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Standort in Herzogenaurach
Erneuter Stellenabbau bei Schaeffler: Betriebsrat ordnet ein
Schaeffler Herzogenaurach
Wieder will Schaeffler Stellen abbauen, dieses Mal durch ein Altersteilzeitprogramm. Doch der Betriebsrat gibt sich positiv. // Foto: Florian Dormann
Herzogenaurach – Ein erweitertes Altersteilzeit-Modell soll bei Schaeffler nun erneut Stellen einsparen. Wieso der Betriebsrat in Herzogenaurach darin aber auch eine gute Nachricht sieht.

Ein oder zwei Jahre früher in die Rente: Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer klingt das wie ein Traum. Kein Wunder also, dass es bei vielen Arbeitgebern Programme gibt, um genau das möglich zu machen, so zum Beispiel die Altersteilzeit.

In einem Blockmodell können Arbeitnehmer ein, zwei oder drei Jahre zu einem geringeren Lohn normal weiterarbeiten und sind im Anschluss die gleiche Anzahl an Jahren bei gleichbleibendem Gehalt von der Arbeit befreit. 

Schaeffler Herzogenaurach: Bis zu acht Jahre im Altersteilzeitprogramm

Ähnlich funktioniert das auch bei Schaeffler, wo an verschiedenen Standorten solche Modelle mit einer unterschiedlichen Anzahl an Jahren existieren. Wie das Unternehmen bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen verkündete, soll dieses Programm nun ausgeweitet werden. Für Beschäftigte der Jahrgänge bis einschließlich 1971 soll es nun die Möglichkeit geben, die Altersteilzeit sogar auf bis zu acht Jahre auszuweiten – also vier Jahre Arbeit und vier Jahre Rente.

Nach eigenen Angaben rechnet das Unternehmen mit bis zu 1300 Beschäftigten, die das Angebot annehmen könnten. Das wären rund 20 Prozent der in Frage kommenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Obwohl nach den ersten Umstrukturierungsrunden nun also erneut Stellenabbau im Raum steht, ist das aus Sicht des Betriebsrates am Hauptstandort in Herzogenaurach nicht unbedingt eine schlechte Nachricht – im Gegenteil. 

Schaeffler: Betriebsrat unterstützt Abbauprogramm

In die Verhandlungen sei zunächst einmal der Konzernbetriebsrat involviert gewesen, da es sich um mehrere Standorte handle, erklärt Heinz Dieter Hahn, zweiter stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in Herzogenaurach. „Tatsächlich verhandeln wir auf Wunsch der Beschäftigten hin schon länger über eine Ausweitung der Altersteilzeit“, erklärt er.

Bisher habe es keine übergreifende Regel gegeben, zum Beispiel habe die Jahresanzahl von Standort zu Standort variiert. In Herzogenaurach sei bisher maximal ein Modell mit jeweils zwei Jahren möglich gewesen, außer in Fällen von Beschäftigten mit besonderer Belastung. 

Beim bisherigen Umstrukturierungsprogramm „Forward“ habe es außerdem reges Interesse auch aus der Produktion gegeben, für diesen Bereich sei das Programm aber nicht vorgesehen gewesen.

Doppelte Freiwilligkeit: Beschäftigte müssen sich von selbst melden

Nun kommt Schaeffler dem Bestreben des Betriebsrates also entgegen. „Wir brauchen uns natürlich auch nichts vorzumachen. Natürlich macht der Arbeitgeber das auch, weil wir zu viele Personen an Bord haben“, stellt Hahn klar. Dennoch könne er dem Programm viel Positives abgewinnen. 

Wichtig, so der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ewald Dobner, sei auch, dass niemand aktiv angesprochen werden soll. „Das muss vom Mitarbeiter selbst kommen“, erklärt er. Beim Forward-Programm sei das noch anders gewesen.

Außerdem gelte ein Prinzip der doppelten Freiwilligkeit. Zum einen müssten die Beschäftigten sich also freiwillig melden. Zum anderen habe aber auch das Unternehmen das Recht, die Anfrage abzulehnen, etwa bei Mitarbeitern, die unverzichtbar seien. 

Abbau von bis zu 1300 Stellen bei Schaeffler möglich

„Der Arbeitgeber ist mit uns so übereingekommen, dass die Mitarbeiter sich jetzt bis zum 30. September bei ihren Führungskräften oder der Personalabteilung melden können. Dann wird der Prozess in Gang gesetzt“, erklärt Dobner weiter.

Vor allem eben aus der Produktion rechnet der Betriebsrat mit viel Zulauf für das Programm. Ob die 1300 Stellen, die das Unternehmen sich vorstellt, erreicht werden, könne man zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht abschätzen. „Man muss sich die Altersteilzeit ja auch leisten können“, gibt Hahn zu bedenken. Das bisherige Abbauprogramm sei nicht schlecht gelaufen. „Der, dem es gerade passt, nimmt es an, der Rest nicht“, sagt Hahn.

Regierung überlegt Reform der Altersteilzeit

Bedenken müsse man auch, dass die Altersteilzeit im von der Bundesregierung geplanten Reformpaket deutlich eingeschränkt werden soll. Das, so vermuten die beiden Betriebsräte, könnte für manche zusätzlich ein Anreiz sein, die Möglichkeit jetzt noch zu nutzen.

Denn auf Empfehlung der Alterssicherungskommission wird derzeit diskutiert, das Mindestalter für die Altersteilzeit von 55 auf 58 Jahre anzuheben und auch das anfangs erklärte Blockmodell ganz abzuschaffen. „Wenn Mitarbeiter das jetzt in Anspruch nehmen, genießen sie einen gewissen Vertrauensschutz und bekommen die Altersteilzeit dann noch zu den Konditionen, auch wenn die Regierung etwas ändert“, erklärt Hahn. 

Schaeffler nennt keine Details zu Herzogenaurach

Für das Programm rechnet Schaeffler nach eigenen Angaben mit Kosten von bis zu 51 Millionen Euro. In den Bilanzen soll sich der erneute Abbau 2027 niederschlagen. Eine genaue Angabe dazu, wie viele Beschäftigte in Herzogenaurach vom neuen Programm profitieren könnten, macht das Unternehmen auf Nachfrage nicht – man wolle keine Details zur Altersstruktur auf Standortebene nennen.

„Da es sich um keine strukturelle Maßnahme handelt, haben wir auch kein Ziel, wie viele Altersteilzeitverträge wir abschließen möchten“, heißt es von einem Sprecher des Unternehmens. Außerdem könnte man die frei werdenden Stellen im Anschluss intern nachbesetzen, „wodurch sich für andere Mitarbeitende neue berufliche Chancen ergeben“ würden. 

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