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Tipps von Adidas, HUK und Co
So gehen Sie richtig vorbereitet ins Vorstellungsgespräch
Bewerbungsgespräch
Jetzt kommt's drauf an: das Bewerbungsgespräch. // kabu - adobestock.com / Micho Haller
Mehrwert Magazin
Herzogenaurach – Sie stehen vor dem nächsten großen Schritt in Ihrer Karriere, aber ein Bewerbungsgespräch fühlt sich an wie ein Sprung ins eiskalte Wasser. Personaler großer Unternehmen aus der Region geben Tipps für den entscheidenden Moment.

Sie träumen von einer neuen Stelle? Wollen beruflich wachsen, suchen mehr Sicherheit, bessere Führung, mehr Geld? Mit diesem Wunsch sind Sie nicht allein: Mehr als ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland hält derzeit einen Jobwechsel für vielversprechend.

Das Bewerbungsschreiben war erfolgreich. Aber jetzt folgt das, was Bewerbern nicht selten den Angstschweiß auf die Stirn treibt: das Bewerbungsgespräch. Wir haben die Personaler großer Unternehmen in der Region nach Tipps für die Vorstellung gefragt und wertvolle Antworten von HUK Coburg, der Stadt Bamberg, von Brose, Siemens Healthineers und von Adidas bekommen.

„Gute Vorbereitung ist die halbe Miete“

Klar wird: Ein Bewerbungsgespräch ist immer auch eine Selbstprüfung. „Sei diszipliniert“, sagt Recruiterin Kristina Schulte von Adidas auf die Frage nach Tipps und Tricks für ein Bewerbungsgespräch und: „Vorbereitung ist alles!“ Und erklärt dann auch gleich, wie sie sich das vorstellt: Recherche zum Unternehmen, Rolle, Funktionsbereich, den Interviewpartnern und auch zu den Gehaltsvorstellungen. Bewerber sollten außerdem Zeitvorgaben beachten, wenn sie im Rahmen der Bewerbung eine Präsentation halten sollen.

Manuela Gelker
Manuela Gelker ist Personalchefin bei der Stadt Bamberg. Sie sagt: "Gute Vorbereitung ist die halbe Miete." // Stadt Bamberg

„Gute Vorbereitung ist die halbe Miete“, meint auch die Personalchefin der Stadt Bamberg, Manuela Gelker. Sie rät, aktiv auf die Ansprechpartner in der Ausschreibung zuzugehen und sie über Aufgaben und den Rahmen des angestrebten Beschäftigungsverhältnisses zu befragen, statt nur passiv Fragen zu beantworten.

Vor dem Bewerbungsgespräch wichtige Fragen klären

Zur Vorbereitung zählt der Blick ins Internet ebenso wie die Auseinandersetzung mit den Anforderungen in der Ausschreibung: „Natürlich freue ich mich auch, wenn sich mein Gegenüber mit meinem Unternehmen auseinandergesetzt hat – also wenigstens mal einen Blick auf die Homepage geworfen hat“, sagt Liza Follert, Head of Talent Acquisition für den Bereich Europa, Nordamerika, Naher Osten und Afrika bei Siemens Healthineers.

Und eben jene Vorbereitung führt dazu, dass man sich von der Konkurrenz abhebt, selbstbewusst sowie überzeugend auftritt, meint Fabio Lospinoso. Er ist Head of Talent Acquisition & Employer Branding, übersetzt in etwa Chef der Personalbeschaffung der HUK Coburg.

Doch die Vorbereitung auf das Gespräch geht noch viel weiter. Letztendlich gehört auch die Selbstbefragung mit dazu. Was will ich, wer bin ich, was habe ich bislang getan und wozu ist das wichtig? „Ich möchte meine Bewerber*in kennenlernen und nicht andere Leute, die gar nicht vor mir sitzen“, sagt Liza Follert. „Natürlich möchten wir uns im besten Licht präsentieren, nicht alle unsere Schwächen gleich auf den Tisch legen.“ Allerdings sei es sinnlos zu versuchen, jemand zu sein, der man nicht ist, nur um den vermeintlichen Anforderungen eines künftigen Arbeitgebers gerecht zu werden.

