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Natur spielt verrückt
Was der frühe Frühling für Erlangens Wald bedeutet
Seit zwanzig Jahren ist Reinhard Brem Förster im Walderlebniszentrum und beobachtet, wie sich der Wald durch den Klimawandel verändert.
Seit zwanzig Jahren ist Reinhard Brem Förster im Walderlebniszentrum und beobachtet, wie sich der Wald durch den Klimawandel verändert. // Adelheid Wagner
Erlangen-Höchstadt – Das Wochenende war warm und sonnig. Was bedeutet das für die Natur, wenn der Frühling jedes Jahr früher vor der Tür steht? Ein Förster vom Walderlebniszentrum Tennenlohe erklärt.

„Der Klimawandel schlägt voll durch“, sagt Reinhard Brem. Der Förster arbeitet seit etwa zwanzig Jahren im Walderlebniszentrum Tennenhohe. Den Bäumen im Forst geht es nicht gut. Ihre Kronen sind ein Indiz dafür. „Wenn man den Himmel sieht, dann ist das kein gutes Zeichen.“ Brem steht ganz nahe am Stamm einer Kiefer und schaut nach oben. Wäre der Baum gesund, würde man beim Blick nach oben nur dichtes Grün sehen.

Stattdessen ist die Krone dort oben in etwa 25 Meter Höhe ziemlich licht. Normalerweise macht die Baumkrone einer Kiefer circa ein Drittel der Höhe aus. Bei den meisten Kiefern im Walderlebniszentrum sind die Kronen viel kleiner als das. Dafür braucht es keinen Kronentest. Man sieht es mit bloßem Auge. 

Walderlebniszentrum Tennenlohe: Kiefern leiden

Schwierig wird es für die Kiefer auch, berichtet Brem, wenn der Frühling früher kommt und der Baum mit dem bisschen Nadeln eine immer längere, wärmere und trockenere Jahreshälfte bestreiten muss. Denn dann kann der Baum weniger Photosynthese betreiben und sich insgesamt schlechter mit wichtigen Nährstoffen versorgen. Bei geringerem Niederschlag und dem trockenen sandigen Boden des Forstes verlieren die Bäume an Stabilität. Normalerweise erfolgt das Einholzen im Winter. Mittlerweile wird aus Sicherheitsgründen auch rund ums Jahr gefällt. 

Sind die Kronen zu licht und haben zu wenig Nadeln, ist das ein Zeichen dafür, dass die Bäume nicht gesund sind.
Sind die Kronen zu licht und haben zu wenig Nadeln, ist das ein Zeichen dafür, dass die Bäume nicht gesund sind. // Adelheid Wagner

Frühling kommt immer früher

Ende Februar hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) den 14. milden Winter in Folge verkündet. Aus den gemessenen Daten für die Monate Dezember bis Februar lag die Temperatur in diesem Zeitraum im Schnitt bei 2,1 Grad und damit 1,9 Grad höher als der Wert für die Vergleichsperiode von 1961 bis 1990. Laut dem DWD war der Frühling des Jahres 2024 zudem der wärmste seit Messebeginn. „Der Klimawandel lässt sich nicht ausblenden“, kommentierte Uwe Kirsche, Sprecher DWD, die Erkenntnisse in einer Pressemitteilung. 

Auch dieses Jahr scheint der Frühling recht früh anzuklopfen, denn die Haselblüte blüht bereit seit dem 4. Februar. An diesem Blühbeginn bemisst der DWD den sogenannten phänologischen Vorfrühling (Phänologie betrachtet die periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen der Pflanzen). Für 2025 liegt dieser damit sechs Tage vor dem vieljährigen Mittel. „Das einzelne Jahr hängt von der Witterung ab“, erklärt Meteorologe Hanns-Ulrich Kümmerle vom DWD. „In der Entwicklung sieht man den Trend zu früher einsetzenden Vegetationsperioden seit den 1990er Jahren“, sagt Kümmerle.

