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Gymnasium Höchstadt
Neuer Schulleiter: „Lehrerrolle wird sich ändern“
Alois Selder möchte das Höchstadter Gymnasium für die Zukunft fit machen.
Alois Selder möchte das Höchstadter Gymnasium für die Zukunft fit machen. // Andreas Dorsch
Höchstadt a. d. Aisch – Der neue Schulleiter Alois Selder will das Gymnasium Höchstadt in die Zukunft führen. Mit über 1300 Schülern und 130 Lehrern stößt die Schule jedoch an ihre Grenzen.

Schon als Alois Selder 2019 als stellvertretender Leiter an die Schule kam, war er vom Höchstadter Gymnasium begeistert. „Da habe ich gemerkt, dass ich die Schule mitgestalten möchte“, sagte er am Mittwochnachmittag, als er in festlichem Rahmen offiziell in sein neues Amt als Schulleiter eingeführt wurde. Dies mit etwas Verspätung, denn bereits im Februar hatte er die Nachfolge von Roland Deinzer angetreten.

Landrat Alexander Tritthart (links) und der neue Leiter des Höchstadter Gymnasiums, Alois Selder, werfen einen Blick auf die Grube für den Erweiterungsbau.
Landrat Alexander Tritthart (links) und der neue Leiter des Höchstadter Gymnasiums, Alois Selder, werfen einen Blick auf die Grube für den Erweiterungsbau. // Andreas Dorsch

Am Gymnasium ist Selder längst kein Unbekannter mehr. Im Mai hat er bereits am Spatenstich für den nächsten Erweiterungsbau der Schule teilgenommen. Ein Projekt, das sich der Sachaufwandsträger Landkreis 21,3 Millionen Euro kosten lässt. 8,4 Millionen Euro sollen heuer noch verbaut werden, „der Hauptposten für Bildung im Kreishaushalt dieses Jahres“, wie es Landrat Alexander Tritthart (CSU) formulierte.

Im kommenden Schuljahr werden über 1300 Schüler das Höchstadter Gymnasium besuchen. Der Landrat sieht in der Zahl eine Grenze, bis zu der „es noch handelbar ist“. Tritthart kündigte an, ein Gutachten in Auftrag zu geben, das die Zukunft der weiterführenden Schulen im Kreis beleuchten soll. So gibt es bereits Überlegungen, neben Höchstadt, Herzogenaurach, Spardorf und Eckental ein fünftes Gymnasium im Kreis zu bauen. Das Höchstadter mit seinem neuen Chef will der Landrat „in allen Aktivitäten unterstützen“.

Wunsch der Schule: Musischer Zweig

Dazu gehört auch der Wunsch der Schule nach Einführung eines musischen Zweiges. Tritthart erklärte, er müsse darüber noch einmal mit Martin Rohde, dem Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken, reden. Vom musikalischen Rahmenprogramm der Feier war nicht nur Rohde beeindruckt. Das Schulorchester intonierte unter der Leitung von Ariane Dammann-Ranger unter anderem Orffs „Carmina Burana“ und den Soundtrack des Films „Rudy“.

Der in Fürstenfeldbruck geborene 53-jährige Alois Selder, der von 1998 bis 2019 am E.T.A-Hoffmann Gymnasium in Bamberg Wirtschaft und Englisch unterrichtet hatte, hat für die nächsten Jahre die Zukunft des Höchstadter Gymnasiums im Blick.

Das Schulorchester unter der Leitung von Ariane Dammann-Ranger beeindruckte die Festgäste und warb einmal mehr für die Einführung eines musischen Zweiges an der Schule.
Das Schulorchester unter der Leitung von Ariane Dammann-Ranger beeindruckte die Festgäste und warb einmal mehr für die Einführung eines musischen Zweiges an der Schule. // Andreas Dorsch

Seine Ziele erläuterte er den Festgästen. So will er die Digitalisierung kreativ nutzen, wobei sich die Lehrerrolle „grundlegend ändern“ werde. Talente und Neigungen der Schüler sollen gestärkt, neue Bildungsräume und Lernlandschaften erschlossen werden.

Selder möchte eine „agile Schulkultur“ gestalten, in der sich die Lehrer professionell weiterentwickeln sollen. Demokratie und Gerechtigkeit sollen in der Schule gelebt und Zukunftskompetenzen vermittelt werden. „Reines Wissen“ sei dabei für ihn keine Kompetenz mehr.

Dass Selder in den ersten vier Jahren in Höchstadt schon einiges bewegt hat, attestierte Personalratsvorsitzender Andreas Süß. Der neue Chef werde die Schule entwickeln und inhaltlich voranbringen, „aber er wird kein bequemer Chef sein“, sagte Süß und fügte an: „Viele Lehrer werden ihre Komfortzone aufgeben müssen.“

Das Schulorchester unter der Leitung von Ariane Dammann-Ranger beeindruckte die Festgäste und warb einmal mehr für die Einführung eines musischen Zweiges an der Schule.
Das Schulorchester unter der Leitung von Ariane Dammann-Ranger beeindruckte die Festgäste und warb einmal mehr für die Einführung eines musischen Zweiges an der Schule. // Andreas Dorsch

Im kommenden Schuljahr erwartet Selder 130 Lehrer für die über 1300 Schüler. Größtes Problem ist für ihn dabei trotzdem der Personalmangel. Um alle Schüler optimal unterrichten zu können, fehlen ihm 23 Vollzeitstellen und auch einige Klassenräume. An die Adresse des Ministerialbeauftragten Rohde ging die Forderung, den „sehr anspruchsvollen Lehrerberuf“ attraktiver zu machen und Lehrer von Organisations- und Verwaltungsaufgaben zu entbinden.

Rohde berichtete, dass es immer weniger Lehrer gebe, die bereit wären, Schulleitungen und Verantwortung zu übernehmen. Manche Leitungsstellen müssten zweimal ausgeschrieben werden, da es an Bewerbern mangele. Der Ministerialbeauftragte erklärte, dass eine Schule heute nicht mehr so leicht zu leiten sei wie vor 20 Jahren. Nicht nur mit Eltern und Kollegen gebe es immer mehr Konflikte, der Schulleiter stehe heute zwischen allen Polen, zu denen auch Schüler und Sachaufwandsträger gehörten.

Konstruktive Zusammenarbeit

Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL) ist stolz auf die Entwicklung des Höchstadter Gymnasiums. Er erläuterte die Vernetzung der Landkreisschule mit den unterschiedlichsten städtischen Einrichtungen.

Der Bürgermeister bezeichnete den neuen Chef des Gymnasiums als „mehr als geeignet“. Mit ihm werde sich die „konstruktive und freundschaftliche Zusammenarbeit“ mit der Stadt fortsetzen. Mit einem Blick Richtung Ministerialbeauftragten lobte auch Brehm „die fantastischen musikalischen Beiträge“.

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