Floskeln und Worthülsen? Nicht im Bewerbungsgespräch

„Treten Sie authentisch auf und verstellen Sie sich nicht – wir tun es auch nicht“, sagt Saskia Keßler. Der Personalerin der Brose Gruppe ist wichtig, dass Bewerber und Unternehmen langfristig zusammenpassen. Eine Besonderheit bei Brose: Bewerbungsgespräche drehen sich oft nicht nur um die ausgeschriebene Stelle. Es kommen gleich auch alternative Einsatzmöglichkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen zur Sprache.

Fabio Lespinoso
„Ihre Authentizität ist von unschätzbarem Wert und demonstriert Ihre Fähigkeit, aufrichtig und offen in Ihrer Kommunikation zu sein.“ - Fabio Lospinoso, Chef der Personalbeschaffung der HUK Coburg. // HUK Coburg

Entwicklungsfelder würden im Gespräch eruiert, meint auch Manuela Gelker von der Stadt Bamberg und rät fürs Bewerbungsgespräch: „Bleiben Sie ehrlich und stapeln Sie nicht hoch.“ Warum das so ist, erläutert Fabio Lospinoso von der HUK Coburg: „Ihre Authentizität ist von unschätzbarem Wert und demonstriert Ihre Fähigkeit, aufrichtig und offen in Ihrer Kommunikation zu sein.“ Floskeln und Worthülsen will er in Bewerbungsgesprächen nicht hören. Um das zu vermeiden, rät er Bewerbern dazu, sich vor dem Gespräch mit der Frage auseinanderzusetzen: Was macht mich einzigartig?

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Wer mitten im Leben steht und den Job wechseln will, hat viel erlebt. Ein Erfahrungsschatz, der zu groß ist, um ihn in einem Bewerbungsgespräch vollständig zu präsentieren. Worauf sollen sich Bewerber also fokussieren? „Ich empfehle, das Interview aktiv zu nutzen, um Ihre beruflichen Erfolge und Leistungen zu betonen“, rät Fabio Lospinoso. „Insbesondere jene, die für die Position, um die Sie sich bewerben, von hoher Relevanz sind.“

Bewerber sollten in der Lage sein, Gespräche mitzugestalten. 

Ein Tipp vom Experten dazu: „Untermauern Sie Ihre Kompetenzen und Ihr Know-how mit prägnanten Beispielen, die Ihre Aussagen greifbar und nachvollziehbar machen.“ Tatsächlich ist für alle Personaler wichtig: Wie haben Bewerber in der Vergangenheit auf Herausforderungen und Schwierigkeiten reagiert? Welche Lösungen kann man sich vorstellen? „Es ist daher ratsam, ein bis zwei konkrete Szenarien bereitzuhalten, in denen Sie zeigen, wie Sie komplexe Probleme erfolgreich gelöst haben“, sagt Lospinoso und warnt zugleich: „Übertreiben Sie dabei jedoch nicht.“

Adidas sucht laut Recruiterin Kristina Schulte nach motivierten Kandidaten, die lernbereit sind, persönlich geeignet für die Rolle und die Wachstumspotenzial mitbringen. Sie spricht in diesem Zusammenhang auch von „transferable Skills“. Also Fähigkeiten von Bewerbern, die sich auf die neue Aufgabe übertragen lassen. „Ein Vorstellungsgespräch bei Adidas ist ein zweiseitiges Gespräch“, sagt sie. „Nicht nur das Unternehmen lernt Bewerber*innen kennen, sondern auch andersherum.“

Kristina Schulte
Kristina Schulte ist Recruiterin bei Adidas in Herzogenaurach. // Adidas

Auch Liza Follert von Siemens Healthineers freut sich, wenn beim Vorstellungstermin eine Gesprächssituation entsteht: „Vielleicht hat meine Bewerber*in dann sogar ein paar Fragen. Wenn es dann zu einem informativen Gespräch kommt, in dem man sich austauscht, dann kann ich mir als Führungskraft und als Personalerin das beste Bild von der anderen Person machen.“ Drei Minuten am Ende des Bewerbungsgesprächs für die Fragen des Kandidaten? Diese Praxis scheint längst der Vergangenheit anzugehören. Die Aussagen der Personalprofis der großen Unternehmen signalisieren durch die Bank: Bewerber sollten in der Lage sein, Gespräche aktiv mitzugestalten. 

