Ein Stück Land, ein paar Helfer, mehrere Kisten voller unscheinbarer Zweige – und gut eine halbe Stunde später ist ein kleiner Wald gepflanzt. Schneller als gedacht haben die Mitarbeiter von Puma, Adidas, Schäffler und Herzo Werke am Donnerstag südlich von Höfen rund 225 Bäume und 45 Sträucher in die Erde gebuddelt.
Die Aufforstung ist Teil der Aktion „Herzo United“, an der sich die drei ansässigen Weltfirmen, Herzo Werke und die Kommunikationsagentur act3/actGreen beteiligen.
Die Förster Roman Platz und Heike Grumann leiten die Helfer dabei an und erklären ihnen genau, welcher Strauch wohin soll, wie viel Abstand zwischen den einzelnen Pflanzstellen bleiben muss und wie tief gegraben werden soll.
Ein Streifen voller Sträucher wie Berberitze und Hundsrose soll Früchte und Nisträume für Vögel und Insekten schaffen, darauf folgt ein Streifen niedrigerer Bäume, wie die Wildbirne, erst dann folgen die großen Waldbäume, allen voran die Stieleiche. Diese sei für unser Klima und den Standort am besten geeignet, erklärt Grumann. Das ganze Wäldchen ist auf Biodiversität ausgelegt.
Kein Effekt auf CO₂-Bilanz
Also ein Erfolg auf ganzer Linie? Nicht ganz. „Für die CO₂-Bilanz hilft das hier nicht weiter“, gibt Grumann offen zu. „Dafür wird ja an anderer Stelle gerodet.“ Um genau zu sein bei Hammerbach, wo ein Stück von derselben Größe für Sanierungsarbeiten an einem Kanal weichen muss, wie die Umweltbeauftragte Monika Preinl erklärt.
Auch wie viele von den neu verorteten Pflänzchen überleben werden, ist nicht klar. „Wir können nur hoffen, dass es nächstes Jahr nicht zu trocken wird – das erste Jahr ist das wichtigste“, sagt Grumann.
Denn bei einer jungen Pflanze reichen die Wurzeln noch nicht weit genug in den Boden, um an die tieferen Wasservorräte zu gelangen. „Wir müssen generell versuchen, so viele Baumarten wie möglich unterzubringen, weil keiner weiß, welche die Gewinner und die Verlierer des Klimawandels sein werden“, fährt Grumann fort.
Und um diesen zu bekämpfen, reicht ein reines Erhalten des Baumbestandes nun mal nicht aus. „Dafür hätten wir eigentlich alle mit dem Fahrrad herkommen müssen“, scherzt die Försterin. Dennoch sei es natürlich wichtig, nicht nur zu roden, sondern auch zu pflanzen.
1000 Bäume für Herzogenaurach
Während die Stadt und die Firmen einerseits bemüht sind, mit diesem Projekt den Klimaschutz zu fördern, hinkt ein anderes Projekt mit demselben Zweck seinen Zielen hinterher. Schon mit „1000 Bäume für Herzogenaurach“ hatte die Stadt 2017 versucht, mit mehr Bäumen dem Klimawandel entgegenzuwirken. Das Konzept: Vereine, Firmen oder Privatleute können einen Baum spenden, der an einem zugelassenen Standort gepflanzt wird.
Im Gegensatz zum Projekt der großen Herzogenauracher Firmen ging es hier jedoch nicht um Stecklinge und auch nicht um einen Wald, sondern um Bäume, die schon eine gewisse Größe erreicht haben. Zur Wahl stehen Obstbäume, Solitärbäume oder Straßenbäume – die günstigste Option ist für 150 Euro zu haben, die teuerste für 1200 Euro. Der Preis enthält die Vorbereitung der Pflanzgrube und die Pflanzung, die Kosten für den Baum sowie die Kosten für die fünfjährige Pflege.
Doch wie sieht es aus mit der Aktion? „Bisher wurden 165 Bäume gespendet“, sagt Preinl. Die Zahl 1000 sei allerdings rein plakativ gewesen. „Das ist nur ein Titel. Es ist nicht so einfach, 1000 Standorte zu finden und es ist illusorisch, in so einem Umfang Spenden zu akquirieren“, erklärt die Umweltbeauftragte.
Gerade beim Standort gebe es viel zu beachten: Es seien entsprechende Abstände zu den Nachbargrundstücken einzuhalten, es dürften sich keine Versorgungsleitungen unter dem Baum befinden, es dürfe kein Baurecht auf dem Standort sein.
Initiator: Nicht genug Bewusstsein für Klimaschutz
Johannes Kollinger, Mitglied der Agenda 21 und Mitinitiator der Aktion sieht das Problem aber nicht nur in der Bürokratie. „Wir sind knapp 25.000 Einwohner – wenn jeder dritte oder vierte einen Baum spenden würde, wären wir ruckzuck bei 1000 Bäumen“, meint er.
Das Problem liegt für ihn eher bei der fehlenden Werbung. In den ersten Jahren habe er selbst viel Werbung gemacht und dadurch viele Spenden akquiriert. Inzwischen habe das Interesse für die Aktion aber etwas nachgelassen.
Zusätzlich mangele es an Bewusstsein für das Thema. „Solange uns das mit dem Klima nicht direkt betrifft, ist es bei den Leuten noch nicht im Kopf“, gibt Kollinger zu bedenken. Auch der Preis sei für viele eine Hürde – 150 Euro für die günstigste Variante, das sei schon einiges. Dabei könne man so einen Baum auch verschenken, zum Beispiel zur Hochzeit oder zur Geburt.
„Wenn jeder ein bisschen über Klimaschutz und Natur und Umwelt nachdenkt, dann kann er sowas machen, statt was zu kaufen, was möglicherweise nicht gebraucht wird. Das wäre eine gute Sache für Umwelt und Klimaschutz.“ Trotz aller Widrigkeiten ist Kollinger sich aber sicher: „1000 ist nicht zu viel, man muss nur was machen und versuchen, die Bevölkerung mitzunehmen.“
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