Kaum ein Thema ist in Erlangen so umstritten, wie die Stadt-Umland-Bahn (StUB), über die seit Jahren diskutiert wird. In seiner Haushaltsrede hat der Erlanger Oberbürgermeister Florian Janik dem Stadtrat eine Beschlussvorlage präsentiert, laut der nun die Bürger über die StUB abstimmen sollen.
„Jetzt, wo alle relevanten Fakten auf dem Tisch liegen, ist auch der richtige Zeitpunkt gekommen, um die Bürger*innen noch einmal über das Projekt abstimmen zu lassen“, schreibt Janik in einem Facebook-Beitrag. Bereits 2016 hatten bei einem ersten Bürgerentscheid rund 60 Prozent der Wähler für die Schienenverbindung zwischen Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach gestimmt.
Stadt-Umland-Bahn: Massive Kosten für Stadt
Entscheiden muss darüber jetzt der Stadtrat in der Sitzung am 29. Februar. Für Janik ist klar, dass Erlangen die StUB trotz hoher Kosten braucht. „Die Region ist ein dicht besiedelter, hochattraktiver Ballungsraum. Um Studierende und Arbeitnehmer schnell, bequem, zuverlässig und nachhaltig von A nach B bringen, braucht es neben der bestehenden S-Bahn die Stadt-Umland-Bahn als eine zweite, leistungsfähige Nahverkehrsachse“, schreibt er auf Facebook weiter.
Mit dem Bau der StUB käme auf Erlangen trotz hoher Fördergelder eine gewaltige finanzielle Belastung zu. Demnach habe sich der Eigenanteil der Stadt durch die Inflation auf stolze 82 Millionen Euro erhöht. „Demgegenüber steht die einmalige Chance, fast eine halbe Milliarde Fördermittel in die Zukunft unserer Stadt und unserer Region zu lenken. Fördermittel, die der Bund für zukunftsweisende Nahverkehrsprojekte bereitstellt und die sonst in andere Regionen fließen", gab der Bürgermeister in seiner Haushaltsrede zu bedenken.
StUB soll Erlangen, Nürnberg und Herzogenaurach verbinden
26 Kilometer soll die Strecke der StUB umfassen und mit 31 Haltestellen Erlangen, Nürnberg, Herzogenaurach und die Bereiche östlich von Erlangen verbinden. So soll der östliche Abschnitt der Strecke bis nach Eckental reichen und dort einen Anschluss an die Gräfenbergbahn bieten.
„Menschen, Universitäten, Spitzenforschungseinrichtungen und Unternehmen sind über die Stadtgrenzen hinaus miteinander vernetzt. Nirgendwo anders sieht man die Kraft der Region stärker als in Erlangen und Herzogenaurach“, sagte Janik in seiner Haushaltsrede. Das heiße aber auch, dass Studierende und Arbeitnehmer schnellstmöglich von A nach B kommen müssten.
Von der Station „Am Wegfeld“ in Nürnberg soll die Bahn beispielsweise 25 Minuten bis zum Erlanger Hauptbahnhof brauchen. Die StUB soll so zwar Städte, Unternehmens- und Universitätsstandorte verknüpfen. Doch gibt es bei der Planung auch einige Probleme.
Kritik an Lösung für Arcaden-Vorplatz
So ist zum Beispiel die Gestaltung des Platzes vor den Erlanger Arcaden umstritten. Wird die StUB nach den aktuellen Planungen gebaut, sollen Autos aus diesem Bereich verschwinden - nur für Busse, Bahnen und Lieferwägen wäre die Durchfahrt dann noch erlaubt. Dadurch fällt zwar eine Ost-West-Verbindung durch die Stadt weg, doch Janik spricht sich für diese Lösung aus: „Dort werden wir eine Mobilitätsdrehscheibe schaffen und einen Platz gewinnen, der zu einer neuen Visitenkarte für die Erlanger Innenstadt wird.“
Auch die Entlastung der Innenstadt und der Hauptverkehrsadern spricht laut Janik deutlich für die StUB. „Es geht darum, ob wir dem Stau, dem Verkehrslärm und Abgasen ein sauberes, leises und klimafreundliches Verkehrsmittel entgegensetzen möchten – perfekt abgestimmt auf ein ergänzendes Busnetz, auf den Radverkehr und auf den Autoverkehr. Es geht darum, ob wir unsere Innenstadt noch lebenswerter machen wollen“, argumentierte der OB in der Haushaltsrede. Der von Janik geforderte Bürgerentscheid soll im Zuge der Europawahl am 9. Juni stattfinden.
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