0
Zukunftstechnologie
Mit Künstlicher Intelligenz auf Verbrecherjagd
Wie helfen KI-Systeme der Polizei bei der Verbrecherjagd? Um diese Frage dreht sich eine der Stationen des Lernlabors „Künstliche Intelligenz aus der Kiste.“
Wie helfen KI-Systeme der Polizei bei der Verbrecherjagd? Um diese Frage dreht sich eine der Stationen des Lernlabors „Künstliche Intelligenz aus der Kiste.“ // Uwe Niklas
Erlangen – Zum Thema Künstliche Intelligenz kursieren viele Gerüchte, aber wenig fundiertes Wissen. Ob Roboter die Macht übernehmen werden, können Schüler im Landkreis mithilfe eines neuen Lernlabors erkunden.

Was ist eigentlich Künstliche Intelligenz? Was kann sie und was nicht? Und wird sie irgendwann anstatt des Menschen Entscheidungen treffen? Fragen wie diese tauchen in den Köpfen der Bürger auf, wenn es um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) geht. Um sie ranken sich Horrorgeschichten über selbstständige Roboter, die die Menschen zu ihren Sklaven machen.

„Szenarien wie diese sind unrealistisch und im Genre Science-Fiction gut aufgehoben. Wenn überhaupt, sind wir jedenfalls noch Jahrzehnte davon entfernt, dass Systeme sich verselbstständigen könnten“, sagt Marc Berges, Leiter der Professur Didaktik der Informatik an der FAU.

Ein Labor namens "KIKI"

Sein Team ist Teil der Gruppe von Wissenschaftlern, die auf Initiative des Schulmuseums Nürnberg das mobile Lernlabor „KIKI – Künstliche Intelligenz in der Kiste“ für weiterführende Schulen der Metropolregion Nürnberg entwickelt haben.

„Nicht der Computer ist intelligent, sondern der Mensch, der das System entworfen hat und steuert. Wer die Hintergründe dieser Technik versteht, verliert die Angst davor“, sagt Berges. Genau das sei eines der Ziele, die die Entwickler mit ihren transportablen Lernstationen für Jugendliche erreichen wollen.

Hintergrundwissen und Beispiele

Das Lernlabor besteht aus 25 Stationen, die die Grundlagen der KI erklären. Außerdem beschäftigen sich die Schüler mit den industriellen Umsetzungen und der Forschung zur Künstlichen Intelligenz. Jede Station steckt in einer großen Holzbox.

Wer die Box aufklappt, sieht vor sich eine Spielfläche und Fächer mit Spielmaterialien. Die Jugendlichen können sich Inhalte und Themen ohne weitere Unterstützung spielerisch erschließen. Wer von ihnen mehr wissen will, zieht die Infoschublade im unteren Teil der Box auf und erfährt Hintergründe zu den Fragestellungen.

Die Idee kam aus Nürnberg

Die Idee dieses „Unterrichts zum Anfassen“, hatte Mathias Rösch, Leiter des Schulmuseums Nürnberg. Für die Umsetzung gewann er das FAU-Team aus Wissenschaftlern des Informatik-Lehrstuhls Rechnerarchitektur und der Professur für Didaktik der Informatik.

Sie haben „KIKI – Künstliche Intelligenz in der Kiste“ zusammen mit Studierenden und Schülerinnen und Schülern entwickelt und verleihen es kostenfrei an Schulen und Bildungseinrichtungen, unter anderem im Landkreis Erlangen-Höchstadt.

Förderer des Projekts sind die Zukunftsstiftung der Stadtsparkasse Nürnberg, die Dr.-Hans-Riegel-Stiftung, die Joachim-Herz-Stiftung, die Siemens AG sowie der Universitätsbund der FAU und der FAU-Innovationsfonds „Lehre“.

Schüler auf Verbrecherjagd

Die 25 Boxen des neuen KI-Lernlabors werden jeweils auf Schulbänken befestigt. So reicht für das gesamte Lernlabor ein durchschnittliches Klassenzimmer. Für die Themenstationen greifen Schulmuseum und FAU auf ein Modell aus leicht transportierbaren, robusten Kasten-Modulen zurück.

Auf einer der Stationen gehen die Schüler zum Beispiel auf Verbrecherjagd. Es geht um die Frage, woher die Polizei in Großstädten eigentlich weiß, wie sie am besten die nächtlichen Routen für die Polizeistreifen einteilt. Wo wird sehr wahrscheinlich ein Verbrechen geschehen?

In den USA wird eine ausgefeilte KI bereits jetzt schon eingesetzt, um die Routenplanung der Polizei zu unterstützen.

Sie bestimmen die Polizeirouten

Die Schüler haben die Aufgabe, auf einem Plan der jeweiligen Stadt in den einzelnen Stadtvierteln weiße oder schwarze Chips abzulegen: für jedes Kriterium, das ein Verbrechen wahrscheinlicher macht, einen schwarzen Chip, für jeden Umstand, der eine Straftat weniger wahrscheinlich macht, einen weißen.

Die Kriterien sind umfangreich. Herrscht in einem Viertel viel Arbeitslosigkeit? Wie hoch sind die Mieten? Wie zahlreich die gemeldeten Verbrechen? Aus allen Mosaiksteinchen entwickelt der Algorithmus diejenigen Routen, die auf jeden Fall von einer Polizeistreife abgedeckt werden sollten.

KI kritisch hinterfragen

In vielerlei Hinsicht hilft ein solches Tool, Stadtbereiche in einer Weise zu erfassen, wie es für einen Menschen kaum zu leisten wäre. Aber Achtung: Mit welchen Kriterien die KI gefüttert wird und wie sie entscheidet, das bestimmt der Mensch.

Umso wichtiger ist es, Kriterien kritisch zu hinterfragen: Ist die Zahl der gemeldeten Verbrechen wirklich ein Faktor für eine höhere Kriminalität? Was, wenn in einem Viertel Verbrechen einfach nicht gemeldet werden, zum Beispiel, weil Gewalt in der Ehe toleriert wird und deswegen nicht als Verbrechen gilt?

Hier zeigen sich die Tücken von Künstlicher Intelligenz. „Mit unserem Lernlabor möchten wir das Wissen und die Entscheidungskompetenz über die zukunftsweisende Technologie der Künstlichen Intelligenz unter Schülerinnen und Schülern wie auch Studierenden stärken und damit dem geringen Kenntnisstand in der Bevölkerung etwas entgegenstellen“, sagt Mathias Rösch.

„Schüler sind die Entscheider von morgen“

Professurleiter Marc Berges war von Röschs Idee sofort begeistert. „Wir müssen zu diesem Thema Aufklärungsarbeit leisten. KI ist die Zukunftstechnologie, die in einigen Jahren den Alltag bestimmen wird. Und die Entscheider von morgen sitzen heute in den Schulklassen“, sagt Berges.

In den Mittel- und Realschulen ist die KI nicht Teil des Lehrplans, am Gymnasium wird sie nur in der Kollegstufe thematisiert. Das muss sich ändern, findet Berges. „KI bietet viele Chancen, aber jede Technologie kann missbraucht werden. Gerade deswegen ist die Aufklärung über Künstliche Intelligenz so wichtig.“

 

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!