Zum Fällen markiert: Viele Nadelbäume im Tennenloher Forst leiden unter Trockenheit und Hitze der Sommer.
Zum Fällen markiert: Viele Nadelbäume im Tennenloher Forst leiden unter Trockenheit und Hitze der Sommer. // Adelheid Wagner

Tennenloher Forst Erlangen: In zwanzig Jahren keine Fichten mehr

Auch im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst spürt man den Frühling schon. Die Vögel zwitschern und balzen schon. Insgesamt sei die Natur in den vergangenen Jahren etwa zwei Wochen früher dran als sonst, schätzt Brem. „Das ist relativ viel“, sagt der Förster. Das bringe so einiges durcheinander.

Vor allem Nadelbäume hätten die größten Probleme mit dem Klimawandel. In Monokulturen wie dem Fichtelgebirge oder Frankenwald führe dies dazu, dass „manche Flächen wahnsinnig schnell komplett verschwinden.“ Im Tennenloher Forst passiert es nicht ganz so schnell. „Hier ist es ein schleichender Tod“, sagt Brehm. „Pro Jahr verlieren wir drei bis fünf Prozent des Bestands. Wenn das so weitergeht, werden wir in zwanzig Jahren keine Altbäume mehr haben.“ 

In 20 Jahren ein Klima wie in Norditalien

Um der Entwicklung entgegenzuwirken, arbeitet man im Forst an der Verjüngung des Waldes: Zwischen den 80- bis 100-jährigen Kiefern entdeckt man im Wald jüngere Bäume, nämlich Eichen und Buchen, die den sich verändernden Bedingungen besser gewachsen sind. Der von Kiefern dominierte Steckerleswald soll auf Dauer also durch klimaresistenter Sorten ersetzt werden.

Heimische Bäume im Tennenloher Forst

Im Tennenloher Forst setzt man vor allem auf heimische Gewächse, wie Edelkastanien, Stiel- und Traubeneiche, Elsbeeren und Linden. Auch mit fremden Arten wird experimentiert. Laut Brem habe eine Untersuchung der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft eine Analogregion für die Klimaveränderungen ermittelt: In zehn bis zwanzig Jahren werde das Klima in Mittelfranken so ähnlich sein, wie es heute in Norditalien ist. Allerding ist bei der Einführung fremder Arten Vorsicht geboten. Eine Libanonzeder wäre hier beispielsweise möglich. „Aber wir wissen gar nicht, wie unser Ökosystem darauf reagieren würde“, sagt Brem. 

Förster Reinhard Brem mit seinem Hund Nico im Tennenloher Forst.
Förster Reinhard Brem mit seinem Hund Nico im Tennenloher Forst. // Adelheid Wagner

Früher Frühling: Ein Problem für Frösche

Auch für die Tierwelt bringt der frühe Frühling Veränderungen mit sich. Wenn Igel schon aktiv sind, kann es sein, dass sie nicht genügend Insekten finden, um sich zu ernähren, erklärt der Förster. Vor allem für Amphibien wäre es ein Problem, wenn es zu schnell warm würde, weil ihre Laichgewässer zu schnell austrocknen.

Wenn die Vögel früher als gewöhnlich mit dem Brüten beginnen, findet der Kuckuck nach seiner Rückkehr aus dem Süden keine Nester mehr, in die er seine Eier legen kann. Brem rechnet allerdings auch damit, dass manche Insekten wie Stechmücken aus dem Süden sich auch in den deutschen Regionen ansiedeln werden, wenn es immer wärmer wird. In Fürth gebe es zum Beispiel schon Tigermücken.

Insgesamt stellt der Förster fest: „Es ist nicht so, dass der Wald stirbt.“ Aber er werde sich in Zukunft deutlich von dem bekannten Bild vom Wald aus Nadelbäumen und Monokulturen unterscheiden. „Die Gestaltung für die Zukunft ist wichtig, um den Wald als Raum für Erholung und Nutzung zu erhalten.“

 

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