An der Spitze. Da sehen sich international agierende Konzerne am liebsten. Auch Siemens. Vor allem dann, wenn man vor 3500 Aktionären derart sonnige Nachrichten übermitteln kann wie an diesem verregneten Februartag auf der Hauptversammlung. Nachdem der Konzern dort „starke Zahlen“ (Roland Busch, Siemens-CEO) für das erste Geschäftsquartal vorlegte und seine Prognose für das laufende Jahr erhöhte, stieg die Aktie am Vormittag um mehr als sechs Prozent. Damit überholte Siemens erneut SAP und landete auf Platz 1.
Siemens-Hauptversammlung: Aktuelle Geschäftszahlen und Ausblick
Die gute Laune drückt sich in Zahlen so aus (Q1/26 und in Klammern die Veränderung zu Q1/25):
- Auftragseingang: 21,3 Milliarden Euro (20 Milliarden Euro)
- Umsatzerlöse: 19,1 Milliarden Euro (18,3 Milliarden Euro)
- Gewinn nach Steuern: 2,2 Milliarden Euro (3,9 Milliarden Euro)
Beim letzten Punkt relativierte Finanzvorstand Ralf Thomas, dass der extrem hohe Gewinn im vergangenen Jahr hauptsächlich dem Erlös aus dem Verkauf von Innomotics (2,1 Milliarden Euro) zuzuschreiben sei.
Den größten Beitrag zum aktuellen Ergebnis lieferte laut Thomas erneut die boomende Sparte Smart Infrastructure, die um 18 Prozent auf 1,05 Milliarden zulegte. Sie profitiert unter anderem vom Aufbau von Rechenzentren.
Siemens-Chef Roland Busch: „Sehr gut positioniert“
„Siemens ist in seinen Wachstumsmärkten sehr gut positioniert“, betont Konzernchef Roland Busch während seiner Rede.
Insgesamt vier Wachstumsfelder hob er für die aktuelle Transformation zu einer sogenannten One-Tech-Company hervor: das Digitalgeschäft, die Stärkung weltweiter Wachstumsregionen sowie Wachstumsbranchen. Und vor allem die Künstliche Intelligenz. „Indem wir KI tief in Design, Entwicklung, Produkten und Betrieb integrieren, schaffen wir messbaren Mehrwert für unsere Kunden“, so Busch.
Was das für Forchheims und Erlangens größte Arbeitgeber heißt
Wer in der Region zwischen Erlangen und Forchheim über Siemens spricht, hat nicht nur die Entwicklungen in der Münchner Konzernzentrale im Kopf. Am bundesweit größten Standort in Erlangen arbeiten 21.000 Menschen, 5600 davon bei Siemens Healthineers. Der Medizintechnik-Konzern ist mit weiteren 4700 Beschäftigten auch der größte Arbeitgeber im Landkreis Forchheim. In den vergangenen Monaten wurde das Geflecht zwischen Siemens und seiner seit 2018 eigenständigen Healthineers-Sparte wieder heißt diskutiert.
Der Grund: Nach monatelangen Spekulationen hatte die Siemens AG im November 2025 verkündet, weitere 30 Prozent ihrer Anteile an Siemens Healthineers und damit auch die Mehrheit am Tochterunternehmen abgeben zu wollen. Dementsprechend gespannt schauen seither Arbeitnehmer, Aktionäre und Analysten darauf, wie es weitergeht.
Abspaltung von Siemens Healthineers: Gibt es einen Zeitplan?
Bislang halten sich die Chefetagen sowohl von Siemens als auch den Siemens Healthineers mit konkreten Aussagen zurück. Ein bisschen Licht ins Dunkel bringt der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG Jim Hagemann Snabe am Donnerstag. Bei der Strategie, Siemens Healthineers in den kommenden Monaten in die komplette Unabhängigkeit zu entlassen, stünden vor allem die One-Tech-Strategie und die Aktionäre im Fokus. „Für beide Unternehmen ist es besser, eigene strategische Wege zu gehen“, sagt Snabe.
Einen konkreten Zeitplan allerdings bleiben die Siemens-Chefs weiterhin schuldig. Laut CEO Roland Busch gebe es noch viele Punkte zu klären, bis man Vollzug melden könne. Steuerliche und finanzielle Fragen, Lizenzfragen. Und und und. Zudem behalte man die Aktienkurse der beiden schon lange eigenständig operierenden Unternehmen im Blick, bevor eine finale Entscheidung getroffen werde.
Aufsichtsratsvorsitzender Snabe sagt, dass es hierzu wahrscheinlich noch 2026 eine außerordentliche Hauptversammlung geben könnte. CEO Busch ergänzt: „Wir arbeiten intensiv an der Dekonsolidierung“. Vielleicht könne man bereits im Frühjahr Neues verkünden.
Wie Siemens Healthineers auf die Nachrichten aus München reagiert
Beim florierenden Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers kommt die Nachricht gut an. Ein Sprecher schreibt auf Nachfrage von fraenkischertag.de: „Grundsätzlich sehen wir die angekündigte Entkonsolidierung als konsequenten Schritt in die Richtung dessen, was mit dem Börsengang vor bald acht Jahren begonnen wurde.“
Umstürzende Änderungen erwartet er aber auch dann nicht. „Wir hatten auch bisher schon viel Freiheit, aber mit der avisierten Entkonsolidierung hätten wir die volle Handlungsfreiheit dann auch in der Finanzierung.“ Darüber hinaus sehe er keine direkten Auswirkungen auf die Prozesse oder die Organisationsstruktur.
Stößt Siemens auch die letzten Anteile von Siemens Energy ab?
Ähnlich sieht es bei Siemens Energy aus. Der Elektro- und Energietechnikhersteller spaltete sich im September 2020 von Siemens ab. Und nachdem der Energietechnikkonzern die große Krise im Jahr 2023 und die Bitte um Staatshilfe überwunden hatte, hält der Aufwärtsschwung für das Unternehmen mit weltweit fast 100.000 Mitarbeitenden an 90 Standorten (unter anderem in Forchheim) an. So ist Siemens Energy mit einem kräftigen Gewinnsprung ins neue Geschäftsjahr gestartet, im ersten Quartal (Oktober bis Januar) macht der Konzern 746 Millionen Euro Gewinn.
Siemens hält noch immer zehn Prozent an seiner ehemaligen Energie-Sparte. Ob er auch die „loswerden“ wolle, wird Siemens-Finanzchef Ralf Thomas am Donnerstag gefragt. Loswerden wolle man gar nichts, sagt er. „Alle unsere ehemaligen Unternehmen, die selbstständig an die Börse gegangen sind, begleiten wir weiter“, so Thomas. „Das hängt nicht an den Anteilen.“ Aber: Bestehende Lizenzverträge etc. seien allesamt auf Zeit geschlossen. Für die gebe es immer Optionen, sie zu verlängern. Oder eben nicht.



















