In der heutigen Zeit sind Autobahnen die Hauptverkehrsadern sowohl für den Güter- als auch den Individualverkehr. Vor 60 Jahren erfolgte bei Schlüsselfeld mit der Übergabe der Fahrspuren der Lückenschluss der A 3 von Nürnberg nach Würzburg.
Autobahn A3 bei Schlüsselfeld wird 60 Jahre
Die Autobahn zwischen Frankfurt und Nürnberg entstand innerhalb von neun Jahren, bei angesetzten achteinhalb Monaten Bauzeit pro Jahr. Am 26. November 1964 konnte der Autobahnabschnitt zwischen der Anschlussstelle Schlüsselfeld und der Anschlussstelle Würzburg-Ost sowie der Zubringer Höchstadt-Bamberg, die B 505 mit 20,5 Kilometern Länge seiner Bestimmung übergeben werden.
Von der A 3 Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-Passau war ein Teilstück vom Autobahnkreuz Nürnberg bis zur Anschlussstelle Tennenlohe bereits am 1. Oktober 1941 für den Verkehr freigegeben. Die Strecke mit einer Länge von 18,4 Kilometer war einbahnig angelegt. Nach dem zweibahnigen Ausbau erfolgte die Freigabe der Strecke für den Verkehr am 10. Dezember 1959.
Aber erst in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Kriegsende konnte das Autobahnnetz in der Bundesrepublik flächendeckend geschlossen werden. Der Weiterbau und damit der Lückenschluss zwischen Frankfurt und Nürnberg war schon geplant. Er sollte die B 8 entlasten und damit zur Verkehrslenkung sowie zur verkehrsmäßigen Erschließung Frankens beitragen.
Zubringer aus Bamberg, Bayreuth und Schweinfurt
Dazu waren auch die Zubringer aus Bamberg, Bayreuth und Schweinfurt von erheblicher Bedeutung. Besser erschlossen werden sollten dadurch auch die Erholungsgebiete in Steigerwald, Spessart und Frankenwald. Mit einem Teilstück von Frankfurt nach Offenbach wurde im Mai 1955 von Norden der Bau vorangetrieben.
In Bayern fiel am 18. Juli 1957 die Entscheidung für die Trasse Dettelbach-Schlüsselfeld-Höchstadt/Aisch-Tennenlohe (Nordlinie). Die Strecke von Frankfurt bis zum Nürnberger Kreuz betrug daher 232 Kilometer. Um den Bau der Autobahn vor Ort zu koordinieren, wurde die Außenstelle Höchstadt eingerichtet. Die Bauleitung für die Planungsstelle nahm dort am 15. Juli 1959 in einem eigenen Gebäude ihren Betrieb auf.
Strecke zwischen Stockstadt und Erlangen-Frauenaurach
Die Strecke zwischen Stockstadt und Erlangen-Frauenaurach war in 15 Lose, heißt Abschnitte eingeteilt, die dann von unterschiedlichen Firmen ausgeführt wurden. Für den Autobahnbau wurden zuerst die Brückenbauwerke erstellt. Dann folgte der Erdbau, die Trasse wurde planiert sowie die Entwässerung in der Mitte der Fahrbahn und am Rand verlegt.
Für die weiteren Arbeiten wurden Deckenbaubahnhöfe in Frauenaurach, jetzt der Standort von Caterpillar, in Gremsdorf an der Autobahnausfahrt, jetzt Gewerbegebiet, und in Schlüsselfeld eingerichtet. Am Deckenbaubahnhof gab es einen Privatgleisanschluss, unterschiedliche Umschlagsanlagen und Vorratslager, einen Mischplatz, Labore zur Bestimmung des Materials, Förderbänder, sonstigen Baustellenbedarf und die Unterkünfte für die Arbeiter.
Material aus dem Staffelsteiner Kieswerk
Ab dem 2. Juni 1961 erreichten täglich vier Kies- und Sandvollzüge der Bahn von Staffelstein aus mit elektrischen Lokomotiven den Forchheimer Bahnhof. Die 4000 Tonnen schweren Ganzzüge wurden in drei Teile aufgesplittet und die Wagen mit Dampf- oder Diesellokomotiven nach Gremsdorf weiterbefördert. Insgesamt erreichten rund 1,33 Millionen Tonnen Material auf diese Weise Gremsdorf.
Nach Schlüsselfeld wurden die Züge über Strullendorf, nach Wiesentheid über Haßfurt und Schweinfurt geleitet. Von den Deckenbahnbauhöfen wurde das Material von kleineren Schmalspurbahndampfzügen zu den Baustellen befördert.
Diesen Part hatte vor allem die Firma Schöttle & Schuster AG aus Köln übernommen, die Erfahrungen im Kohletagebau hatte. In Schlüsselfeld war die letzte Baustelle mit dem Einsatz von Lokomotiven. Der Streckenabschnitt der Autobahn von Tennenlohe bis Geiselwind mit 66 Kilometer Länge wurde von der Arbeitsgemeinschaft Autobahndeckenlose erstellt.
Viele Arbeiter aus dem Steigerwald
Auf die vorbereitete Trasse wurde eine rund 60 Zentimeter dicke Schicht Frostschutz aus Kies aufgebracht. Auf dieser Grundlage konnten die Randstreifen mit 75 Zentimeter Breite angelegt werden, darauf lief dann der „Fertiger“, mit dem die Asphaltschichten für die 7,5 Meter breite Fahrbahn aufgebracht wurden. Aus dem Steigerwald kamen jeden Tag Arbeiter mit dem Bus zur Baustelle. Rund 50 Einheimische aus der Region kamen zum Einsatz, Arbeiter aus anderen Teilen der Republik blieben hier hängen und heirateten. Auch italienische Gastarbeiter waren bei der Autobahnbaustelle beschäftigt, sie wohnten in Baracken am Rande der Baustelle.
Der Abschluss der Arbeiten 1964 wurde groß gefeiert, die Arbeiter schmückten den letzten Zug. Die Reichmannsdorfer Blaskapelle spielte auf. Es gab ein Fußballturnier unter den Arbeitern.
A3 sechsspurig ausgebaut
Das Verkehrsaufkommen hat die ursprünglichen Planungen weit übertroffen. Inzwischen ist der sechsspurige Ausbau der stark befahrenen Route im Bau. Bereits 2014 wurde eine Fahrtrichtung der Brücke über den Kanal bei Frauenaurach erneuert, 2015 wurde die Brücke in Fahrtrichtung Norden in Angriff genommen. Die Stahlbrücke wurde vor Ort zusammengeschweißt und am 20. August 2015 unter anderem mithilfe eines Lastschiffes in seine Position gebracht. Nach dem Abschluss der Arbeiten konnte das Autobahnkreuz Fürth-Erlangen am 31. August 2021 für den Verkehr freigegeben werden.
Der Umbau hatte 53 Monate in Anspruch genommen. Die Kosten betrugen 227 Millionen Euro.
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