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Größter Arbeitgeber der Region
Healthineers-CEO Montag: „Forchheim ist innovativer Kern“
Bernd Montag, CEO der Siemens Healthineers AG, spricht im Interview mit fraenkischertag.de über die Strategien der Zukunft und welche Rolle Forchheim dabei einnehmen soll.
Bernd Montag, CEO der Siemens Healthineers AG, spricht im Interview mit fraenkischertag.de über die Strategien der Zukunft und welche Rolle Forchheim dabei einnehmen soll. // Foto: Matthias Hoch
Forchheim – Medizintechnik wandelt sich und Siemens Healthineers mit ihr? Wohin der Konzern nun ohne Siemens steuert und was das für die Region um Forchheim heißt, erklärt CEO Bernd Montag im Exklusiv-Interview.

Der Trubel im Forchheimer Süden nimmt allmählich zu, genauer im Gewerbegebiet An der Lände, Hafenstraße 9. Während der Countdown für die feierliche Eröffnung des High Energy Photonics (HEP) Centers mit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken tickt, nimmt Siemens Healthineers CEO Bernd Montag 20 Minuten vor dem Besuch der Polit-Prominenz in einem Besprechungszimmer Platz. Interviewtermin mit fraenkischertag.de, Montag wirkt gelassen und unaufgeregt.

Der 1969 in München geborene Spitzenmanager ist seit 2015 Vorstandschef der Siemens Healthineers AG mit Sitz in Erlangen. Im Unternehmen ist er bereits seit 1995, davor schloss er sein Physik-Studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit seiner Promotion im Bereich Theoretische Vielteilchenphysik ab. 

Im exklusiven Interview mit fraenkischertag.de spricht der Spitzenmanager über die aktuellen Herausforderungen in der Medizintechnik, wieso der Standort Forchheim nicht aus dem Unternehmen wegzudenken sei und warum er trotzdem nicht an absolute Sicherheiten glaubt. 

Bernd Montag bei der Eröffnung des HEP-Centers in Forchheim, gemeinsam mit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken
Bernd Montag bei der Eröffnung des HEP-Centers in Forchheim, gemeinsam mit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken // Foto: Matthias Hoch

Siemens Healthineers: CEO Bernd Montag im Interview mit fraenkischertag.de

Herr Montag, die Zeiten für Medizintechnik made in Germany sind herausfordernd. Warum denken Sie, die Herausforderungen ohne den Mutterkonzern Siemens besser in den Griff zu bekommen?

Bernd Montag: Wir sind seit unserem Börsengang 2018 pro Jahr um sechs Prozent gewachsen. Wir bieten genau das, was acht Milliarden Menschen brauchen: Hilfe im Kampf gegen die wichtigsten Krankheiten der Welt. Daher sind unsere Wachstumschancen auch weiterhin sehr hoch. Sicherlich war es früher ohne all die Spannungen in der Weltpolitik leichter, ein globales Unternehmen zu führen. Aber ich denke, dass wir weiterhin auf der Erfolgsspur bleiben können.

Auch ohne die Mutter Siemens?

Wir sind seit sieben Jahren ein eigenständiges Unternehmen, befinden uns in der oberen Hälfte des DAX und sind Weltmarktführer. Normalerweise haben Unternehmen dieser Art keine Mutter mehr.

Auch Ihre Hauptkonkurrenten GE Healthcare und Philips machen Ihre Hausaufgaben. Wie lautet Ihre Strategie, weiterhin oben mitzuspielen?

Wir sind der eindeutige Marktführer, vor allem in den Geschäften, die wir speziell hier in Forchheim haben. Ich bin optimistisch, dass wir diesen Kurs fortsetzen. Seit 2018 haben wir sieben Prozentpunkte beim Marktanteil gewonnen. Das ist gut. Vor allem, weil wir weiterhin in Innovationen investieren wollen. Und das auch müssen.

Bernd Montag, CEO der Siemens Healthineers AG: „Immer eine Portion Paranoia als Antrieb nutzen"
Bernd Montag, CEO der Siemens Healthineers AG: „Immer eine Portion Paranoia als Antrieb nutzen" // Foto: Matthias Hoch

Stichwort Innovationen: KI und Robotik gelten als die Trends auf den eben zu Ende gegangenen internationalen Leitmessen MEDICA 2025 und COMPAMED 2025. Wie ist es um Ihren Innovationsmotor bestellt?

Wir geben pro Jahr etwa zwei Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Diese Ausgaben steigern wir jährlich, sodass wir unsere Anzahl an Patentierungen steigern konnten. In vielen Geschäftsfeldern sind wir nicht nur Markt-, sondern auch Innovationsführer. Beim Photon Counting CT haben wir zum Beispiel mindestens fünf Jahre Vorsprung vor den Mitbewerbern. Auch beim Thema Künstliche Intelligenz in der Medizin haben wir das stärkste Portfolio. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch immer eine Portion Paranoia als Antrieb nutzen.

Paranoia in welcher Richtung?

