Auf den Tag genau vor 20 Jahren rollte der letzte Personenzug von Forchheim nach Hemhofen. Dann wurde die Hirtenbachtalbahn, wie die Nebenbahn genannt wurde, nicht mehr verwendet. Die offizielle Stilllegung mit Rückbau der Trasse fand später statt.
Frank Riegler, von Beruf Lokomotivbetriebsinspektor, war damals der Organisator dieser letzten Fahrt. Da er zuvor bereits die letzten Fahrten nach Höchstadt organisiert hatte, wurde er von der Lokpflegegruppe des Bahnsozialwerkes (BSW) Nürnberg, dessen Vorsitzender er war, auch diesmal federführend mit der Organisation betraut. Riegler erinnert sich, als am 24. August 2003 um 9.06 Uhr der letzte Personenzug nach Hemhofen vom Nürnberger Hauptbahnhof startete. Für den FT hat er das Ereignis zusammengefasst.
Die Mutter aller Dieselloks
Als Zuglok der vier Wagen wählte man die V 80002 aus. Von den Maschinen dieses Typs wurden nur zehn Stück von Krauss-Maffei und MaK im Jahre 1951 gebaut. Sie galt als Mutter aller dieselhydraulischen Lokomotiven. Bereits 1977/78 wurden die Lokomotiven von der damaligen Bundesbahn ausgemustert und ins Ausland verkauft. Bis auf die V 80002. Diese Lok wurde zu musealen Zwecken vom DB Museum aufbewahrt. Leider verbrannte sie im Oktober 2005 beim Lokschuppenbrand in Nürnberg.
Über Erlangen, Forchheim (dort wechselte die Lok ihre Fahrtrichtung), Hausen, Heroldsbach und Poppendorf gelangte man nach Hemhofen. Dort hatten die Fahrgäste bei einer Pause Zeit zum Fotografieren. Anschließend ging’s zunächst zurück nach Forchheim. Weitere Stationen waren Strullendorf, Schlüsselfeld und wieder Bamberg, wo ein vierstündiger Aufenthalt zum Besuch der Sandkerwa anstand. Endstation war dann wieder Nürnberg.
2010 erfolgte der Rückbau
Während die Nebenbahn von Strullendorf nach Schlüsselfeld heute noch befahren wird, lag die Hirtenbachtalbahn – so wurde das letzte Teilstück von Forchheim nach Hemhofen genannt – bereits voll in den Stilllegungsbemühungen der DB Netz. Zu diesem Zeitpunkt bemühte sich die Deutsche Regionaleisenbahn noch, den an der Trasse ansässigen Kommunen die Wiederinbetriebnahme des Personenverkehrs schmackhaft zu machen. Doch die Kommunen zogen eine endgültige Verlagerung des Verkehrs auf Omnibusse vor. So wurde die Trasse am 1. April 2005 endgültig stillgelegt.
In der Folge eröffnete das Eisenbahn-Bundesamt das Verfahren zur Entwidmung im Jahr 2007. Diese endete im Februar 2008 mit dem Vollzug. 2010 rückte dann der Abbautrupp der DB Netz an, um die komplette Strecke von Höchstadt bis Forchheim zurückzubauen, damit die Grundstücke verkauft werden konnten. Bereits seit 1995 war der Teilabschnitt Hemhofen-Höchstadt stillgelegt.
Drei Wochen vor der letzten Fahrt der Hirtenbachtalbahn wurden die Organisatoren von der BSW-Gruppe informiert, dass die DB Netz aufgrund der zu erwartenden Stilllegung der Strecke seit längerem keinen Gewächsrückschnitt mehr durchgeführt habe. Dies war für die Durchführung einer Zugfahrt aber zwingend notwendig. Um diese nicht zu gefährden, entschloss man sich, den Gewächsrückschnitt selbst durchzuführen. Hierzu waren auch die technischen Möglichkeiten und das Personal vorhanden.
Ein Baum auf der Strecke
So rückte die Gruppe am 20. August 2003, versehen mit Werkzeug und der Rangierlok 360150, in Nürnberg aus, um die Strecke entsprechend zu bearbeiten. In Forchheim stiegen dann Kollegen von der befreundeten Dampfbahn Fränkische Schweiz (DFS) hinzu, um behilflich zu sein. Frank Riegler berichtet: „Solche Aktionen sprechen sich unter Eisenbahnfreunden herum und man half sich immer gern gegenseitig“.
Als die Nebenbahn befahren wurde, war schnell ersichtlich, dass man jede Menge Arbeit vor sich hatte und dass der Tag dafür wohl draufgehen würde. Zudem stellte man auch fest, dass die Blinklichtanlagen an manchen Bahnübergängen nicht mehr funktionierten. Das eigentliche Highlight sollte aber noch folgen. In einem bewaldeten Abschnitt vor Poppendorf lag ein Baum auf den Schienen. Es bedurfte großer Anstrengung, diesen zu entfernen, aber schließlich wurde auch dieses bewältigt.
Bis zum Endpunkt Hemhofen war es nun nicht mehr weit und der Rest der Arbeiten wurde auch noch erledigt. So traf die Mannschaft mit der Lok dann gegen 13 Uhr in Hemhofen ein. Dort erwartete die Frau des Vorsitzenden, Andrea Riegler, die Männer mit einer zünftigen Brotzeit. Aus reiner Neugierde wurden dann auch nochmal die Anschlüsse zu den Firmen Wiegel und der Spedition Pohl in Hemhofen befahren. Nach getaner Arbeit reiste die Delegation samt Lok wieder zurück nach Nürnberg. So waren die Vorarbeiten erfolgreich erledigt, die eigentliche Sonderfahrt konnte am 24. August 2003 dann stattfinden.
Es bleibt die Erinnerung Heute ist von der Streckenführung fast nichts mehr sichtbar. Größtenteils sind die Grundstücke der ehemaligen Eisenbahnstrecke auch verkauft worden.
Somit endet an dieser Stelle die Existenz der Nebenbahn Forchheim-Hemhofen-(Höchstadt) und der damit verbundenen Geschichte der Eisenbahn im Hirtenbach- und im Aischtal für immer. Es bleibt nur die Erinnerung.
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