Die Wirtschaft in Deutschland klagt über immer schwierigere Bedingungen. Die Folgen von Inflation, steigenden Kosten, Zöllen und so weiter machen auch vor Franken nicht halt. So war 2025 das Jahr des großen Stellenabbaus in Erlangen-Höchstadt. Heimische Experten ordnen ein, wie sich diese Entwicklungen auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft in der Region niederschlagen.
Arbeitslosenquote trotz Stellenabbau kaum verändert
Bei den schlechten Nachrichten überrascht der Blick auf die Zahlen. Denn für Erlangen-Höchstadt scheint die Anzahl der Arbeitnehmer im Vergleich zum Vorjahr stabil. Fast 53.898 sozialversicherungspflichtige Personen waren nach den jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit aus dem Juni 2025 im Landkreis beschäftigt. Die Veränderung zum Vorjahr (53.886 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte) macht 0,0 Prozent aus.
Schaut man auf die Arbeitslosenzahlen, schneidet der Landkreis ebenfalls gut ab: Mit 2.454 Arbeitslosen im Jahr 2025 liegt die Arbeitslosenquote bei 3 Prozent, und ist damit nur 0,1 Prozent höher als im Vorjahr (2024: 2.308 Arbeitslose).
Und eigentlich nähert sich Erlangen-Höchstadt damit der Vollbeschäftigung an, sagt Thomas Dippold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Fürth. Bei einer Arbeitslosenquote von 2 Prozent sprechen Wirtschaftswissenschaftler von Vollbeschäftigung.
Arbeitslosenquote in Erlangen-Höchstadt nur halb so hoch wie bundesweit
Damit sind weitaus mehr Menschen in Erlangen-Höchstadt in Beschäftigung als im Bundesvergleich. Die Arbeitslosenquote in Deutschland liegt mehr als doppelt so hoch: Im Januar kletterte sie nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit mit 6,6 Prozent auf den höchsten Januar-Wert in zwölf Jahren.
Wie erklären sich hohe Beschäftigungszahlen trotz großem Stellenabbau bei Schaeffler (700 Stellen weniger), Adidas (500 Stellen weniger) und Puma (mindestens 150 Stellen weniger)? Zum einen ist davon auszugehen, dass natürlich nicht alle Menschen, die in Erlangen-Höchstadt arbeiten, auch dort wohnen und Arbeitslose nach ihrem Wohnort erfasst werden. Zum anderen könnten bei anderen Unternehmen Stellen entstanden sein. Zum dritten bilden die Zahlen der Arbeitsagentur zum Juni 2025 nur den Stand nach der ersten Jahreshälfte ab.
Schlechte Prognose trotz Vollbeschäftigung
Trotzdem sind die kaum veränderten Zahlen kein Grund zur Freude für Arbeitsmarktexperten. „Erstmal können wir nicht von guten Entwicklungen für den Arbeitsmarkt ausgehen“, sagt der Vorsitzende über die Erwartungen für die kommenden Jahre. Zwar sei die Arbeitslosenquote Stand jetzt noch niedrig. Aber, „der Trend ist einfach nicht gut“, macht Dippold deutlich. „Aber wir hatten drei Jahre davor noch eine Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent. Spätestens seit Corona geht es mit der Zahl der Arbeitslosen kontinuierlich in kleinen Schritten bergauf“, sagt der Arbeitsmarkt-Experte.
Erlangen-Höchstadt: Massenentlassungen und schwer vermittelbare Arbeitslose
2025 war das Jahr der Entlassungswellen bei den großen Firmen im Landkreis. Der Automobilzulieferer Schaeffler (700 Stellen) als auch die Sportartikelhersteller Adidas (500 Stellen) und Puma hatten in großem Stil abgebaut (150 Stellen).
„Wir hatten viele Hiobsbotschaften hinsichtlich Massenentlassungen. „Das trifft uns schon sehr stark“, sagt der Geschäftsführer der Arbeitsagentur. Hinzu komme außerdem: Bei den großen Firmen wegen hochqualifizierten Arbeitnehmer gegangen. „Die Stellen kommen auch nicht wieder“, ist er sich sicher.
Damit schwinde auch die Kaufkraft in der Region. Und dazu kommt noch, Hochqualifizierten mit mangelnden Deutschkenntnissen seien schwerer Vermittelbar.
Mittelfranken: 100.000 Arbeitsplätze hängen am Zulieferersektor
Anderswo blicken Experten ähnlich verhalten auf die Lage der Wirtschaft in der Region. „Die mittelfränkische Wirtschaft müht sich weiter“ titelt die Industrie- und Handwerkskammer Nürnberg für Mittelfranken ihre jüngste Pressemitteilung über die aktuelle Konjunktur. Zwar habe es der IHK-Konjunkturklimaindex erstmals nach fast zwei Jahren wieder über die 100-Punkte-Schwelle auf einen Wert von 102 Punkten geschafft. Die Situation der lokalen Unternehmen sei aber auch von Stellenabbau und Investitionsschwäche gekennzeichnet.
IHK-Präsident Dr. Armin Zitzmann spricht in diesem Zusammenhang von einer „hochproblematischen Gemengelage“ verschiedener Faktoren (schwache Nachfrage, hohe Personal- und Energiekosten, geopolitische Turbulenzen), die er als Bedrohung für Exportwirtschaft und Lieferketten beschreibt. Speziell für Mittelfranken sieht Zitzmann Arbeitsplätze im Zulieferersektor in Gefahr. „Die größte Herausforderung in Mittel- und Oberfranken ist das Thema Automobil. Wir haben hier 100.000 Arbeitsplätze im Zulieferersektor“ sagte der IHK-Präsident Ende Januar während des Kammergesprächs.
IHK-Mittelfranken warnt vor noch mehr Personalabbau
Die fetten Jahre sind vorbei. So ließe sich die Prognose für die regionale Wirtschaft zusammenfassen. Bei der Arbeitsagentur hofft der Geschäftsführer Dippold verhalten darauf, dass „Konjunkturprogramme der Regierung vielleicht ihre Wirkung entfalten könnten“.
Bei der IHK schaut man etwas düsterer in die Zukunft: „Vor allem der Blick auf die Investitions- und Beschäftigungspläne der Unternehmen für die nächsten Monate dämpft die Hoffnung“, schreibt die Kammer. „Der massive Personalabbau des vergangenen Jahres dürfte sich sogar noch zuspitzen.“















