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E-Scooter
Ein Beitrag zur Verkehrswende oder doch nur ein Ärgernis?
E-Scooter blockiert Gehweg.
E-Scooter blockiert Gehweg. // Anna-Lena Reif
Erlangen – In Erlangen gibt es aktuell fast 1000 E-Scooter, die von verschiedenen Verleihern angeboten werden. Oft werden sie jedoch von Betrunkenen genutzt oder rücksichtslos abgestellt.

Knapp fünf Jahre ist es her, dass E-Roller auf deutschen Straßen als Verkehrsmittel zugelassen wurden. Inzwischen gehören sie in zahlreichen deutschen Städten zum Alltag – und finden sich auch immer wieder im Polizeiberichten wieder. Etwa in dem der Polizei Erlangen Stadt. Es scheint mitunter so, als würden die Dinger primär zu Scherereien führen.

Betrunken auf dem E-Scooter

„In den frühen Morgenstunden des 24.03.2024 konnte durch eine Streife der Polizeiinspektion Erlangen-Stadt in der Erlanger Innenstadt der Fahrer eines E-Scooters festgestellt werden, der äußerst unsicher auf seinem Fahrzeug stand“, schreiben die Erlanger Beamten etwa vor wenigen Wochen. In einem anderen Bericht heißt es: „In den frühen Morgenstunden zog ein E-Scooter-Fahrer die Aufmerksamkeit einer Streifenbesatzung auf sich, nachdem er über die gesamte Fahrbahnbreite ,Schlangenlinien‘ fuhr.“ Und auch die Polizeiinspektionen Erlangen Land, Herzogenaurach und Höchstadt berichten regelmäßig über Zwischenfälle oder Kontrollen von den Trendgefährten.

„Tatsächlich gehören E-Scooter inzwischen fest zum Alltag unserer Kollegen“, heißt es auf Nachfrage seitens der Polizei Erlangen Stadt. Grund hierfür seien tatsächlich primär Trunkenheitsfahrten. „Das sind oftmals Leute, denen ihr Heimweg nach ein paar Bier zu lang wird“, erklärt der Erlanger Beamte. In Vergangenheit hätten diese vermutlich ein Fahrrad geknackt oder gemietet und seien damit heimgefahren.

Erinnerungen an Fahrradschwemme

E-Scooter-Anbieter würden eine vermeintlich attraktive Alternative hierzu bieten – die für Nutzer jedoch problematisch sei. „E-Scooter gelten nämlich als motorisierte Fahrzeuge“, heißt es. Demzufolge sei bei Kontrollen hier derselbe Blutalkoholwert von 0,5 Promille wie bei Autofahrern anzuwenden. Auf dem Fahrrad dürfe man hingegen – sofern man sich nicht auffällig verhalte – einen Wert von bis zu 1,6 Promille erreichen. Dazu zählen auch E-Bikes.

„Ansonsten fällt, wenn man unterwegs ist, oftmals auf, dass Roller von Benutzern ungünstig auf Fuß oder Radwegen abgestellt werden“, heißt es seitens der Polizei. Manchmal würden E-Scooter von Vandalen aber auch in Grünanlagen entsorgt. Dies wecke Erinnerungen an die sogenannte Fahrradschwemme, bei der Anbieter große Mengen an Leihrädern in deutsche Städte brachten und sich eher unzureichend um deren Verbleib kümmerten. Letztendlich sei es jedoch Aufgabe der Kommunen selbst, sich um derartige Probleme zu kümmern

Fast 1000 Leihfahrzeuge in Erlangen

Tatsächlich gibt es laut Angaben der Stadt in Erlangen derzeit fast 1000 Leih-Scooter unterschiedlicher Anbieter. „Die Anzahl der Fahrzeuge ist von der Verwaltung vorgegeben und wird auf die aktiven Anbieter aufgeteilt“, erklärt die Pressestelle. Welche Bereiche von E-Scooter befahren werden dürften, sei in der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) und der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt.

Ebenfalls in der eKFV geregelt sei, dass die E-Scooter beim Abstellen wie Fahrräder zu behandeln seien. „Im Sinne der Mitbürgerinnen und Mitbürger sind die Fahrzeuge durch Nutzende so zu parken, dass Behinderungen anderer Verkehrsteilnehmenden ausgeschlossen sind. Für die Einhaltung der Regelungen ist der jeweilige Anbieter zuständig“, erklärt die Stadt. Sollten bestimmte Schwerpunkte identifizierte werden, kommuniziere die Stadtverwaltung den Umgriff an die Anbieter zur Ausweisung einer Parkverbotszone, etwa bei den Fluchtwegen des E-Werks.