Paranoia in dem Sinne, dass wir uns immer wieder selbst hinterfragen. Das Wichtigste ist, was wir für Kunden und deren Patienten tun. Die Anzahl an Untersuchungen steigt weltweit an. Die Herausforderung ist, die Versorgungsqualität in einer Welt aufrechtzuerhalten, in der weniger Geld in die Gesundheitssysteme fließt und in der wir einen immer größeren Fachkräftemangel beim medizinischen Personal haben. Daher ist es enorm wichtig, KI so einzusetzen, dass die Untersuchungen viel stärker automatisiert werden und der Arzt von lästigen Routineaufgaben befreit wird.

Welche Rollen können und sollen Forchheim und Erlangen bei dieser Innovationsstrategie einnehmen?

Der Campus Medical Valley in der Region ist ein Ökosystem, bei dem wir dazu beitragen wollen, es Stück für Stück weiter aufzubauen. Wir haben in den Standort Forchheim seit 2019 allein 500 Millionen Euro investiert. Warum? Hier ist der innovative Kern des Unternehmens.

Und Forchheim soll das bleiben?

Und Forchheim soll das bleiben. Ich glaube, dass die räumliche Nähe von Entwicklung und Fertigung wichtig ist. Trotzdem ist es so, dass wir weltweit 74.000 Mitarbeiter haben. Von denen arbeiten nur 20 Prozent in Deutschland. Wir sind global aufgestellt. Aber wenn man nach dem Herzen sucht, würde man es wohl am ehesten hier finden.

Sie hatten während der Bilanz-Pressekonferenz neulich davon gesprochen, mit der Verlagerung von Wertschöpfung ins Ausland auf Herausforderungen wie beispielsweise die US-Zölle reagieren zu wollen. Was bedeutet das für das Herz in Franken?

Damit haben wir die Ultima Ratio beschrieben, wenn sich manche Themen weiter verschärfen würden. Dabei würde es nicht um eine Verlagerung gehen, sondern darum, zusätzliche Standorte in den entsprechenden Ländern wie den USA aufzubauen. Diese Rechnung ist aber komplex: Wenn wir an zu vielen Standorten das Gleiche machen würden, zerstörten wir auch viel Effizienz.

Weltmarktführerschaft in der Computertomografie heißt, im Jahr circa 4000 Systeme zu verkaufen. Das bedeutet für uns trotz aller Erfolge Kleinserienfertigung; die überall in der Welt aufzugleisen, wäre nicht sehr effizient. Deshalb müssen wir uns Einsparpotenziale genau anschauen. Aber solange die Zusammenarbeit mit den Kommunen vor Ort funktioniert und wir Zugang zu qualifiziertem Personal haben, wollen wir hier nichts infrage stellen.

Also gute Nachrichten für Forchheim? Immerhin ist hier nun Ihr neues High-Energy Photonics (HEP) Center eröffnet worden, schon im nächsten Jahr soll Ihre neue Fabrik zur Züchtung von Kristallen für die Halbleiterproduktion anlaufen. Können Sie klar sagen, welche Tätigkeiten hier langfristig sicher sind und bei welchen Tätigkeiten Sie davon ausgehen, dass sie eher ins Ausland gehen werden?

Ich hatte von relativ viel Sicherheit gesprochen. Absolute Sicherheit gibt es nach meiner Erfahrung nicht. Das maximale Risiko wäre also eine Verlangsamung des Aufbaus. Was man außerhalb des Unternehmens vielleicht gar nicht weiß und daher unterschätzt: Unser Unternehmen hat mehr Mitarbeiter in der Entwicklung als in der Fertigung. Viele unserer Leute übersetzen medizinische Fragestellungen in das, was Hightech heute machen kann. Letztendlich sind wir ein High-Medtech-Standort und eben nicht nur eine Fabrik, die man irgendwo in die Landschaft setzt.

Bernd Montag: „Solange die Zusammenarbeit mit den Kommunen vor Ort funktioniert und wir Zugang zu qualifiziertem Personal haben, wollen wir hier nichts infrage stellen"
Bernd Montag: „Solange die Zusammenarbeit mit den Kommunen vor Ort funktioniert und wir Zugang zu qualifiziertem Personal haben, wollen wir hier nichts infrage stellen" // Matthias Hoch

Wenn ein Krankenhaus heute bei Siemens Healthineers kauft – wie viel Franken steckt da noch im Gerät?

Eine gute Frage, wie misst man den Frankenanteil? (lacht) Aber 70 Prozent würde ich schon sagen. Wenn wir beispielsweise ein Produkt wie einen Computertomografen entwickeln, findet viel unserer Arbeit in Forchheim statt. Zugleich fertigen wir vor Ort, machen die Logistik, die Systemintegration und so weiter. 70 Prozent könnte da schon passen.

Das Siemens mag aus dem Namen also vielleicht einmal verschwinden: Forchheim aber wird bleiben?

Das ist auf jeden Fall sicherer. Über die Frage, ob wir den Namen Siemens für alle Zeiten behalten, werden wir in Ruhe überlegen, wenn es so weit ist.

Herr Montag, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

 

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