheid des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt.

"Wenn ich damals geahnt hätte, wie das endet, hätte ich dieses Geschenk niemals angenommen", erklärt Beate Mohr. Gemeint ist das Gerüst, welches sie vor etwa vier Jahren von der Gemeinde Kalchreuth erhielt. Zur Selbstabholung. Ursprünglich hatte es auf dem Schulhof der Grundschule gestanden, musste dort jedoch weichen. "Die wussten, dass ich bei mir Pflegekinder aufnehme, die aufgrund von traumatischen Erfahrungen vom Amt aus ihren Familien genommen werden müssen", berichtet sie. Dieses Engagement als Bereitschaftspflegemutter übe sie inzwischen bereits seit 26 Jahren aus. Sie sei eine der wenigen Anlaufstationen in der Region, die sich um misshandelte Kinder kümmern würden, bevor diese langfristig in Pflegefamilien untergebracht werden könnten

Pflegekinder oft schwer traumatisiert

Dankend habe sie das Angebot damals angenommen und beschlossen, mit viel körperlichem und finanziellem Aufwand ein Grundstück in einem Wäldchen am Rande der Gemeinde herzurichten, das sie von ihren Eltern geerbt habe. "Wenn die Kinder zu mir kommen, ist es oftmals nicht möglich, mit ihnen einfach auf einem öffentlichen Spielplatz zu spielen", berichtet sie. Zu schlimm sei das, was sie erlebt hätten. Entsprechend aggressiv oder eingeschüchtert würden sie Fremden begegnen. In dem Garten hätten sie hingegen entspannt spielen und Kraft tanken können.

Streit um Garten in Kalchreuth
Streit um Garten in Kalchreuth // Andreas Wolfger

Drei Jahre nach dem großzügigen Geschenk der Gemeinde erhielt Mohr jedoch die Aufforderung, das Gerüst abzureißen - ebenso wie einen Geräteschuppen auf dem Areal. Einzig ein kleines Häuschen, das eigentlich als Schutz bei schlechtem Wetter gedacht war, darf vorerst bleiben. Aus Kulanz. Denn weder für das Gerüst noch für die beiden Häuschen liegt eine Baugenehmigung vor. Außerdem liegt der Garten der Pflegemutter außerhalb der Gemeinde. Hier dürfen eigentlich nur privilegierte Bauvorhaben wie Mobilfunktürme oder Solaranlagen gebaut werden. Ein Refugium für traumatisierte Kinder ist hingegen nicht zulässig.

Fall sogar bei Extra3

Deshalb muss es bis Ende Januar verschwinden. Ansonsten, so habe man ihr angekündigt, würden sich Mitarbeiter des Bauhofs um die Sache kümmern und ihr die Entsorgung in Rechnung gestellt. Knapp ein Jahr hat Beate Mohr noch versucht, um ihr Gartenparadies zu kämpfen. Schrieb und flehte bei der Gemeinde, dem Landratsamt, wandte sich sogar an Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder. Örtliche und überregionale Medien berichteten. Sogar die NDR-Satiresendung Extra3 besuchte sie im Garten und drehte hier unter dem Motto "Realer Irrsinn" einen Einspieler.

Und auch der Zuspruch aus der Öffentlichkeit ist groß. "Mich haben schon mitten in der Nacht Leute angerufen, um mir zu helfen", berichtet die Pflegemutter. Und auch viele Kalchreuther stehen fest hinter ihr. All das hilft jedoch nichts. Einzig einen Aufschub um vier Wochen konnte sie erwirken, denn eigentlich hätten die Arbeiten bereits bis Ende des vergangenen Jahres abgeschlossen sein müssen.

Unterstützung kommt aus Adelsdorf

Beate Mohr ist unendlich traurig und enttäuscht. Von der großen Politik, die nichts bewegen konnte oder wollte - insbesondere aber von der Gemeinde. "Als man mir das Gerüst angeboten hat, wusste man ganz genau, wo ich das hinbauen würde", erklärt sie. Schließlich sei ihr heimischer Garten viel zu klein für ein derartiges Gerüst. "Dachten die, ich stelle mir das ins Wohnzimmer?" Fast habe sie inzwischen das Gefühl, man sei damals nur an sie herangetreten, um Entsorgungskosten der Gemeinde auf sie abzuwälzen.

"Insgeheim habe ich ja noch immer einen Funken Hoffnung, dass die Behörden sich noch umentscheiden", berichtet die Pflegemutter. Auch wenn sie wisse, dass die Chancen hierfür gering seien. Aus diesem Grund versuche sie mittlerweile Helfer für den Abriss zu organisieren. Unterstützung bekommt sie hierbei von Karsten Fischkal, Bürgermeister der Gemeinde Adelsdorf, und seinen Freien Wählern. Zusammen wollen sie sich am Samstag um 13 Uhr in Kalchreuth, Birkgartenstraße 15, treffen und von dort zu dem Garten ziehen, um tatkräftig zu helfen. Und das trotz der eisigen Temperaturen und des gefährlich rutschigen Weges zum Grundstück. Weitere tatkräftige Helfer seien selbstverständlich willkommen. Nicht gebraucht würde hingegen zusätzliches schweres Gerät.

"Ich bin dankbar für das Engagement von Herrn Fischkal und der vielen anderen, die zu mir halten", erklärt Beate Mohr. Dennoch schaudere es ihr bereits vor der Aktion, denn sobald die Bagger abrücken würden, sei ihr mühevoll errichtetes Refugium unwiederbringlich zerstört. Wann sie und ihre Pflegekinder den Ort wieder unbeschwert genießen könnten, wisse sie nicht.

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