Stadt setzt auf Kooperation

Im Allgemeinen dürfen Fahrzeuge nur im öffentlichen Raum abgestellt werden. „Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, hat die Stadt Erlangen mit den Anbietern von Verleihsystemen einen freiwilligen Kooperationsvertrag geschlossen, mit dem Ziel für eine sichere und stadtverträgliche Nutzung zu sorgen“, erläutert die Stadt. Es sind unter anderem Bestimmungen zum Betrieb und Parken, zur Anzahl der Fahrzeuge sowie zur Kooperation festgehalten.

Konkrete Aussagen, wie groß der Beitrag zur Mobilitätswende sei, können derzeit aufgrund fehlender Datengrundlage übrigens nicht getroffen werden. „Bei Analyse der Daten zeigt sich aber, dass die viele Fahrten zu den typischen Spitzenstunden in den Morgen- und Abendstunden stattfinden und viele Start- und Endpunkte an den Bahnhöfen liegen“, erläutert die Pressestelle. Dies lasse auf intermodale Wegeketten von Pendelnden schließen. Derzeit würden die Daten aber noch ausgewertet, erst dann könnten genauere Aussagen getroffen werden.

Geschicklichkeitstest für Feierwütige

Es sei ihnen ein großes Anliegen, dass sich Nutzer an die Regeln der StVO halten, erklärt E-Scooter-Anbieter Tier auf Anfrage. „Dazu gehört auch das korrekte Abstellen der Fahrzeuge. Daher nehmen wir Beschwerden von falsch abgestellten Fahrzeugen sehr ernst. Passanten, denen E-Scooter auffallen, die nicht ordnungsgerecht abgestellt sind, können jederzeit mit unserem Kundenservice in Kontakt treten", schreibt das Unternehmen. Das sei per Telefon, über die auf dem E-Scooter befindliche Telefonnummer, per Online Chat über der Website des Unternehmens oder per E-Mail unter support@tier.app möglich. „Unser lokales Team wird dann einen Hinweis erhalten und den E-Scooter zeitnah entfernen", heißt es. 

Um E-Scooter-Fahrten unter Alkoholeinfluss zu verhindern, würden entsprechende Hinweise in der App in den Abendstunden an die Nutzer ausgespielt. Zudem haben man ein App-Feature, bei dem Nutzer mithilfe eines Geschicklichkeitstests ihre Fahrtüchtigkeit unter Beweis stellen müssen. „Zusätzlich haben wir in Deutschland eine Kooperation mit FREE NOW", schreibt Tier. Darüber würden Nutzer entsprechend auf deren App weitergeleitet, um darüber ein Taxi zu buchen. 

Team vor Ort sorgt für Bergung

„Alle Tier-Scooter sind über GPS mit unserem System verbunden, dadurch können wir die Fahrzeuge in Echtzeit auf wenige Meter genau orten", berichtet die Pressestelle. Da die Fälle von Vandalismus meist in der Nacht passierten, prüfe das lokale Team morgens die komplette Flotte bezüglich Auffälligkeiten - etwa bezüglich des Standorts in den Sperrzonen oder in Wassernähe. Wenn ein Anfangsverdacht für Vandalismus bekannt werde oder man bemerke, dass ein Signal aus dem Wasser, aus Parks oder außerhalb des Geschäftsgebiets komme, reagiere das lokale Team schnellstmöglich und versuche den E-Scooter einzusammeln.

„Wenn einer unserer Scooter im Wasser landet, sind unsere lokalen Teams vor Ort bemüht, die E-Scooter, die in Ufernähe im Wasser gelandet sind, möglichst zeitnah zu bergen, sofern dies mit der uns zur Verfügung stehenden Ausrüstung möglich ist", heißt es weiterhin. In seltenen Fällen könne es vorkommen, dass Tier für die Bergung professionelle Unterstützung in Form von Industrietauchern zurückgreife. „Wir arbeiten mit Hochdruck an technischen Lösungen, um das GPS-Tracking der E-Scooter künftig noch genauer aussteuern zu können", schreibt der Anbieter. Ziel sei es, im Falle eines Missbrauchs möglichst früh aktiv zu werden.

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