Infrastruktur
Neue Technik für Klärschlamm
In der neuen Maschinenhalle: Jörg Zenker vom Ingenieurbüro Biedermann aus Ansbach (Mitte) erklärt die Funktionsweise der Mikrogasturbine.
In der neuen Maschinenhalle: Jörg Zenker vom Ingenieurbüro Biedermann aus Ansbach (Mitte) erklärt die Funktionsweise der Mikrogasturbine.
Carolin Ordosch/Stadt Herzogenaurach
In diese beiden Silos mit einem Fassungsvermögen von je 50 Kubikmetern werden die Pellets mittels Vakuumsystem geblasen.
In diese beiden Silos mit einem Fassungsvermögen von je 50 Kubikmetern werden die Pellets mittels Vakuumsystem geblasen.
Carolin Ordosch/Stadt Herzogenaurach
Der getrocknete Klärschlamm kommt in Form von Pellets aus der Anlage.
Der getrocknete Klärschlamm kommt in Form von Pellets aus der Anlage.
Carolin Ordosch/Stadt Herzogenaurach
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Herzogenaurach – In Herzogenaurach wird zukunftsweisende Technik in die Kläranlage eingebaut. Was moderne Klärschlammtrocknung alles kann und wer profitiert.

Um Kostensteigerungen bei der Entsorgung von Klärschlamm zu begegnen, wurde die Kläranlage in Herzogenaurach mit neuer Technik ausgestattet. Nach knapp über einem Jahr Bauzeit nimmt die neue Klärschlammtrocknungsanlage mit Pelletierung ihren Betrieb auf.

In einer Kläranlage wird das Abwasser stufenweise von Verunreinigungen befreit. Übrig bleibt der sogenannte Klärschlamm. Diesen zu entsorgen kann mit erheblichem Kostenaufwand verbunden sein. Die strengen Auflagen zur Beseitigung von Klärschlamm, insbesondere von „Nassschlamm“, ziehen einen stetigen Preisanstieg nach sich.

Erster Bürgermeister Dr. German Hacker nimmt die Klärschlammtrocknungsanlage zusammen mit Vertretern des Stadtrats und Bauamtsleiterin Silke Stadter in Betrieb.
Erster Bürgermeister Dr. German Hacker nimmt die Klärschlammtrocknungsanlage zusammen mit Vertretern des Stadtrats und Bauamtsleiterin Silke Stadter in Betrieb.
Carolin Ordosch/Stadt Herzogenaurach

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hat die Stadtentwässerung Herzogenaurach (SEH) laut Pressemitteilung in eine Klärschlammtrocknungsanlage investiert und macht sich dadurch unabhängiger von dieser Entwicklung. Nach einer erfolgreich verlaufenen Testphase nahm die neue Anlage am Donnerstag ihren Betrieb auf.

Die Kläranlage in Herzogenaurach ist für eine Ausbaugröße von 65.000 sogenannten Einwohnergleichwerten ausgelegt. Im Stadtgebiet mit Anschlussgemeinden fallen jährlich etwa 2,3 Millionen Kubikmeter zu reinigendes Abwasser an. Daraus resultieren etwa 1800 Tonnen Klärschlamm pro Jahr.

Transport wird deutlich billiger

Bisher wurde dieser in nassem Zustand abtransportiert und durch thermische Verfahren entsorgt. Mit der neuen Trocknungsanlage wird dem Schlamm der Wassergehalt weitgehend entzogen und es entstehen Pellets, die dadurch etwa zwei Drittel weniger Masse aufweisen als der „Nassschlamm“. Aufgrund dieser Gewichtsreduktion lassen sich die Transportkosten um mindestens zwei Drittel und die Gesamtentsorgungskosten voraussichtlich um bis zu 75 bis 80 Prozent einsparen.

„Mit den Pellets eröffnen wir uns im Bereich der Entsorgung einen anderen Abnehmerkreis mit günstigeren Abnahmebedingungen, um weitere Kosten zu sparen. Zudem fallen zahlreiche Lkw-Transportfahrten weg“, fasst Bürgermeister German Hacker zusammen.

Bauphase in mehreren Abschnitten

Da der Bau der Anlage während des laufenden Betriebs der Kläranlage durchgeführt werden musste, war die Gesamtmaßnahme in einzelne Bauabschnitte aufgeteilt. Baubeginn war im Oktober 2021. Für die zur Klärschlammtrocknung erforderliche Mikrogasturbine wurde der Anschluss an das Gasnetz der Stadt hergestellt. Dies erfolgte mittels Spülbohrung auf einer Länge von circa 1300 Metern. In einem nächsten Schritt wurde eine eingeschossige Halle in Massivbauweise errichtet sowie an den Bestandsgebäuden und -anlagen verschiedene Umbaumaßnahmen vorgenommen.

Der Bau einer Halle für die technischen Komponenten und die dazugehörigen Tiefbaumaßnahmen fanden im Zeitraum von Mai bis September statt, so dass danach die Maschinentechnik für die Klärschlammtrocknung implementiert werden konnte. Die Gesamtkosten für alle Maßnahmen belaufen sich auf etwa 2,6 Millionen Euro.

Funktionsweise der Anlage

Der Klärschlammtrocknung geht eine Entwässerung des Schlamms voraus, was in der bestehenden Zentrifuge erfolgt. Ein Schubbodencontainer schiebt den entwässerten Schlamm zu einer Förderschnecke, die daraufhin einen sogenannten Rotationstrockner (Konvektionstrockner) beschickt. Auf das Jahr gesehen wird dieser zwischen 1800 Tonnen Schlamm bei rund 5900 Betriebsstunden trocknen.

Zwei Silos mit je 50 Kubikmeter Fassungsvermögen

Der Trockner wird mit einer Mikrogasturbine betrieben, deren Überschusswärme der bestehenden Heizanlage zugeführt wird und dadurch der Energieverbrauch für die Bestandsgebäude reduziert werden kann. Zusätzlich werden von der Turbine über einen Generator circa 65 kW elektrische Leistung zur Eigennutzung bereitgestellt, was den elektrischen Energiebezug reduziert.

Über eine weitere Förderschnecke wird der nun getrocknete Schlamm der Pelletieranlage zugeführt. Die Pellets werden mit einem Vakuumsystem in die Siloanlage, bestehend aus zwei Silos mit je 50 Kubikmetern Fassungsvermögen, geblasen. Die Siloanlage ist mit einem Förderzug (Elevator) ausgerüstet, mit denen die Pellets schnell und einfach auf die Sattelzüge verladen werden können. Die Abluftbehandlung der Trocknungsanlage erfolgt über zwei Biofilter.

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