Die Weinstöcke in Franken haben ihre Herbstfarben abgelegt; die Arbeit der Winzer ist aber noch lange nicht vorbei. „Wir arbeiten jetzt im Keller“, sagt Wolfgang Luckert vom Zehnthof, einem vielfach prämierten Weingut in Sulzfeld im Kreis Kitzingen, das er gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich und seinem Sohn Philipp führt. „Jetzt bewegen sich die Weine vom letzten Jahr Richtung Gärung, da ist Überwachung angesagt.“
Auch draußen geht es weiter, erzählt Joachim Brand, Leiter des Weinguts Juliusspital in Würzburg. „Schlussendlich beginnt die eigentliche Arbeit für den Jahrgang 2024 exakt jetzt, mit dem Schnitt der Rebstöcke während der Vegetationsruhe.“ Und es geht ums Vermarkten und den Verkauf.
Wein als Geldanlage schon lange ein Thema
Das Juliusspital gehört zu den größten Weingütern Deutschlands und zu den renommiertesten der Region. Zu den Krönungsfeierlichkeiten der Queen 1953 wurde unter anderem ein 1950er Juliusspital „Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling“ kredenzt. Verkauft wird dieser berühmte Tropfen nicht mehr. Die verbliebenen Flaschen dieses Jahrgangs seien „ausschließlich für unsere Schatzkammer bestimmt“, sagt Joachim Brand. Und dort sind sie wahrscheinlich ein kleines Vermögen wert.

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Wer vom Krönungswein der Queen noch eine Flasche sein Eigen nennen könnte, könnten diese vermutlich für ein stattliches Sümmchen veräußern. Generell gilt: Wein als Geldanlage ist in Fachkreisen schon lange ein Thema. Aber gilt das auch für Frankenwein?
Sowohl der Zehnthof als auch das Juliusspital gehören mit 27 weiteren in Franken dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) an, der sich für verbindliche Qualitätsstandards und die ökologische Bewirtschaftung der Weingüter seiner Mitglieder einsetzt. Es handelt sich um einen exklusiven Kreis, in dem nur 201 der rund 16.000 Weingüter in Deutschland organisiert sind. Die Verbandsmitglieder erzeugen Spitzenweine. Laut VDP die qualitativ hochwertigsten Weine in Deutschland. Die Mitglieder können entsprechende Preise aufrufen. 150 Euro beispielsweise für den „Creutz Sylvaner“ Jahrgang 2022 vom Weingut Zehnthof.
Qualität, Label und Langlebigkeit zählen für Weine als Geldanlage
„Das ist schon mal ein Erfolg für ein fränkisches Weingut“, sagt Valentin Brodbecker anerkennend. Er ist ausgewiesener Weinkenner und meint, der für Franken typische Silvaner habe inzwischen zumindest „ein bisschen“ Furore gemacht: Weine von Wirsching in Iphofen, die sogenannten Großen Gewächse vom Echterberg, fänden international Erwähnung. In Deutschland seien die Winzer Rainer und Horst Sauer aus Volkach in aller Munde, die Brüder Stahl aus Auernhofen im Kreis Neustadt/Aisch hätten sehr gute Qualitäten. Und den Creutz-Wein vom Zehnthof bezeichnet der ausgewiesene Wein-Experte aus Mainz als einen sogenannten Icon-Wein – Weine aus der teuersten Kategorie.
Solche Icon-Weine legt Brodbecker auch Investoren ans Herz. Menschen also, die den Wein nicht trinken, sondern mit Kauf, Lagerung und Weiterverkauf Geld verdienen wollen. Und das, so Brodbecker, gehe mit einem Dreisatz: Qualität, Label, Langlebigkeit. Wer Weine zur Anlage suche, sollte sich auf etablierte Weingüter mit hohen Bewertungen konzentrieren, dokumentiert in Weinführern wie Gault Millau, Eichelmann oder Vinum. Seien da vier oder fünf Sterne vergeben, handle es sich um ein renommiertes Weingut, das Spitzenweine in einer besonderen Lage, von höchster Qualität und besonderer Lagerfähigkeit herstelle. In Deutschland treffe das zum Beispiel auf Große Gewächse oder Trockenbeerenauslesen zu.
