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Biervielfalt in Gefahr?
Brauereien in Erlangen-Höchstadt: Das hat sich verändert
Thomas Rittmayer am Tresen  in seiner Brauereigaststätte.Forchheim & Fränkische Schweiz
Thomas Rittmayer am Tresen in seiner Brauereigaststätte. // Foto: FT-Archiv/ Barbara Herbst
Erlangen-Höchstadt – Am Tag des Bieres scheint nicht alles so golden wie das Getränk. Brauereiverbände sehen die Biervielfalt in Gefahr. Worauf Brauer in Erlangen-Höchstadt gegen Druck und Konkurrenz setzen.

Am 23. April feiert der Deutsche Brauer-Bund den „Tag des Bieres“. Denn am 23. April 1516 wurde das Reinheitsgebot verkündet. Am Tag des Bieres scheint allerdings nicht alles so golden, wie das Getränk selbst. Brauereiverbände schlagen über die wirtschaftlich schlechte Ausgangslage Alarm. Im Jahr 2023 mussten laut Statistischem Bundesamt 52 Brauereien in Deutschland schließen.

Wie vielerorts gibt es auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt eine jahrhundertealte Tradition des Bierbrauens. Derzeit hat der Landkreis (ohne Stadtgebiet Erlangen) noch acht Braustätten. Das sind:

  • Bierfabrik Hoehn, Herzogenaurach
  • Brauerei Blauer Löwe, Höchstadt a.d. Aisch
  • Brauerei Friedel, Höchstadt a.d. Aisch
  • Brauerei Sauer, Röttenbach
  • Brauerei und Gasthaus Rittmayer, Adelsdorf
  • Brauereigasthof Zum Löwenbräu, Adelsdorf
  • Brauereigasthof Geyer, Oberreichenbach
  • Brauhaus Höchstadt, Höchstadt a.d.Aisch

Sie setzen traditionell auf Direktvermarktung oder die passende Nische.

Rittmayer aus Aisch braut fränkisches Hausbier

Thomas Rittmayer braut im Ortsteil Aisch in Adelsdorf im Jahr etwa 19 Hektoliter Bier. Den Tag des Bieres feiert er zwar nicht. Dafür richtet die Hausbrauerei am 27. Juni ein Brauereifest aus. Mit seiner Ein-Mann-Brauerei gehört Rittmayer zu den kleineren Brauhäusern. Sein Hausbier versorgt durstige Gäste seines Gasthauses.

„Wir sind ein Familienbetrieb“, sagt Rittmayer über seine Brauerei. „Früher Josef, dann Alois, nun Thomas. Unter dem Namen Rittmayer brauen wir nun in der dritten Generation.“ Der Stammbaum der Familie ist mit Adelsdorf eng verflochten und reiche bis ins 17. Jahrhundert zurück. Thomas Rittmayer führt seit mehr als 15 Jahren das Familiengeschäft. „Die Kombination aus fränkischem Gasthaus mit Brauerei – das ist ein Identifikationspunkt“, sagt er.

Thomas Rittmayer aus Aisch braut als Ein-Mann-Betrieb für die gleichnamige Gaststätte.
Thomas Rittmayer aus Aisch braut als Ein-Mann-Betrieb für die gleichnamige Gaststätte. // FT-Archiv/ Barbara Herbst

Grundsätzlich funktioniere die Direktvermarktung bei Rittmayers immer sehr gut. Aber an den Verkauf über Getränke- oder Supermärkte braucht Rittmayer gar nicht erst zu denken. „Die Konkurrenz am Markt ist zu groß“, sagt er. Der Preisdruck auch. „Warum soll man sich den Preis diktieren lassen?“, fragt der Brauer.

Ob er Sorgen für die Zukunft habe? „Große Sorgen? Nicht wirklich. Aber die Energiekosten sind ein Problem“, räumt Rittmayer ein. Am liebsten würde er an den Rekord in der Coronazeit anknüpfen. „Der Absatz war 2020 und 2021 so hoch, wie noch nie in der Firmengeschichte.“ Darum gibt es die zwei Sorten, das Schankbier und das Fassbier der Rittmayers nur vor Ort.

Wer trotzdem auch zu Hause in den Genuss des Gerstensafts kommen möchte, für den gibt es die Möglichkeit sich junges Bier zu einem Literpreis von 1,30 Euro ins eigene Fass abfüllen zu lassen. „Je nachdem, ob man einen süßen oder herben Geschmack will, kann man das Bier zu Hause nachreifen lassen“, sagt Rittmayer.

Bierfabrik Hoehn in Herzogenaurach setzt auf Events

Vor sechs Jahren hat Matthias Hoehn sich dazu entschlossen, sein Hobby zum Beruf zu machen. 2019 gründete er die Bierfabrik Hoehn in Herzogenaurach. Seine Brauerei sei seitdem von „nano“ auf „klein“ gewachsen, scherzt er.

