Es ist ein kleines Naturschauspiel: Bis zu 200 Kanadagänse tummeln sich zurzeit am Südufer des Dechsendorfer Weihers und machen Dinge, die Gänse eben so machen: Schnattern, fressen und auch ihre Notdurft. Und das nicht zu knapp. Die Stadt Erlangen hat mit Schildern klargestellt: „Das Füttern von Gänsen ist verboten.“ Kerstin Gruschwitz kennt die tierischen Besucher schon aus früheren Jahren. Sie ist seit 2014 Pächterin des Strandbades am Weiher. „Es waren aber weniger Tiere und sie haben sich damals eher am Strand aufgehalten und nicht auf der ganzen Wiese“, sagt die 61-jährige. Damals flogen die Tiere auch immer wieder weg. Außerdem war das große Gänsetreffen erst später im August der Fall und nicht schon Anfang des Monats.
Einnahmeausfälle durch Gänse
Mittlerweile haben die Tiere offenbar jede Scheu verloren: „Selbst wenn die Wiesen voller Menschen waren, gingen die Gänse einfach hindurch“, erklärt Gruschwitz. Zu den grün-schwarzen Würstchen, die nun die Wiese bedecken, kam Anfang der Woche noch ein Badeverbot wegen Blaualgen dazu. Ein Effekt, der durch den Klimawandel begünstigt wird.„Wir haben den dritten Tag in Folge geschlossen und dadurch verlieren wir wichtige Umsätze in der Ferienzeit.“ Sie nennt es die „absolute Katastrophe.“
Dem Bootsverleih „Leinen los“ etwas weiter nördlich am Weiher können weder Blaualgen noch Gänse viel anhaben: „Wir haben ein eingezäuntes Gelände, sodass die Gänse nicht herkommen“, sagt Geschäftsführer Thomas Mehl. Und auch trotz der Algenplage dürfen die Menschen weiter mit den Booten hinausfahren. Heute seien wieder Tretboote und Stand-up Paddels unterwegs gewesen. Man habe selbst Schilder aufgestellt, die auf Deutsch und Englisch auf das Badeverbot hinweisen.
Stadt Erlangen: Fütterverbot und Badeverbot
Doch wie geht die Stadt Erlangen mit den Plagen im Wasser und an Land um? „Die Flächen werden täglich, meist morgens von unseren Mitarbeitern gereinigt. Eine Intensivierung des Reinigungsintervalls ist leider nicht möglich“, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. Man arbeite weiter daran, die Besucherinnen und Besucher sowie die verschiedenen Anlieger des Dechsendorfer Weihers auf das bestehende Fütterungsverbot hinzuweisen und entsprechend zu sensibilisieren. „Leider haben wir in den letzten Wochen die Erfahrung gemacht, dass die Tiere vermehrt angefüttert werden und in diesem Zusammenhang auch aggressiv reagieren“, schreibt eine Pressevertreterin der Stadt Erlangen. Gruschwitz kann das so nicht bestätigen. Aber sie könne vom Café aus auch nicht die komplette Wiese überblicken.
Das Füttern sei zum einen für die Tiere selber schädlich, zum anderen führe dies darüber hinaus auch zu einer weiteren Verunreinigung der Gewässer. Das Wasser könne sich durch diese Art von unnatürlichen Ausscheidungen nicht mehr so gut selbst reinigen. Doch hat der zunehmende Kot - auch im Wasser - einen Effekt auf das Algenwachstum? Hier gebe es von Seiten der Stadt keine Erkenntnisse. Es bleibe nur der Hinweis, dass die Badegäste nichts an die Kanadagänse verfüttern. Wer dagegen verstößt, müsse allerdings auch nicht mit Bußgeldern rechnen. Also heißt es Abwarten, bis die Kanadagänse - die weltweit gesehen die häufigste Art sind - wieder weiter ziehen?
Jagd auf Gänse: Ein Mittel der Wahl?
„Es gab ein Jahr, da wurden ein oder zwei Gänse geschossen“, sagt Gruschwitz. Das sei vor drei, vier Jahren gewesen und habe die Gänse erstmal ferngehalten. Und sie ist überzeugt: Es müsse ein Jäger kommen und ein paar Tiere erlegen. Zu einem Zeitpunkt, wo keine Menschen vor Ort sind. Die Stadt Erlangen schreibt: „Eine Bejagung der Wasservögel ist im Naherholungsgebiet nicht möglich.“ Die Café-Pächterin will sich damit nicht abfinden und überlegt eine Petition zu starten, um die Vögel zu bejagen. „Ich glaube, da wird jeder Badegast unterschreiben.“
Egal ob die Gänsejagd eröffnet wird oder das Schießgewehr daheim bleibt - eine Plage hat sich dann doch frühzeitig erledigt: Die Stadt Erlangen teilt am Donnerstagnachmittag mit, dass das Badeverbot aufgehoben wird. Die Blaualgen-Lage hat sich entspannt. Jetzt müssen sich die Badegäste den Platz auf der Liegewiese nur noch mit den Gänsen teilen.
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