Zahlreiche Weingüter mit Auszeichnung
Marcel Heid versteigert Weine von Berufs wegen. Er ist Geschäftsführer von Koppe & Partner Weinauktionen aus Bremen und damit nach eigenen Angaben Marktführer unter den Auktionshäusern. Heid ist einerseits skeptisch, was fränkische Weine als Geldanlage angeht. Er erkennt aber andererseits auch Möglichkeiten: „Große Gewächse mit langem Reifepotenzial von Horst Sauer oder Paul Fürst werden sicherlich im Wert steigen“, meint er. Heid rät interessierten Investoren, sich bei der Auswahl Zeit zu lassen, weltweite Trends zu beobachten sowie sich auf Potenzial und Reputation von Weingütern zu konzentrieren.
Einige dieser Kriterien treffen inzwischen auch auf fränkische Weine zu: Reputation, zum Beispiel gepaart mit Qualität. Erst dieser Tage wurde der Kellermeister vom Juliusspital, Nicolas Frauer, vom Weinführer Gault Millau zum „Kellermeister des Jahres“ gekürt. Der Zehnthof wurde von Weinmagazin Vinum zum „Weingut des Jahres“ in Franken erkoren; die Qualität der Luckert-Weine mit 4,5 von fünf Sternen bewertet.
Sie zählen damit zu den besten Weinen in Deutschland. Lediglich das Weingut Fürst in Bürgstadt (Kreis Miltenberg) hat einen halben Stern mehr. Vier Sterne gingen dieses Jahr an das Bürgerspital in Würzburg, Rudolf May in Retzstadt, Max Müller I in Volkach, Rainer Sauer in Escherndorf, Schmitt‘s Kinder in Randersacker, das Weingut Am Stein, Würzburg, und Paul Weltner in Rödelsee.
Fine-Wine-Market: „Dort wird gezockt wie an der Börse“
Für den sogenannten „Fine Wine Market“, dominiert von der Weinbörse Liv-Ex in London, reicht es allerdings noch nicht. Dort gibt es derzeit unter den Top 50 Weinen keinen einzigen aus Deutschland, berichtet Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Also auch keinen aus Franken. An dem globalen Weinhandelsplatz geht es um die sogenannten Blue Chips unter den Weinen, um pure Wertsteigerung. „Dort wird gezockt wie an der Börse“, sagt er. Dennoch entwickelten sich auch die Franken allmählich zum Anlageprodukt. In den großen Weinführern hochgelobt, erreichten sie inzwischen Preise, die man vor 20 Jahren noch nicht für möglich gehalten habe. Einige seien bereits jetzt nur auf Zuteilung zu bekommen. Und wegen des Klimawandels könnten die Eisweine zur Rarität werden. Knappe Güter versprechen oft eine Wertsteigerung.
In Deutschland gibt es 13 Weinanbaugebiete. Die fränkischen Reben erstrecken sich nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Weinanbau und Gartenbau auf mehr als 6.287 Hektar auf vorwiegend Buntsandstein-, Muschelkalk- und Keuperböden. Auf über 80 Prozent der Fläche werden Weißweinsorten angebaut, allen voran Grüner Silvaner, Müller-Thurgau, gefolgt von Riesling und Bacchus.
Fränkischer Silvaner in einer früher unvorstellbaren Qualität
Silvaner wächst hier laut VDP Franken seit mehr als 350 Jahren – und das aktuell in einer Qualität, die vor 25 oder 30 Jahren noch unvorstellbar gewesen sei, sagt Wolfgang Luckert vom Zehnthof. „Um den Silvaner zu verstehen und zu keltern, hat es eine gewisse Zeit gebraucht.“ Inzwischen kenne jeder Spitzenwinzer im Fränkischen den Weinberg und die Sache extrem gut. Und sie bekommen den Klimawandel zu spüren. So früh wie jetzt geerntet werde, sei das früher nicht vorstellbar gewesen.
Inzwischen gibt es in Franken Weingüter, die in herausragenden Lagen ausgezeichnete Weine herstellen - zu sehr hohen Preisen. Blue Chips unter den Weinen sind es dennoch nicht, wenngleich einige der fränkischen Spitzenweine nur noch unter Subskription zu bekommen sind. Interessenten müssen sich für einen solchen Wein registrieren lassen, noch bevor er abgefüllt wird. Das könnte als Signal für einen besonders raren Tropfen gewertet werden, Branchenkreisen zufolge aber auch als Marketingstrategie.
Frankenwein: Erhoffte Wertsteigerung eine risikoreiche Wette
Aber fränkische Winzer stellen denselben Kreisen zufolge zu wenig Flaschen der Grossen Gewächse her, um international überhaupt als Anlage- und Spekulationsobjekt wahrgenommen werden zu können. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass ein prämierter und teurer fränkischer Wein eines renommierten Weingutes nach dem Kauf an Wert gewinnt. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Wer sein Glück mit Frankenwein als Geldanlage versuchen will, sollte als Liebhaber eines guten Tropfens kaufen. Darin sind sich alle befragten Experten einig. Bleibt die erhoffte Wertsteigerung aus, kann man den Wein gemeinsam mit Freunden immer noch genießen.
