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Mainschleifenbahn
Warum neue Gutachten und vertiefte Planungen nötig sind
Als Ausflugsbahn für Touristen fährt der Schienenzug der Mainschleifenbahn zwischen Seligenstadt und Volkach im Moment. Geplant sind ein Ausbau bis Würzburg und stündliche Fahrtzeiten. 
Als Ausflugsbahn für Touristen fährt der Schienenzug der Mainschleifenbahn zwischen Seligenstadt und Volkach im Moment. Geplant sind ein Ausbau bis Würzburg und stündliche Fahrtzeiten.  // Chris Weiß
Signet des Fränkischen Tags von Thomas Fritz
Volkach – Die Reaktivierung der Mainschleifenbahn zwischen Volkach und Würzburg könnte scheitern. Eine Untersuchung stellt den volkswirtschaftlichen Sinn in Frage.

Zum Fahrplanwechsel 2027 sollte die Mainschleifenbahn eigentlich wieder stündlich zwischen Würzburg und Volkach im Nahverkehr fahren. "Das ist jetzt nicht mehr möglich", nehmen Alexander Schraml und Frank Albert, Geschäftsführer der Mainschleifenbahn-Infrastruktur-GmbH (MIG), an. Denn, für die zehn Kilometer lange Strecke ist nach einer ersten Nutzen-Kosten-Untersuchung keine staatliche Förderung möglich, weil sich sämtliche Streckenvarianten nicht rechnen würden. 

Wechsel vom vereinfachten ins Regelverfahren

Ganz aufgeben wollen die Gesellschafter der MIG die Reaktivierung der Mainschleifenbahn, die im Moment nur als ehrenamtlich betriebene Ausflugsbahn Touristen Einblicke in die Landschaft der Mainschleife bietet, nicht. Eine neue, tiefergehende Kosten-Nutzen-Rechnung soll nun den wirtschaftlichen Nutzen der Bahn nachweisen. Dafür ist ein Wechsel der Methoden nötig - vom vereinfachten Verfahren ins Regelverfahren, das länger dauert und mehr Geld kostet. 

"Es ist schade, dass wir jetzt Zeit und Geld verloren haben."
Kerstin Celina, Landtagsabgeordnete (Bündnis90/Die Grünen)

Deshalb sei es unwahrscheinlich, dass mit dem Fahrplanwechsel in vier Jahren regelmäßige Fahrten des Schienenbusses zwischen Volkach-Astheim und Würzburg in den Bahn-Fahrplan aufgenommen werden können. Die Geschäftsführer der MIG rechnen mit einem Jahr Verzögerung. Doch, warum hat die Gesellschaft überhaupt das vereinfachte Verfahren gewählt, wenn es nicht das gewünschte Ergebnis bringt? Hätten die Planer nicht vorher wissen können, dass das Regelverfahren sinnvoller ist, um Zeit zu sparen?

Hohe Baukosten und viele Behörden

"Es ist schade, dass wir jetzt Zeit und Geld verloren haben. Wahrscheinlich hätte man von Anfang an die vertiefte Nutzen-Kosten-Untersuchung machen sollen", sagt Grünen-Landtagsabgeordnete Kerstin Celina, die sich zusammen mit ihren unterfränkischen Parteikollegen Patrick Friedl und Paul Knoblach sehr für die Reaktivierung der Mainschleifenbahn einsetzt. 

Hauptgesellschafter der Infrastruktur-GmbH sind der Landkreis Kitzingen und das Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg, mit einem kleinen Anteil ist auch der Förderverein Mainschleifenbahn dabei. Landrätin Tamara Bischof (Kitzingen) und Landrat Thomas Eberth (Würzburg) sind derzeit die Vorsitzenden der Gesellschaft. "Jeder Experte hat das vereinfachte Verfahren empfohlen, vor allem die Regierung von Unterfranken und das Bayerische Verkehrsministerium", sagt Eberth. "Speziell für Reaktivierungsverfahren mit einem Volumen bis zu 30 Millionen Euro", ergänzt Bischof. 

Bahnübergänge müssen mit Schranken gesichert werden, wenn die Mainschleifenbahn regelmäßig im Nahverkehr eingesetzt wird. 
Bahnübergänge müssen mit Schranken gesichert werden, wenn die Mainschleifenbahn regelmäßig im Nahverkehr eingesetzt wird.  // Chris Weiß

Doch der Aufwand und die Investitionen für die Mainschleifenbahn sind hoch. Eine wichtige und teure Weiche muss eingebaut werden, Zuwege zu Bahnhöfen sind nötig, ein neuer Park and Ride-Parkplatz ist geplant und vieles mehr. Allein 15 Behörden sind am Verfahren beteiligt. "Dabei könnte jetzt schon ein ICE über die Strecke fahren", sagt Albert. Bei 19,5 Millionen Euro liegen die Baukosten aktuell. Der Kaufpreis für die Bahnstrecke, etwa eine halbe Million Euro, ist noch gar nicht eingerechnet.

Braucht es eine Drainage für 11,2 Millionen Euro?

Dazu kommt die Frage, ob eine Planumsschutzschicht zur Stabilisierung der Gleise und zusätzlichen Entwässerung nötig ist. Die Ingenieure des Planungsbüros Schüßler-Plan würden den Einbau empfehlen, weil die Trasse nicht ordnungsgemäß entwässert ist und im Laufe der Zeit unterspült werden könnte. Die Landeseisenbahnaufsicht jedoch hält eine Drainage nicht für zwingend erforderlich. 11,2 Millionen Euro würde die zusätzliche Baumaßnahme kosten. 

"Letztlich kommt es auf eines an: Was ist der Kreistag bereit, für die Erschließung von 1400 Menschen im östlichen Landkreis Würzburg zu bezahlen", sagt Landrat Eberth. Im Moment würden zwei Szenarien vorliegen - mit und ohne Planumschutzschicht. Das Bundesverkehrsministerium würde 90 Prozent der Investitionssumme in die Mainschleifenbahn fördern, doch nur, wenn der Nutzen die Kosten übersteigt.

Im Moment sieht es danach aber wohl eher nicht aus. "In beiden Varianten aus dem vereinfachten Verfahren rechnet sich eine Reaktivierung der Mainschleifenbahn nicht", sagt er und setzt auf das Regelverfahren der Nutzen-Kosten-Untersuchung, das vielleicht in einem Jahr zu einem besseren Ergebnis kommt. 

Die Mainschleifenbahn

Die Zugverbindung zwischen Seligenstadt und Volkach wurde 1909 eröffnet. 1968 stellte die Deutsche Bahn den regelmäßigen Personenverkehr ein, 1991 dann auch den Güterverkehr. Schon 1997 gab es einen ersten Versuch, die Strecke zu reaktivieren. Er scheiterte. Die Bahnstecke gehört mittlerweile dem Förderverein. So gibt es seit 20 Jahren eine Museumsbahn, die sich durch die Landschaft der Mainschleife schlängelt. 
Quelle:tf
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