Die größten Fehler der Bewerber

In den Gesprächen zählen nicht nur die inneren Werte eines Bewerbers. Auch ein dem Unternehmen entsprechendes Outfit ist wichtig. „Bei Adidas zum Beispiel sollte man keine Mitbewerber tragen“, sagt Schulte. Mit Sneakern von Nike zum Bewerbungsgespräch nach Herzogenaurach? Eine schlechte Idee. Prinzipiell sei es aber auch wichtig, dass Kandidaten sich in ihrer Haut wohlfühlen. Also gilt auch beim Outfit: nicht verkleiden, nicht verstellen.

Was sind denn nun die größten Fehler im Bewerbungsgespräch? Saskia Keßler von der Brose Gruppe bezeichnet schlechte Vorbereitung, Unehrlichkeit, Unpünktlichkeit oder gar Nichterscheinen als die größten Fehltritte, die sich ein Kandidat in einem Bewerbungsgespräch leisten kann. „Auch zu ausgeprägte Kritik am ehemaligen Arbeitgeber kommt eher schlecht bei Personalern an.“ Das sagen auch andere Personalerinnen, wie Manuela Gelker von der Stadt Bamberg. Gelker warnt zudem davor, Gesprächspartnern das Wort abzuschneiden, ausweichende oder einsilbige Antworten zu geben, vom Thema abzuschweifen, Fragen zu ausführlich und zu detailreich zu beantworten und zu wenig Blickkontakt zu den Teilnehmern der Gesprächsrunde zu suchen.

Liza Follert
Liza Follert, Head of Talent Acquisition EMEA bei Siemens Healthineers. // 

Liza Follert von Siemens Healthineers wünscht sich außerdem Tiefe in den Gesprächen: „Keinen Gefallen tun sich Bewerbende bei mir, wenn sie alles an der Oberfläche lassen und nicht konkret werden. Wenn sie keine Bespiele für ihre Argumente oder Erfahrungen nennen oder auf Allgemeinplätze verfallen.“ Es stört Follert, wenn Bewerber eine Rolle spielen und ein Schauspiel aufführen oder keine Fragen haben.

Eine Absage nicht persönlich nehmen

Eine Einbahnstraße ist ein Bewerbungsgespräch also nicht, es ist eine wunderbare Gelegenheit: Wer den Ratschlägen der Personaler folgt, kann es gut vorbereiten, mit Freunden und Bekannten vorher durchspielen und es als Gelegenheit sehen, zu prüfen, ob Qualifikationen und die Chemie mit dem Arbeitgeber stimmen. Aber was, wenn dennoch trotz bester Vorbereitung und gutem Gefühl eine Absage ins Haus flattert? Nicht das Ende der Welt, meint Sonja Reiter von der „Inga“, der Internen ganzheitlichen Integrationsberatung von der Arbeitsagentur Bamberg-Coburg. Es sei schon eine großartige Leistung, dass man es bei einem Unternehmen überhaupt ins Bewerbungsgespräch geschafft habe.

Man müsse sich davon lösen, dass eine Absage persönlich gemeint sei, sagt Reiter. „Es hat halt in dem Moment einfach nicht gepasst.“ Reiter übt mit ihren Kunden Bewerbungsgespräche im Rollenspiel. „Alleine bekommt man das schlecht hin“, sagt sie. Das heißt: Wer sich wirklich gut vorbereiten will, übt – vielleicht auch mit Freunden – das Bewerbungsgespräch. Wer ein Bewerbungsgespräch vorher durchspielt, festigt Szenarien und Beispiele, die in der Aufregung des Gesprächs sonst unterzugehen drohen. Außerdem werden Unsicherheiten sichtbar, und man kann sich Strategien zurechtlegen, die Klippen zu umschiffen.

Für viele ist so ein vorbereitendes Schauspiel bestimmt fast genauso unangenehm wie das Gespräch selbst. Aber der Effekt einer solchen Schulung sei es wert, so die Expertin der Arbeitsagentur. „Dann sehen wir: Hier ist der Punkt, da bleibst Du eigentlich immer hängen“, sagt Reiter. Sie bietet jeden ersten Donnerstag von 14 bis 16.30 Uhr in der Agentur für Arbeit in Bamberg eine offene Sprechstunde an – für Fragen rund ums Bewerbungsgespräch oder zur beruflichen (Neu-)Orientierung. „Da kann man ohne Anmeldung einfach vorbeikommen.“ 

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