„Wein ist eigentlich zum Trinken da, zum Freude haben und nicht als Geldanlage“, sagt auch Wolfgang Luckert vom Zehnthof
, dem das Thema Wein als Geldanlage hörbar nicht behagt. Der Klimawandel bewegt ihn da schon viel eher: „Wir erleben einen Umbruch, der extrem beunruhigend sein sollte“, sagt er. Momentan bewege sich die Weinregion noch auf der Gewinnerseite. Aber wie lange noch? Inzwischen seien manche exponierte Lagen zu heiß für Weißwein, suchten die Winzer nach Lagen, „die nicht so extrem in der Sonne stehen, um einfach die Rebstöcke vor extremer Hitze und Trockenheit zu schützen. Es war früher unvorstellbar, dass so eine Situation mal eintritt.“
Klassifikation des Verbandes der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP)
Es gibt ein sogenanntes Weingesetz aus dem Jahr 1971. Danach wird die Qualität eines Weins nach dem Grad Oechsle bestimmt. 2012 stellte der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) eine weitere Klassifikation auf.
- VDP.Gutswein: Der VDP.Gutswein ist der Einstiegswein eines VDP-Weingutes. Das Symbol ist der VDP.Adler.
- VDP.Ortswein: Diese Weine kommen aus den besten Weinbergen innerhalb eines Ortes.
- VDP.Erste Lage: Diese Weine sind laut VDP herausragend, markant und langlebig und stammen aus klar abgegrenzten Lagen – auf denen nur wenige Rebsorten angebaut werden und keine großen Ernten angestrebt werden. Trockene Weine aus dem Bereich VDP.ERSTE LAGE werden als VDP.ERSTES GEWÄCHS bezeichnet und tragen 1G-Logo auf dem Etikett.
- VDP.Große Lage: Weine der Großen Lage stammen oft aus weltberühmten Lagen, die durchweg außerordentliche Trauben hervorbringen, jahrhundertelang bekannt sind und Lage, Boden und das außergewöhnliche Können der Winzer widerspiegeln. Weine der VDP.Große Lage, die trocken sind, werden als VDP.Großes Gewächs, mit einem GG-Logo auf der Weinflasche gekennzeichnet.
Wein als Geldanlage
Worauf müssen Anleger achten, wenn sie in einen Wein investieren wollen?
- Etikett: Es muss sauber und unbeschädigt sein, das gilt für Flasche, Kapsel und Verschluss. Beschädigungen mindern den Erlös.
- Angebot und Nachfrage: Sondereditionen oder andere Weine mit geringem Angebot eignen sich besonders gut.
- Jahrgang: Wein-Jahr prüfen.
- Füllstand: Wein verdunstet – es sollte so wenig Platz wie möglich im Flaschenhals zwischen Korken und Füllstand liegen.
- Temperatur: Stabil bei 8 bis 16 Grad; Erschütterungen, Licht und Feuchtigkeit meiden.
- Zertifikate oder Identifikationsnummern: Wichtig bei den ganz großen Chateaus.
- Lagerplatz: Weinkeller, Weinkühlschrank – am besten mit Zonen für Rot- und Weißwein. Wein-Spediteure lagern unter Umständen zu optimalen Bedingungen. Alternativ Erzeuger direkt anfragen.
Bekannte Weinführer zum Einstieg
Man muss kein Weinkenner sein, meint der Mainzer Experte Valentin Brodbeck. Um in Wein zu investieren, müsse man noch nicht einmal selbst den Geschmack und die Qualität eines Weins bewerten können. Man könne sich in die Materie einarbeiten und die wichtigsten Labels und Jahrgänge über das Studium von Weinführern erschließen. Folgende Weinführer wurden von den Ansprechpartnern immer wieder erwäht:
- Eichelmann 2024 Deutschlands Weine, 9500 erfasste Weine, Verlag: MONDO Heidelberg/Mondo Communications, 1184 Seiten, 39,95 Euro.
- VINUM Weinguide Deutschland 2024, fast 11.000 verkostete Weine, Verlag: Christian, 1108 Seiten, 35 Euro.
- Gault & Millau Weinguide Deutschland, 8000 verkostete Proben, Verlag: Edition Michael Fischer, 704 Seiten, 45 Euro.
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