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Filiale in Höchstadt
Strompreise brechen Bäckerei Goldjunge das Genick
Bäcker wie die Kette Goldjunge benötigen Tonnen an Mehl und Butter und zig Megawattstunden Strom pro Jahr für ihre Öfen.  Für die Bäckerei aus Franken sind nun sowohl Rohstoffe als auch Energie zu teuer geworden.
Bäcker wie die Kette Goldjunge benötigen Tonnen an Mehl und Butter und zig Megawattstunden Strom pro Jahr für ihre Öfen. Für die Bäckerei aus Franken sind nun sowohl Rohstoffe als auch Energie zu teuer geworden. // Picture alliance / dpa
Höchstadt a. d. Aisch – Die Bäckerei Goldjunge ist nach 2018 erneut zahlungsunfähig. Jetzt warnen die Bäckerverbände: Die Firma Goldjunge wird nicht die Einzige bleiben.

Es ist eine traurige Nachricht für die Mitarbeiter der Bäckerei-Kette Goldjunge und deren Kunden. Zum zweiten Mal hat die Firma aus Langenzenn, die eine Filiale im Höchstadter Aischparkcenter betreibt, Insolvenz angemeldet. Nachdem 2018 die Sanierungsmaßnahmen 26 der 37 Filialen gerettet hatten, steht deren Zukunft nun erneut auf der Kippe.

Die Firma Goldjunge reiht sich damit im schlimmsten Fall ein in die steigende Zahl von Bäckereien, die im Kreis Erlangen-Höchstadt und der Stadt Erlangen in den vergangenen Jahren das Handtuch warfen. Im besten Fall für die Angestellten übernehmen ein oder mehrere Investoren den gesamten Betrieb und keine Stelle geht verloren.

Seit 2007 haben in Erlangen-Höchstadt zehn, in der Stadt Erlangen,  fünf Bäckereien ihre Läden geschlossen. Grund dafür war selten eine Insolvenz sondern in den meisten Fällen ein fehlender Nachfolger.
Seit 2007 haben in Erlangen-Höchstadt zehn, in der Stadt Erlangen, fünf Bäckereien ihre Läden geschlossen. Grund dafür war selten eine Insolvenz sondern in den meisten Fällen ein fehlender Nachfolger. // Grafik: Franziska Schäfer

Das wollen aber weder der Geschäftsführer Robin Schimpf, noch der vom Landgericht Fürth zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Fachanwalt für Insolvenzrecht, Volker Böhm, versprechen.

Das Ziel ist der Erhalt von Arbeitsplätzen

Es sei noch zu früh für Prognosen. „Zunächst müssen wir den aktuellen Stand analysieren. Anschließend werden wir die Sanierungsoptionen prüfen“, sagt Volker Böhm. Zu diesen zählt auch das Einbeziehen von Investoren.„Eines steht aber jetzt schon fest: Unser Ziel ist der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze.“

Im ersten Schritt informierten Geschäftsführer und Anwalt die rund 300 Mitarbeiter. Deren Gehälter sind durch das Insolvenzgeld noch für wenigstens drei Monate gesichert. Außerdem bleiben zunächst alle Filialen und Cafés der Kette geöffnet, also auch die im Höchstadter Aischparkcenter.

Das Goldjunge-Café im Höchstadter Aischparkcenter hat viele Stammkunden. Diese bangen nun mit den Angestellten um die Zukunft der Firma.
Das Goldjunge-Café im Höchstadter Aischparkcenter hat viele Stammkunden. Diese bangen nun mit den Angestellten um die Zukunft der Firma. // Andreas Dorsch

Der Mehlpreis hat sich verdoppelt, der Strompreis vervielfacht

Als Gründe für die Insolvenz nannte Geschäftsführer Robin Schimpf seine explodierten Kosten. „Der Preis für Rohstoffe wie Mehl oder Margarine hat sich in den vergangenen zehn Monaten nahezu verdoppelt. Hinzu kommen die immer höher werdenden Energiepreise. Derzeit müssen wir für Energie im Monat 100.000 Euro mehr bezahlen als im Herbst 2021. Das konnten wir als Unternehmen nicht mehr kompensieren.“

Während die Bäckerei-Kette laut Schimpf 2018 durch unerwartete Reparatur- und Fremdkosten zahlungsunfähig wurde, gehe sie diesmal also aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise in die Knie.

Außerdem sei das Bäckerhandwerk durch die Back-Theken der Discounter und andere Konkurrenten in den vergangenen Jahren stark unter Druck geraten. Sprich, die Kundenzahlen schrumpfen. Trotzdem wolle Schimpf nicht aufgeben, sondern um den Erhalt seiner Firma kämpfen.

Die Bäckerverbände schlagen Alarm

Die Problematik der Kostenexplosion kennt Jochen Meyer, Obermeister der Bäckerinnung Erlangen-Hersbruck, nur zu gut. Der Betreiber der Bäckerei „Brezen Meyer“ in Erlangen mit 45 Mitarbeitern in vier Filialen macht sich ernsthafte Sorgen um die Zukunft. „Jeder deutsche Betrieb mit Werkstatt und damit Stromverbrauch kämpft aktuell mit einer Preissteigerung, wie wir sie noch nie erlebt haben.“

Der Mittelstand sei den internationalen Spekulationen mit Rohstoffen und Gas an der Börse völlig ausgeliefert.

„Wir erhalten kein Weizen aus der Ukraine, aber unser Mehlpreis hat sich verdoppelt. Deutschland produziert zurzeit im Vergleich zum vergangenen Jahr die sechsfache Menge an Strom durch Gas, weil Frankreich soviel einkauft, aber der Preis pro Kilowattstunde Strom ist für mich von zehn Cent auf zuletzt 80 Cent gestiegen. Wie soll ich bei einem Verbrauch von rund 78 Megawattstunden plötzlich 62.400 Euro statt 7800 Euro jährlich bezahlen? Wir haben genug Gas und Weizen, nur bestimmen die Börse und die privaten Gaskraftwerke den Preis.“

„Viele Betriebe werden es nicht schaffen“

Nach zwei schlechten Jahren durch Corona folge nun die Energiekrise. „Ich will durchhalten. Sicher ist aber, viele Betriebe werden das nicht schaffen und bald müssen wir alle wieder unsere Preise erhöhen.“

Der Geschäftsführer des Bayerischen Müllerbunds, Josef Rampl, spricht ebenso drastische Warnungen aus. „Wenn die Politik nicht sofort handelt, werden wir Preise von einem Euro pro Kilowattstunde erreichen.“

Dass dadurch eine Vielzahl von Betrieben wie die Bäckerei Goldjunge insolvent gehen würden, habe nichts mit Misswirtschaft zu tun. „Was da auf uns zurollt, kann sich kaum einer vorstellen. Privatpersonen werden es durch die Nebenkostenabrechnung und die teuren Produkte merken. Betriebe des Mittelstands, die ihren Strom am Markt einkaufen, trifft es schon jetzt.“

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