Schaeffler drückt aufs Tempo, doch bei der Energiewende bremst die Bürokratie. Am Standort in Höchstadt hat man das Unternehmen nun erneut in den Umwelt- und Klimapakt der Staatsregierung aufgenommen. Am liebsten würde die Firma Schaeffler – mit 1500 Mitarbeitern größter Arbeitgeber in Höchstadt – morgen einstecken und den Strom aus der schon lange diskutierten Photovoltaikanlage in Medbach beziehen.
„Aber da steht ja noch nichts“, sagte am Mittwoch Martin Zenkel, der am Schaeffler-Standort Höchstadt zuständige Leiter für die Bereiche Energiemanagement, Umweltschutz, Arbeits- und Unternehmenssicherheit. Schaeffler muss auf den Strom aus der Sonnenenergie noch warten. Wie lange, das wissen vielleicht die Genehmigungsbehörden und die Firma Bayernwerk Netz. Angeblich ist das öffentliche Stromnetz nicht leistungsfähig genug, um in Medbach erzeugten Sonnenstrom zu Schaeffler nach Höchstadt-Süd zu liefern. Da konnte sich Martin Zenkel mit der kompletten Führungsriege von Schaeffler in Höchstadt nur damit trösten, aus den Händen von Landrat Alexander Tritthart (CSU) einmal mehr eine Urkunde über die erfolgreiche Teilnahme am Umwelt- und Klimapakt das Bayerischen Umweltministeriums entgegenzunehmen.
Gerald Brehm: Seit 30 Jahren an der Seiten von Schaeffler
Tritthart betonte bei der Übergabe, schon oft bei Schaeffler in Höchstadt gewesen zu sein. Der Landrat freue sich, einem „großen Player“ die drei Jahre gültige Auszeichnung zu überreichen, was andere Firmen animieren dürfte, auch mitzumachen. Für die Urkunde reiche es aber nicht, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Es müsse freiwillig investiert werden, „um Lösungen im Umgang mit herausragenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen zu entwickeln“, gibt die Bayerische Staatsregierung vor. Was Schaeffler in Höchstadt alles tut, erläuterte Martin Zenkel dem Landrat, Bürgermeister Gerald Brehm (JL) – er begleitet Schaeffler in Höchstadt seit 34 Jahren und kennt die Probleme des Unternehmens – und der Führungsmannschaft um Werkleiter Hans-Jürgen Ritter.
Für Zenkel gehören „Schaeffler in Höchstadt und der Umweltpakt zusammen“. So arbeite das Unternehmen daran, den Wasserverbrauch weiter zu reduzieren, die Mitarbeiter für den Umweltschutz zu sensibilisieren und Strom zu sparen. Die Umstellung auf LED-Beleuchtung im Werk ist laut Zenkel bereits zu 90 Prozent erfolgt, die Recyclingquote beim Abfall liegt bei 97 Prozent. Nicht so einfach ist die Biodiversität und die Schaffung von Grünanlagen auf dem Werksgelände. „Höchstadt hat sich um uns herum gebaut“, sagte der Energiemanager.
Sechs Jahre Planung für Windräder in Höchstadt
Dafür wolle man Dachflächen des Werksgeländes begrünen. Zenkel betonte, dass das alles freiwillige Leistungen des Unternehmens seien. Schaeffler möchte nicht nur Strom aus der geplanten PV-Anlage bei Medbach, „wir hoffen und glauben an neue Windräder in der Gegend, auf denen Schaeffler steht“. Eine sechsjährige Planungsphase für Windräder ist Energiemanager Martin Zenkel aber viel zu lange. Würde Schaeffler so planen, „sind wir in sechs Jahren vom Markt verschwunden“.
Landrat Alexander Tritthart und Bürgermeister Gerald Brehm versuchten, die langen Zeitspannen zu erklären. Was Schaeffler eigenverantwortlich umsetzen könne, gehe schnell. „Aber wir brauchen die Bevölkerung“, gab Tritthart zu bedenken. Die mache zwar mit, aber nicht vor der eigenen Haustür. Vor Ort sei die Begeisterung für PV-Anlagen und Windräder endlich.
Landrat Alexander Tritthart nimmt Stellung zu Energiewende
Mit dem Energiethema befinde man sich in einem Spannungsfeld, in dem man mit verschiedenen Interessensgruppen zurechtkommen müsse. Landrat Alexander Tritthart zur Energiewende: „Kritische Bürger kosten uns Zeit.“
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