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Baum mit eigener Geschichte
Linde fällt in Steppach Schneelast zum Opfer
Die große Linde in Steppachs Fröschgass fiel der Schneelast zum Opfer.
Die große Linde in Steppachs Fröschgass fiel der Schneelast zum Opfer. // Feuerwehr Steppach
Signet des Fränkischen Tags von Evi Seeger
Steppach – Der Baum hat das Ortsbild von Steppach geprägt, jetzt ist er dem Winter zum Opfer gefallen. Die 92-jährige Linde hat ihre eigene Geschichte: Was sie mit Hochzeitsglück und Trauer zu tun hat.

„Mein Freund der Baum ist tot. Er fiel im frühen Morgenrot.“ Mit diesem Lied sang sich die früh verstorbene Sängerin Alexandra 1968 in die Herzen ihrer Fans. Nun sind umgestürzte Bäume bei der aktuellen Wetterlage durchaus kein Einzelfall. Das machte in den vergangenen Tagen der Ticker auf der Homepage der Kreisfeuerwehr deutlich. Die Linde, die in Steppach der großen Schneelast zum Opfer fiel, hat jedoch eine besondere Geschichte.

Die sachliche Info lautet: Dienstag, 5.39 Uhr, Baum blockiert Straße“

Ihr Schicksal ereilte sie ebenfalls im „frühen Morgenrot“: „Dienstag, 5.39 Uhr, Baum blockiert Straße“, liest sich das ganz sachlich im Bericht der Feuerwehr. Am Eingang zur „Fröschgass“ stand die Linde im Hof eines Anwesens. Gepflanzt hatten sie einst Margarete und Georg Volland anlässlich ihrer Hochzeit im Mai 1931. Die junge Frau hatte die Linde aus ihrem „Heim“, also von zu Hause, mitgebracht. „Die pflanzten wir im Hof zur Erinnerung ein“, schrieb Georg Volland später in einem Gedicht.

Berührende Zeilen

Der Anlass für seine Zeilen war traurig: Volland, der nach 1945 Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Steppach war, verfasste sie zum Gedenken seiner im Jahr zuvor verstorbenen Frau. Berührende Zeilen, die von Vogelsang und Eheglück wie auch von schweren Tagen erzählen. Aber auch davon, dass die in jedem Frühling wieder grünende Linde ein Zeichen der Hoffnung war. Vollands Gedicht endet mit den Worten: Pflanzen, wachsen und blühen, alles hat seine Zeit. Doch am Ende steht immer Vergänglichkeit.

Mit der Linde aufgewachsen

„Mein alter Freund aus Kindertagen“ nennt die Sängerin Alexandra den Baum in ihrem Song. In diese Zeile könnte auch Gerda Reichenbacher einstimmen. Als eines der Volland-Kinder ist sie mit der Linde aufgewachsen. „Wir saßen auf der Bank unter der Linde, haben gespielt oder Hausaufgaben gemacht“, erinnert sie sich. Klar, dass sie das Schicksal der Linde jetzt traurig macht.

Tatsächlich aber hat der Baum bereits geschwächelt. Obwohl er im Frühjahr noch reich geblüht hat, wie sein Besitzer Jürgen Volland berichtet.

Gegen Ende des Sommers musste er feststellen, dass sich die Blätter rollen. Dennoch war er total überrascht, dass es jetzt so schnell ging. Volland findet, die Linde sei ein prägender Baum für den Ort gewesen. Direkt neben seinem Anwesen befindet sich auch der „Lindenbrunnen“, dem ebenfalls eine Linde zur Seite steht. Dieser Baum wurde 2014 als Ersatz für die alte geschädigte Dorflinde gepflanzt.

In 45 Minuten waren 92 Jahre zersägt 

Ja er habe Geräusche beim Frühstück gehört, zunächst aber an den Schneepflug gedacht, erzählt Volland. Als er den umgestürzten Baum sah, habe er Jörg Raber, Steppacher Kommandant und Kreisbrandinspektor, angerufen und um Hilfe gebeten.

Drei Feuerwehrkräfte und der Eigentümer schafften es in etwa 45 Minuten, den Baum zu zersägen und die Straße wieder frei zu machen. Eine große Hilfe sei dabei der Rückewagen des Nachbarn Jochen Bauer gewesen.

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