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Vorreiter in ganz Bayern
Modellprojekt in Herzogenaurach: Mit KI zum Techniker
Am Schulzentrum in Herzogenaurach wird KI als Wahlpflichtfach angeboten. Das Interesse ist groß.
Am Schulzentrum in Herzogenaurach wird KI als Wahlpflichtfach angeboten. Das Interesse ist groß. // Symbolfoto: Julian Stratenschulte, dpa
Signet des Fränkischen Tags von Sabrina Schnappauf
Herzogenaurach – Die Fachschulen in Herzogenaurach sind Vorreiter in ganz Bayern in Sachen Künstliche Intelligenz. Das Interesse daran ist groß. Warum das Schulzentrum dafür nun umgebaut werden muss.

Inmitten von Herzogenaurach entsteht derzeit etwas Großes – wortwörtlich. Die staatlichen Fachschulen am Schulzentrum Herzogenaurach durchlaufen eine grundlegende Transformation. Die Fachschulen bieten drei spezialisierte Fachrichtungen an: Maschinenbautechnik, Kunststofftechnik und Mechatronik. Sie richten sich an berufserfahrene Fachkräfte aus technischen Berufen, die sich in zwei Jahren in Vollzeit oder in vier Jahren berufsbegleitend zur staatlich geprüften Technikerin oder zum staatlich geprüften Techniker weiterqualifizieren möchten – praxisnah, zukunftsorientiert und mit besten Perspektiven für Führungspositionen in der Industrie.

In fünf Bauabschnitten, verteilt über insgesamt acht Jahre, wird der gesamte Schulcampus modernisiert – und die Fachschulen machen den Anfang. „Wir sind eine Wahlschule – und wollen auch so wahrgenommen werden“, betont Schulleiter Martin Wirsching.

Neues Raumkonzept an Fachschulen in Herzogenaurach

Die kommenden Bauabschnitte greifen tief in die Struktur des gesamten Schulzentrums ein: Klassenzimmer werden nach und nach in sogenannte integrierte Fachunterrichtsräume umgewandelt. Hier sollen Schülerinnen und Schüler künftig alles vorfinden, was sie für einen Lernzusammenhang brauchen – theoretisch wie praktisch. Ob ein Verkaufsraum für angehende Einzelhändler, ein Modell-Hochregallager für den Großhandel oder spezialisierte Technikräume – das neue Raumkonzept ermöglicht ein ganzheitliches, barrierefreies Lernen in realitätsnahen Umgebungen. Damit folgt das Schulzentrum modernen didaktischen Konzepten, bei denen klassische Fächer durch praxisorientierte Lernfelder ersetzt werden.

Bauarbeiten werden das Bild an der Berufsschule prägen.
Bauarbeiten werden das Bild an der Berufsschule prägen. // Florian Dormann, Archiv

Parallel dazu wird das Schulzentrum auch energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Die Technik stammt teilweise noch aus den 1980er-Jahren – nun werden Dächer, Fenster und sämtliche Versorgungssysteme umfassend saniert. Die Maßnahmen sorgen nicht nur für mehr Nachhaltigkeit und Energieeffizienz, sondern schaffen auch ein angenehmeres Lern- und Arbeitsklima für alle Beteiligten.

Was an vielen Schulen noch Vision ist, ist in Herzogenaurach längst Alltag: Die Fachschulen arbeiten seit über fünf Jahren vollständig digital. Jeder Studierende erhält zu Beginn seiner Ausbildung ein persönliches iPad sowie einen Microsoft-365-Account – beides bleibt während der gesamten Schulzeit im Besitz der Lernenden. Ob Unterrichtsmaterialien, Hefteinträge, Aufgaben oder Präsentationen: Alles ist jederzeit und überall abrufbar, auch per Smartphone. „Unsere Schüler brauchen kein Papier mehr – alles läuft über die Geräte“, erklärt der Schulleiter.

Auch im Unterricht selbst zeigt sich der digitale Wandel: Klassische Tafeln wurden durch Projektionsflächen ersetzt, Inhalte werden über Apps dokumentiert und stehen danach automatisch allen zur Verfügung. Lehrkräfte können korrigierte Arbeiten für die gesamte Klasse zugänglich machen – eine neue Form des gemeinsamen Lernens. Möglich wurde die Digitalisierung durch die gezielte Nutzung staatlicher Förderprogramme. „Der Landkreis musste dadurch kaum eigene Mittel aufwenden“, so Wirsching. Das Ergebnis: ein nachhaltiges, krisenfestes Konzept, das sich gerade in Phasen von Distanzunterricht als unschätzbar wertvoll erwiesen hat.

Auch das Thema der Künstlichen Intelligenz ist an den Fachschulen in Herzogenaurach längst mehr als ein Schlagwort – sie ist fest im Lehrplan verankert. Bereits seit 2019 wird KI als Wahlpflichtfach in allen drei Fachrichtungen angeboten – als erste Schule in ganz Bayern. „Wir sind da ein echter Leuchtturm in der Region“, sagt Schulleiter Martin Wirsching nicht ohne Stolz. Das Interesse ist groß, denn das Fach vermittelt nicht nur technisches Wissen, sondern auch ein grundlegendes Verständnis darüber, wie KI funktioniert und wie sie sinnvoll eingesetzt werden kann. Ab dem kommenden Schuljahr wird die Einrichtung eine von bayernweit vier Fachschulen sein, die Künstliche Intelligenz als neue Fachrichtung fest in den Lehrplan aufnehmen darf. Deren Absolventen nennen sich dann Staatlich geprüfter Techniker für Künstliche Intelligenz.

Roboter programmieren: Künstliche Intelligenz an Fachschulen in Herzogenaurach

Überraschend: Nicht nur IT-erfahrene Studierende zeigen Talent im Umgang mit Algorithmen und Datenmodellen. „Auch viele, die bislang keinen Berührungspunkt mit Informatik hatten, entwickeln im Unterricht ein erstaunliches Gespür fürs Programmieren und für KI-Projekte“, erzählt Bärbel Vogel, stellvertretende Schulleiterin des Bereichs Maschinenbautechnik. In praxisnahen Aufgaben lernen die Studierenden etwa, eigene Datenmodelle zu trainieren oder Anwendungen zu entwickeln – wie einen Roboter, der mithilfe einer selbst programmierten KI Solarpanels automatisch reinigen kann. Theorie trifft hier auf echte Innovation und macht die Fachschulen zu einem zukunftsweisenden Bildungsstandort.

Die staatlichen Fachschulen in Herzogenaurach zeigen eindrucksvoll, wie moderne Weiterbildung heute aussehen kann: digital, praxisnah, nachhaltig und zukunftsorientiert. Mit den laufenden Umbaumaßnahmen wird dieser Anspruch nun auch baulich konsequent umgesetzt: Das Schulzentrum wird zum Lernort der Zukunft. Für das kommende Schuljahr in Herzogenaurach sind in allen drei Fachrichtungen noch Plätze frei. „Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen“, sagt Schulleiter Martin Wirsching. Die Bewerbung ist ab sofort möglich – und der erste Schritt in eine stark vernetzte Zukunft.

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