Wer im Hochsommer durch Erlangen läuft, wird sicherlich schon das ein oder andere Mal das Gefühl gehabt haben, man stünde in Flammen. Denn die Stadt heizt sich in den Sommermonaten regelrecht auf. Dass es in Städten meist deutlich wärmer ist, als beispielsweise auf dem Land, ist allgemein bekannt. In Erlangen geht das Ganze aber nochmal ins Extreme, da die Stadt zu den am dichtesten versiegelten Städten Deutschlands gehört.
Fast 52 Prozent der städtischen Flächen sind in Erlangen versiegelt, wie der kürzlich von der Deutschen Umwelthilfe durchgeführte Hitze-Check aufdeckte. In eben solch dicht bebauten und versiegelten Städten kann die heiße Luft schwerer entweichen und somit auch schwerer abkühlen. Abhilfe schaffen dann nur gelegentliche Regenschauer, sowie Bäume und weitere Grünpflanzen.
Nur dass Erlangen auch in seiner Begrünung nur mittelmäßig abschneiden würde. Mit einem Wert von drei Kubikmetern Grünpflanzen auf einem Quadratmeter Fläche liegt Erlangen im deutschlandweiten Vergleich zwar im Mittelfeld, könne aber die dichte Versiegelung keineswegs ausgleichen.
Problem ist lange bekannt
Das Ergebnis des Hitze-Checks ist jedenfalls belastend und wirft sicherlich auch ein negatives Licht auf die Stadt. Also wie soll fortlaufend am besten mit dem Thema Hitze in Erlangen umgegangen werden? Die Antwort der Stadtverwaltung lässt aufhorchen: „Der Hitze-Check der Umwelthilfe macht keinerlei Unterschied“, heißt es auf Nachfrage der Redaktion. Denn das Problem Hitze würde längst auf der Angriffsliste der Stadt stehen. „Es sind keine neuen Themen für die Stadt“, erklärt Stadtsprecher Christofer Zwanzig.
Das 2020 in Kraft getretene Klimaanpassungskonzept der Stadt würde bereits seinen Teil zur Hitzebekämpfung in Erlangen beitragen. In diesem wurden insgesamt zwölf Klimamaßnahmen festgesetzt. Zehn davon hätten einen deutlichen Bezug zur Hitzebekämpfung. Zusätzlich hatte der Erlanger Stadtrat im Mai 2023 dazu einen zusätzlichen Hitzeaktionsplan verabschiedet, in dem konkrete Maßnahmen zum kurz- und langzeitigen Hitzeschutz aufgelistet werden. Darunter unter anderem auch Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen im öffentlichen Raum.
So will Erlangen die Hitze bekämpfen
Eine der Hauptmaßnahmen des Erlanger Hitzeaktionsplans ist der Ausbau von schattigen Plätzen im Innenstadtgebiet. Außerhalb städtischer Gebäude sollen demnach mehr schattige Plätze und Sonnenunterstände errichtet werden. Auch im öffentlichen Raum soll mehr Schatten entstehen, unter anderem durch den Schutz des derzeitigen Baumbestands und durch das Pflanzen neuer Bäume.
Dazu will die Stadt auch weiter an der Menge ihrer Grünflächen schrauben. Dafür sollen unter anderem auch Hausdächer und Fassaden begrünt werden. Ebenso die Innenhöfe vieler Mehrfamilienhäuser. Zum Schutz der Bevölkerung während starker Hitzeperioden sollen zudem Wasserstationen im Stadtgebiet helfen.
Ganz Franken schneidet schlecht ab
Generell scheinen Frankens Städte ein Problem mit der Versiegelung und der Begrünung zu haben. Vier der Top 20 Städte sind in Ober- und Mittelfranken zu finden. Am dichtesten versiegelt in der Region sind neben Erlangen die Großstädte Nürnberg, Fürth und Bamberg. Mit einer Versiegelungsquote von rund 57 Prozent ist Nürnberg die zweit versiegeltste Stadt Deutschlands nach Ludwigshafen am Rhein.
Auch der Bund will nachhelfen
Auch auf Bundesebene bereiten die Ergebnisse des Hitze-Checks Sorgen. Mit einem Strategiepapier hatte Bauministerin Klara Geywitz den Kommunen Empfehlungen zur Hitzebekämpfung an die Hand gelegt. Dazu betonte sie gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur (dpa), dass Klimaanpassungsprojekte wie zum Beispiel Entsiegelungen künftig besser gefördert werden sollen.
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