0
Schuhe und Shirts bald teurer?
Adidas: Große Sorge um US-Zölle trotz starker Zahlen
Die Statue von Adolf Dassler vor der Adidas-Zentrale: Das von ihm gegründete Unternehmen will nun aus dem Tarifvertrag aussteigen.
Zwar zeigt Adidas sich positiv und geht mit guten Zahlen aus dem ersten Quartal. Über die Sorge wegen der US-Zölle kann das Unternehmen aber nicht hinwegtäuschen. // Foto: Gerd Ankermann
Herzogenaurach – Adidas feiert ein überraschend gutes Quartalsergebnis. Dennoch könnten US-Zölle die Zukunft des Unternehmens belasten. Das bekommen auch die Kunden zu spüren.

Noch vor wenigen Tagen hatte sich Adidas auf Anfrage von fraenkischertag.de zum Einfluss der neuen US-Zölle in Schweigen gehüllt. Am Dienstagvormittag diskutiert CEO Bjørn Gulden das Thema nun bei der offiziellen Vorstellung der Unternehmenszahlen für das erste Quartal. 

Es sei ein „fantastisches Wochenende“ für Adidas gewesen, schwärmt er zu Beginn der Pressekonferenz. Bei der sechsten „Road to Records“- Veranstaltung in Herzogenaurach seien die Weltrekorde gepurzelt, die Marathons in Madrid und Hamburg habe man gewonnen.

Auch das erste Quartal gibt laut Gulden Anlass zur Freude. Er sei „extrem glücklich über die Entwicklung“. Immerhin kann der Sportartikel-Gigant sich über eine Erhöhung des währungsbereinigten Umsatzes von 13 Prozent und über ein zweistelliges Wachstum in allen Märkten freuen. 

Adidas Herzogenaurach: Sorge um Zölle der USA  

Über die Sorge, die das von US-Präsident Donald Trump verursachte Zoll-Chaos der vergangenen Wochen beim Herzogenauracher Unternehmen verursacht, täuschen die guten Ergebnisse aber nicht hinweg. Nach aktuellem Stand will die USA die Zölle für fast alle Länder um zehn Prozent erhöhen, für manche Länder könnten es aber sogar bis zu 50 Prozent sein.

Für China sollen sogar 125 Prozent anfallen. Da Sportartikelhersteller wie Adidas und Puma größtenteils in asiatischen Ländern produzieren und ihre Produkte von dort aus verteilen, dürften sie die Zölle in den kommenden Monaten hart treffen.

Das streitet auch Gulden nicht ab. Das Problem, so der CEO, sei die Unberechenbarkeit. „Wir können den Einfluss der Zölle nicht berechnen. Welche Tarife soll man für die Berechnung nutzen?“, fragt er. Immerhin werden die Tarife zurzeit beinahe am laufenden Band geändert, ein- und wieder ausgesetzt. Man sei also damit beschäftigt, alle möglichen Szenarien durchzurechnen. 

Gulden: Wenig abhängig von USA 

Zwar betont der CEO, dass Adidas nur 20 Prozent seiner Geschäfte in den USA abwickle und nun verstärkt den Fokus auf andere Märkte legen wolle. „Nicht so sehr von den USA abhängig zu sein, ist hier von Vorteil“, sagt er. Außerdem sei man zuversichtlich, etwaige Verluste auf dem US-amerikanischen Markt über eine gute Performance auf anderen Märkten kompensieren zu können. 

Seit 2023 ist Bjørn Gulden CEO des Herzogenauracher Sportartikelherstellers Adidas.
Adidas-CEO Bjørn Gulden bestätigt: Preise in den USA werden aller Voraussicht nach steigen müssen. // Foto: Anna-Lena Reif

Dennoch werden die Zölle, die die USA gegen Länder wie Vietnam und China ausspricht, das Unternehmen in den kommenden Monaten stark beschäftigen. Diese werden sich wohl mindestens auf die Preise von Adidas-Produkten auf dem US-Markt niederschlagen. Professor Christoph Moser, der sich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) mit internationalem Handel und Handelspolitik beschäftigt, geht sogar so weit, zu prognostizieren, „dass realistischerweise jeglicher Handel [zwischen China und den USA] zusammenbrechen wird“. 

Preise für Adidas-Produkte in den USA werden steigen 

Da eine Verlagerung der Produktion in die USA laut IHK-Experten Manuel Hertel allein wegen der Kosten unwahrscheinlich ist, scheint eine Erhöhung der Preise auf dem US-Markt beinahe unausweichlich. Noch habe diese aber nicht stattgefunden, betont Gulden. Auch beim Kaufverhalten in den USA habe man bisher keine Unterschiede festgestellt, da sich die Zölle noch nicht auf den Markt auswirken würden. Man warte ab, wie das Zoll-Chaos sich weiter entwickle.

Man habe aber Pläne für das Worst-Case-Szenario. So würde man im Zweifel versuchen, vor dem Inkrafttreten der Zollerhöhung so viele Produkte wie möglich in die USA zu schiffen, teils könnten Produkte auf andere Märkte umgeleitet werden. Auch ein Treffen mit rund 300 Vertretern der wichtigsten Zulieferer habe in Herzogenaurach bereits stattgefunden.

Gulden: Fairness bei Lieferketten wichtig 

Im Endeffekt könne man die Zölle aber nicht auf deren Rücken austragen. „Es ist ein bisschen wie bei Covid“, sagt Gulden. Das Unternehmen wolle die Fairness in der Lieferkette aufrechterhalten. Auch andere Märkte sollen von den Erhöhungen nicht betroffen sein. „Wir sehen keinen Grund, die Preise außerhalb der USA zu erhöhen“, betont der CEO. Treffen wird es also vor allem die US-amerikanischen Konsumenten. 

Wie hoch genau die Preiserhöhungen ausfallen sollen, kann Gulden an diesem Dienstag nicht kommentieren. Auch das hänge zu sehr von den volatilen Umständen ab. „Wir müssen flexibel und agil bleiben“, sagt Gulden. „Wenn die Tarife so bleiben, müssen wir manövrieren, ruhig bleiben und nicht in Panik verfallen.“ 

 

Inhalt teilen
  • kopiert!