Mathias Hoehn vor den Lagertanks, in denen seine Biere reifen
Mathias Hoehn vor den Lagertanks, in denen seine Biere reifen // Martin Regner

Darum zog die Bierfabrik vor einem Jahr in die Hauptstraße. In dem kleinen Lokal veranstaltet der Brauer alle zwei Wochen Afterworkpartys mit Ausschank und Speisen. Donnerstags und freitags von 13 bis 18 Uhr öffnet der Direktverkauf.

Eines der beliebtesten Biere der Bierfabrik ist das Kirchweihbier. „Das Helle hat sich inzwischen als Trend durchgesetzt“, so Hoehns Beobachtung. Daneben ist das Rotbier sehr beliebt. „Das ist ein sehr fränkisches Landbier“, erklärt Hoehn.

Der Brauer Hoehn ist mit seinem Durstlöschfahrzeug gelegentlich auf dem Marktplatz in Herzogenaurach anzutreffen.
Der Brauer Hoehn ist mit seinem Durstlöschfahrzeug gelegentlich auf dem Marktplatz in Herzogenaurach anzutreffen. // Matthias Hoehn

Neben den Events und dem Direktverkauf hat sich der 46-Jährige eigene Wege gesucht, um sein Bier an den Mann oder die Frau zu bringen. „Während der Coronazeit habe ich mich auf den Markt gestellt und verkauf“, sagt er. Mittlerweile wird sein Bier auch in einer kleinen Gaststätte ausgeschenkt. Seit 2023 gibt es die Biere der Bierfabrik auch auf der Herzogenauracher Kirchweih.

Im Handel gibt es Hoehns Bier bisher nicht. Das hat allerdings nichts mit dem Preisdruck der Konkurrenz zu tun. „Ich bin noch auf der Suche nach Händlern für das Fassbier“, sagt der Brauer.

Seit Gründung schlage sich die wohl jüngste Brauerei in Erlangen-Höchstadt bisher gut. „Es ging immer aufwärts“, sagt Hoehn. „Dieses Jahr ist das erste Mal, das durchschlägt.“ Bisher konnte der Brauer für das laufende Jahr noch kein Wachstum verzeichnen. Der Brauer bemerkt: „Die Leute sind zurückhaltender und kaufen weniger.“

Vielfalt regionaler Brauereien in Gefahr?

Durch den Craft-Beer-Trend und dem gestiegenem Interesse an regionalen Bieren in den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Brauereien in Deutschland auf Höchstwerte um 1500 Brauereien gestiegen. Laut dem Statistischen Bundesamt hat es auf seit den 1970er Jahren nicht mehr so viele Braustätten gegeben. Seit 2020 sind die Zahlen jedoch wieder rückläufig.

Bayern, das Bundesland mit den meisten Traditionsbraustätten, hat seit der Wiedervereinigung 170 Braustätten verloren, so die Zahlen des Bayerischen Brauverbundes. Franken steht hier vergleichsweise solide da. Mit 172 Brauereien rühmt sich Oberfranken weiterhin als Region mit der höchsten Brauereidichte Europas. In Mittelfranken gibt es 67 Brauereien (Stand November 2024), davon acht im Landkreis Erlangen-Höchstadt. 

Dabei war die Biervielfalt im Landkreis zu Hochzeiten der Kleinbrauereien deutlich größer. Das ist lange her. Zu Beginn des 20. Jahrhundert habe es im Landkreis mehr als 25 Brauereien gegeben, wie auf einer Website über Heimat- und Braugeschichte, Bierkrug Wiki, zu lesen ist. Ob das die tatsächliche Höchstzahl an Brautstätten ist, lässt sich nicht genau ausmachen. Wie der FT in der Vergangenheit berichtete, gab es in Lonnerstadt allein einmal 18 Brauereien. 

Georg Rittmayer: Regionale Brauer kämpfen gegen Billigpreise

Den Großteil der heutigen Brauereien in Deutschland machen dabei die diejenigen aus, die weniger als 5000 Hektoliter im Jahr produzieren. Vor allem diese Kleinbrauereien sieht der Verband der Privaten Brauereien Bayern durch gestiegene Energiepreise und einen stetig schwindenden Bierabsatz bedroht.

Verbandspräsident Georg Rittmayer sieht die regionale Biervielfalt in Gefahr. Allein nach der Coronazeit hätten sieben Brauereien in Franken schließen müssen. „Brauer stehen unter massivem Druck. Sie können die gestiegenen Energiepreise nicht an die Verbraucher weitergeben“, sagt Rittmayer.

Georg RittmayerForchheim & Fränkische Schweiz
Georg Rittmayer // Matthias Hoch

Hinzu kämen hohe Personalpreise und Preisdruck durch die großen Brauereien, mit denen Kleinbetriebe nicht mithalten könnten. „Regionale Brauer verdienen ihr Geld am Zapfhahn. Sie können keinen Kasten Bier zu Billigpreisen herstellen“, sagt Rittmayer. Neben vielen Hektolitern, die einer Region dadurch fehlten, gibt der Inhaber der Rittmayer-Brauerei aus Hallerndorf auch andere Auswirkungen zu bedenken: „Wer von den großen Brauereien kümmert sich denn um die Region? Zum Beispiel als Sponsor, um die kleinen Sportvereine?“

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